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Nicht alle Envio-Arbeiter lassen sich untersuchen

03.09.2012 | 16:30 Uhr
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Nicht alle Envio-Arbeiter lassen sich untersuchen

Dortmund.   Im Envio-Prozess hörte das Landgericht gestern 25 der insgesamt 51 Arbeiter, die laut Anklage zum Teil ungeschützt an versuchten Trafos gearbeitet haben. Auch der Vater von BVB-Mittelfeldspieler Kevin Großkreutz, der 2009 dort Schlosser war, sagte als Zeuge aus.

Unter den 51 potentiell geschädigten Arbeitern, die laut Anklage in der Firma Envio zum Teil ungeschützt mit dem hochgiftigen Isoliermittel PCB in Berührung kamen, gehört auch der Vater des BVB-Mittelfeldspielers Kevin Großkreutz. Der 46-Jährige erklärte gestern als Zeuge im Landgericht, von 2008 bis Ende 2009 als Schlosser bei Envio gearbeitet zu haben.

Als aktuellen Beruf gab der kantige, muskulöse Mann gestern im Gericht allerdings etwas anderes an: „Spielerbeobachter“. Die entscheidende Frage, die der Vorsitzende Richter der 35. Großen Strafkammer Thomas Kelm gestern allen 25 als Zeugen geladenen Envio-Arbeitern stellte, beantwortete Vater Großkreutz mit einem kernigen, unmissverständlichem „Ja“: Die Frage, ob er seine Ärzte von der Schweigepflicht entbinde und auch bereit sei, sich von einem Gutachter untersuchen zu lassen. Dieser Gutachter, so viel war gestern klar, wird nicht der bisherige Sachverständige Prof. Albert Rettenmeier sein: Der Essener Arbeitsmediziner steht vor der Pensionierung.

Gericht muss sich um anderen Gutachter bemühen

„Er wird das Gutachten nicht weiter betreiben, wir müssen uns um einen anderen, federführenden Gutachter bemühen“, erklärte der Vorsitzende Richter Thomas Kelm. Alle 51 Arbeiter müssten umfassend untersucht und begutachtet werden, dabei gehe es vor allem um mögliche Vorerkrankungen. Denn klar sei auch, dass man allein durch eine PCB-Konzentration im Blut keine Rückschlüsse auf mögliche Erkrankungen schließen könne.

Eine derartige Untersuchung mit Durchsicht aller ärzlichen Unterlagen – „Nur Zahnarzt und Kinderarzt brauchen wir nicht“ – werde Jahre dauern, befürchtete der Vorsitzende schon am letzten Prozesstag. Daher wird eine Aussetzung des Verfahrens und Neuaufnahme in weiter Ferne immer wahrscheinlicher. „Ich weiß noch gar nichts, nur, dass es problematisch wird“, so der Vorsitzende Richter.

Sechs der Arbeiter wollen nicht zum Arzt

Von den gestern befragten 25 Envio-Arbeitern erklärten sich 17 mit einer Untersuchung und Weitergabe ihrer Unterlagen einverstanden. Sechs Arbeiter - darunter einer, der drei Jahre lang direkt am Schredder stand und Trafos reinigte – sagten „nein“ und zwei wollen sich die Sache noch einmal durch den Kopf gehen lassen.

Die Anklage wirft Envio-Chef Dr. Dirk Neupert Körperverletzung in 51 Fällen vor, drei weitere Mitarbeiter müssen sich wegen Beihilfe zu Umweltverstößen verantworten.

Kathrin Melliwa

Kommentare
04.09.2012
13:57
Nicht alle Envio-Arbeiter lassen sich untersuchen
von silera | #4

Um was geht es in diesem merkwürdigen Artikel. Um den Vater eines Fußballspielers
der genauso inteligent ist wie sein Sohn oder geht es hier um geschädigte Arbeiter die bei einer kriminellen Firma ihre Gesundheit verloren haben. den Ausführungen des Gerichts kann ich nicht folgen.Warum ist das Gutachten von Prof. Renttenmeier plötzlich wertlos ?
Man kann den Eindruck gewinnen das das Gericht auf eine biologische Lösung setzt.

1 Antwort
Nicht alle Envio-Arbeiter lassen sich untersuchen
von vaikl2 | #4-1

Rettenmeier hat in seinem Gutachten nur Allgemeinplätze untersucht, aber keinen der Kläger persönlich. Deshalb ist das Gutachten zwar ok für eine Anklageerhebung, aber völlig nutzlos für den Prozess.

04.09.2012
10:39
Nicht alle Envio-Arbeiter lassen sich untersuchen
von auchdortmunder | #3

Ist es denn wichtig in der Sache, etwas über das Privatleben von Kevin Großkreuzs Vater zu veröffentlichen, in einer Weise, die wie "sich lustig machend" wirkt? Das Thema bietet doch genug Stoff für eine seriöse Berichterstattung..

04.09.2012
04:34
Echter Offenbarungseid
von vaikl2 | #2

Einem "Professor", der schon bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gutachterlich kläglich versagt, weil er lieber Papier studiert als echte Beweise mittels eigener Untersuchungen zu liefern, die Haupt-Gutachterrolle in einem der wichtigsten Umwelt-Strafprozesse der Bundesrepublik zuzuschustern, zeugt von mangelndem Bewusstsein dieser Staatsanwaltschaft für die eigenen Ziele in diesem Envio-Prozess. Man war ja schließlich angetreten, um die in der deutschen Rechtssprechung eingefahrenen Prozess-Historie mit der Beweispflicht der Opfer (siehe Grünenthal) umzudrehen und die Täter in die Beweispflicht zu zwingen.

Wenn es dieser Staatsanwaltschaft nur darum ging, bekannte Namen statt echter Expertise ins Feld zu führen, hat sie zwar ihren prozessuralen "Blowjob" beamtenmäßig verrichtet, aber damit den Opfern einen Bärendienst erwiesen. Die warnenden Stimmen im Vorfeld des Prozesses, dass es in Dortmund höchstens provinzmäßig zugehen wird, wurden also leider ignoriert.

03.09.2012
20:32
Nicht alle Envio-Arbeiter lassen sich untersuchen
von xxyz | #1

Es erfreut mich immer wieder, dass ich bei meiner Berufswahl kein Interesse an einem Jura-Studium hatte.

a) Das erinnert ein wenig Genesis I: "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde."
b) Gibt es bei Gutachtern keine Arbeitsteilung? Es muss doch möglich sein, Untersuchungen schneller durchzuführen bzw. die Abhängigkeiten von Gutachtern zu reduzieren (siehe Bungee-Seil).

Wenn Gerichte für eine Entscheidung solche Zeiträume benötigen, kann man auch direkt auf sie verzichten.

2 Antworten
Nicht alle Envio-Arbeiter lassen sich untersuchen
von geli21 | #1-1

Hat vielleicht auch damit zu tun, dass der Name Röttgen bei dieser Schweinerei aufgetaucht ist.

Zu Fragepunkt....
von hamicha | #1-2

" b " : Ein Gutachter kann in eben diesem Gut-/ oder auch Schlechtachten
( kommt auf die Sichtweise und wirkliche Neutralität an ) nur die eigene ( !! ) Wahrnehmung, Recherche und Erkenntnis daraus - in diesem Fall wird es ein Vereidigter sein - zugrunde legen.
Eine ARGE mit Meinungsfindungsaustausch ist hier nicht zulässig !
Hab ich noch was vergessen ....?

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