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Nicht alle Chinesen meckern wie Ziegen

02.06.2008 | 19:08 Uhr

Ein Schild verrät, lange bevor das Spiel beginnt, wohin die Reise geht. Zum Kaiser von China steht da. Nächste rechts.

Start zu einer spannenden Reise: Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer machen sich mit Lok Emma auf den Weg nach China. Das Stück hatte Premiere auf der Naturbühne Hohensyburg. (Bild: Ralf Rottmann)

Noch mal hingeguckt! Nicht "zum Kaiser" steht da, sondern "zum Kaisel". Und folglich heißt es auch "nächste lechts" in China.

Auch das Fahrzeug ist schon sichtbar, mit dem Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer die Reise antreten werden. Es ist, o heiliges Lokomotivrohr, die dicke Emma, wer sonst. Die Lok lugt bereits aus ihrem Schuppen.

Doch erst einmal kommt der noch dickere Schaffner und kontrolliert die Karten im Publikum. Dann findet er ein Buch, verwandelt sich in den König, und schon sind alle drin in einer der schönsten Geschichten, die man sich bekanntlich vorstellen kann.

Am Sonntag, bei herrlichstem Sonnenschein, war Jim Knopf-Premiere auf der Naturbühne Hohensyburg.

Ralf Schlüter war souverän - Musik wenig einfallsreich

Mit Musical-Ensemble, Kinder-Ensemble und einer eigenen, leider etwas rappeligen und kaum einfallsreichen Musik, die Christian Claas für diese Inszenierung (Regie Markus Beer) komponiert hatte. Das Stück folgt ziemlich treu der Vorlage von Christian Berg nach Michael Ende.

In der Premiere spielten Ralf Schlüter den Lukas (souverän!), Christian Leupold den feinsten kleinen Kerl, den Lukas je getroffen hat, also Jim. Ingrid Wernikowski war Frau Mahlzahn, Marcus Förster der König, der die Lokomotive des Landes verweist. Doch wie das so ist im Theater - manchmal gibt es für die bescheidenste Rolle den größten Applaus. Doch wie der kleine Andreas Müller als Ping Pong die Begrüßungsfloskel, das Ni Hao, mit den Lummerländlern einstudiert, ist schon eine starke Nummer.

Trotz des schönen Wetters - die Premiere hatte auch ihre Schattenseiten. Die Aufführung legt die Betonung auf die sprachliche Seite, der ständige Konsonantentausch (der Kaisel!) führt gerade bei den Kleinen im Publikum zu einigem Nichtverstehen. Und dass alle Chinesen immer nur meckern wie die Ziegen, ist auch nicht gerade fremdenfreundlich. Dass plötzlich die Titanic vorbeirauscht und Lukas und wer sonst sich kurz im falschen Film fühlen, solches geschieht viel zu selten.

Erst mit der Mahlzahn-Schule und den gefesselten Schulkindern kommt wieder Leben in die Bude. Eine Prinzessin befreien, wer möchte das nicht?

Trotzdem - mit anderthalb Stunden dauert dieser Lummerland-Besuch leider viel zu lang.

Von Rainer Wanzelius

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Kommentare
07.06.2008
22:38
Nicht alle Chinesen meckern wie Ziegen
von Jana Engel | #3

Liebe Leser!
Mit größter Verwunderung habe ich mich gezwungen, den Artikel des Herrn Wanzelius über die Premiere von Jim Knopf an der Naturbühne Hohensyburg bis zum Ende zu lesen. Ich hatte den Eindruck, daß der freie Mitarbeiter die Aussage des Stücks und die gesamte Arbeit der Naturbühne Hohensyburg nicht verstanden hat. Ich bin Mutter von 3 Kindern und wir haben uns mit der ganzen Familie das Stück angesehen. Die Musik des Stücks ist weder rappelig noch fad. Christian Claas ist es wieder mal gelungen, verschiedene Musikrichtungen einzubringen, so daß für jeden Musikgeschmack etwas dabei ist (Samba inklusive). Das Publikum hat jedes der Lieder mit viel Beifall honoriert und man hörte die Kinder noch auf dem Parkplatz die Lieder nachsingen. Einen Darsteller als noch dicker als die Lokomotive zu bezeichnen ist wohl in einem solchen Artikel, der wohlgemerkt den Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit schon in der Überschrift äußert, äußerst diskriminierend und verlangt nach einer öffentlichen Entschuldigung. Auf diverse andere sachlich falsche Kritikpunkte des Herrn Wanzelius mag ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen. Dem Regisseur des Stücks geht es bei Jim Knopf in erster Linie um Freundschaft, füreinander da zu sein und ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl. Das kommt beim Publikum, insbesondere bei den Kindern, auch so an. Unerwähnt läßt Herr Wanzelius auch die Tatsache, daß das Ensemble zum größten Teil aus Kindern besteht (der jüngste Mitspieler ist erst 6 Jahre alt) und das fast alle Requisiten und Kostüme und das Bühnenbild selbst hergestellt wurden. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie sich die Akteure beim Lesen des Artikels gefühlt haben und möchte hiermit alle Leser auffordern diese unmotivierte, wenig konstruktive und auch teilweise faktisch falsche Abhandlung des Herrn Wanzelius zu ignorieren und trotzdem dieses wunderschöne Familienstück in freier Natur zu genießen.

