Neun Piraten kapern deutschen Frachter

Immer wieder werden Schiffe am Horn von Afrika von Piraten angegriffen. Archivfoto: AP
Immer wieder werden Schiffe am Horn von Afrika von Piraten angegriffen. Archivfoto: AP
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Dortmund/Somalia.. Neun Piraten haben am Mittwoch im Golf von Aden ein Containerschiff der Dortmunder Unternehmensgruppe Dr. Peters gekapert. Die US-Marine eilte dem Frachter zur Hilfe – und befreite ihn nach 22 Stunden.

Nach 22 Stunden ist die Kaperung eines deutschen Schiffes am Kap von Horn glücklich zu Ende gegangen. Die Fondsgesellschaft Dr. Peters aus Dortmund, unter deren Kommando das Containerschiff „Magellan Star“ läuft, war am Mittwoch von neun Piraten gestürmt worden. Die US-Marine beendete die Besetzung.

Das 133 Meter lange Containerschiff, das unter der Flagge Antiguas fährt, war mit elf Mann Besatzung in den berüchtigten Gewässern am Horn von Afrika unterwegs. Geladen waren schwere Ankerketten, die von Bilbao nach Vietnam gebracht werden sollten. In einem Konvoi, wie DS-Geschäftsführer Jürgen Salamon ausdrücklich betont. Doch Konvoi bedeutet nicht, dass die Schiffe wie an einer Perlenschnur fahren. Vielmehr gibt es große Abstände zwischen den einzelnen Frachtschiffen.

Sechs Philippinos, zwei Russen, zwei Polen, ein Ukrainer

Um 8.10 Uhr am Mittwoch kam dann der entscheidende Hinweis aus Dubai, dass die „Magellan Star“ von Piraten angegriffen worden sei. Der Tiefgang des schwer beladenen Containerschiffs erleichterte wohl das Entern. Sofort kam in der Zentrale von Dr. Peters in Dortmund der Krisenstab zusammen. „Wir haben versucht, Kontakt zu unserer Besatzung aufzunehmen“, berichtet Salamon die ersten dramatischen Minuten. Doch keine Antwort. Zu diesem Zeitpunkt saßen die sechs Philippinos, zwei Russen, zwei Polen und ein Ukrainer bereits im Schutzraum. Gut verborgen, wie sich herausstellen sollte.

„Um 8.32 Uhr meldete sich Kapitän Pjotr Wrobel bei uns über sein Satellitentelefon“, fährt Salamon fort. „Die Crew ist sicher im Schutzraum.“ Das erfüllt Salamon mit Stolz, denn der verborgene Schutzraum gehört zum Sicherheitskonzept der Dr.-Peters-Flotte. Auch die elektronische Motorabschaltung zählt zu den Raffinessen, um den Piraten das Leben schwer zu machen.

Piraten riefen mittags in Dortmund an

„Mittags melden sich die Piraten bei uns in Dortmund“, schildert Salamon die bangen Minuten. Sie wollten wissen, wo sich die Crew verbarg, und wie der Motor zu starten gehe. Aber auch mit den möglichen Rettern gab es danach ein Gespräch. Das US-Kriegsschiff „USS Princeton“, das den Konvoi begleitete, habe sich gemeldet und um Erlaubnis gebeten, das Containerschiff erstürmen zu dürfen. Natürlich gab Salamon die Erlaubnis und ging davon aus, dass die Erstürmung noch am Nachmittag erfolgen würde. Der nordrhein-westfälischen Eignerfamilie wurde deshalb zunächst nichts von den Vorfällen berichtet.

Doch die Amis warteten die Nacht ab und griffen mit acht Hubschraubern im Schutz der Dunkelheit an. „Um 3.30 Uhr, den toten Punkt der Piraten ausnutzend.“ Salamon kennt keine Details. Jedenfalls müssen sich die neun Piraten bald ergeben haben; um 6.30 Uhr ging die US-Marine wieder von Bord. Die Besatzung konnte aus ihrem sicheren Versteck herauskommen.

Schicksal des zweiten gekaperten Schiffes unklar

Die „Magellan Star“ muss jetzt erst mal den nächsten Hafen anlaufen. Die Piraten haben auf der Kommandobrücke aus Frust alles kurz und klein gehauen. Auch in den Kabinen sieht es wüst aus. Salamon ist dennoch froh, dass die Besetzung so schnell beendet werden konnte und weder das Containerschiff noch die Besatzung in eine monatelange Geiselnahme gelangten.

Was mit einem weiteren geenterten Schiff aus dem Konvoi passiert ist, konnte die Dr. Peters Gruppe gestern noch nicht sagen.