Jana Engel

05.06.2008
22:17
Nicht alle Chinesen meckern wie Ziegen
von Markus Beer | #2

Ich sehe mich gezwungen, einen kurzen Kommentar zu der oben aufgeführten Kritik abzugeben:
1. Es ist schlichtweg eine falsche Behauptung, das Stück lege einen Fokus auf die sprachliche Seite, hier: Vertauschung der Konsonanten. Dies kommt in einer Szene kurz vor und macht nicht mal 5 Minuten in dem sonst knapp 85-minütigen Stück aus. Dabei handelt es sich um die hier verwendete Textfassung durchaus um eine kindgerechte, das bedeutet, Kinder ab 3 Jahren können sich das Stück vorbehaltlos ansehen, es besteht eine geringe bis keine Gefahr, dass Kinder überfordert werden. Im Übrigen: Es stimmt, dass nicht alle Chinesen meckern wie die Ziegen, diese kommen in dem Stück ebenfalls vor (Ping Pong, Kaiser, Li Si).
2. Der dadurch abgeleitete Vorwurf bzw. das Understatement der Fremdenunfreundlichkeit -ob von Herrn Wanzelius beabsichtigt oder unbewusst formuliert- ist an den Haaren herbei gezogen, beleidigend und fernab jeglicher Realität. Alle Mitwirkenden an der Produktion Jim Knopf distanzieren sich in schärfster Form von dieser Behauptung.
3. Dem Stück ein gewisses Maß an Fremdenfeindlichkeit zu unterstellen und gleichzeitig in einem Atemzug die Körperfülle eines Akteurs hervorzuheben, ist ein sprachlicher Griff ins Klo sondergleichen. Dieses Thema hat in einem Artikel, der sicherlich den Anspruch erheben möchte, aus einer einigermaßen objektiven Grundhaltung heraus geschrieben worden zu sein, absolut nichts zu suchen. Herr Wanzelius sollte in sich gehen und sich analysieren, was ihn geritten hat, solche offenkundigen Beleidigungen zu veröffentlichen. Spätestens an dieser Stelle offenbart sich der Artikel als das, was er wirklich ist: ein hastig und schluderig herunter geschriebenes Elaborat, das fernab von einer journalistisch kompetenten, objektiven Berichterstattung liegt und darüber hinaus auch noch den Eindruck erweckt, der Autor habe seinen theaterpädagogischen Sachverstand an der Kasse eines wirklich schlechten Stückes liegen lassen.

04.06.2008
08:47
Nicht alle Chinesen meckern wie Ziegen
von Alexandra Beer | #1

Ich war am Sonntag mit meinem 3-jährigen Sohn bei der Premiere von Jim Knopf und wir haben uns sehr amüsiert. einige Aspekte ihrer Berrichterstattung kann ich nicht nachvollziehen. Der Inszenierung einen fremdenfeindlichen Zungenschlag zu unterstellen ist schlicht lächerlich. Auf die Körperfülle eines Darstellers hinzuweisen- die im Übrigens nichts mit der Rolle zu tun hat ist ein journalistischer Fauxpas sondergleichen. Da es sich bei dem Stück um ein Familienstück handelt sollen nicht nur die Jüngsten unterhalten werden. Deshalb dürfen auch gerne einige Wortwitze vorkommen, die die Kleinsten nicht verstehen. Diese hielten sich entgegen ihrer Berichterstattung auch in Grenzen. Dass die Kleinen sich dabei nicht maßlos überfordert oder gar gelangweilt fühlten, läßt sich aus der Aufmerksamkeit schließen mit der das gesamte Publikum - d. h. auch die vielen kleinen Kinder- die 90 Minuten verfolgte. Wer also einen Besuch bei Jim Knopf beabsichtigt soll sich durch ihre in einigen Teilen nicht nachvollziehbare Kritik nicht abschrecken lassen und darf sich auf einen unterhaltsamen Nachmittag freuen!

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