Neuer Zoff um Gewerbesteuer in Dortmund
20.05.2011 | 20:13 Uhr 2011-05-20T20:13:00+0200
Dortmund.Dafür, dass Kämmerer Jörg Stüdemann das neue Finanzloch von 40 Mio. Euro ohne Dreh an der Steuerschraube stopft, legen sich CDU und FDP ins Zeug. „Es kann nicht sein, dass immer nur Einnahmeerhöhungen als Lösung herhalten sollen“, warnt CDU-Parteichef Steffen Kanitz.
Katerstimmung nach dem Meisterrausch: Das jüngst aufgerissene Haushaltsloch in Höhe von rund 40 Mio Euro, in das Dortmunds Kämmerer Jörg Stüdemann am Donnerstag die einigermaßen entsetzten Mitglieder des Finanzausschusses blicken ließ, hat die Stadt unsanft aus dem wohligen Nachwirken des schwarzgelben Hochgefühls gerissen. Die Politik reagierte am Freitag spürbar verschnupft.
Mit einem entschiedenen Sowohl-als-auch kommentiert Dortmunds CDU Stüdemanns Hiobsbotschaft. Die Haushaltssperre sei als Ultima Ratio zu befürworten, teilte CDU-Chef Steffen Kanitz mit. Andererseits vermisst Kanitz ein abgestimmtes Handeln von Oberbürgermeister und Kämmerer: „Es kann nicht sein, dass der OB vor ein paar Tagen noch erklärt, eine Erhöhung der Gewerbesteuer sei nicht notwendig und der Kämmer diese Äußerung jetzt als politisches Statement ins Reich der Fantasie verweist.“
Dortmunds CDU dränge auf einen Paradigmenwechsel, bei dem zuerst die Ausgabeseite betrachtet werden müsse. „Solange die Stadt noch über eine 600 000 Euro schwere Sanierung des Big Tipi diskutiere, oder Bauten wie der U-Turm „konsequent teurer würden als geplant“, scheine bei den Ausgaben noch nicht alles versucht worden zu sein. Dem Kämmerer wirft die CDU „mangelnde Fantasie“ vor, da er sich nicht vorstellen könne, die Haushaltsziele ohne Dreh an der Gewerbe- und Grundsteuerschraube zu erreichen.
Mit süffisantem Unterton fragt CDU-Chef Kanitz, warum der Kämmerer die Haushaltssperre erst öffentlich diskutiere. Schließlich habe Ex-OB Langemeyer bei der Verhandlung um die Wahlwiederholung vor Gericht betont, eine Sperre könne nur wirksam sein, wenn sie quasi über Nacht erlassen werde, damit sie von ausgabefreudigen Ämtern nicht unterlaufen werde.
Während die CDU gegen eine Steueranhebung plädiert, monieren die Grünen, dass genau das nicht längst passiert ist. Das hätte zu 12,4 Mio. Euro Einnahmen geführt. „Der OB scheint die Haushaltslage nicht allzu ernst zu nehmen“, wundert sich Fraktionschef Mario Krüger über die Freigiebigkeit für die freie Kulturszene, die eine Mio. Euro zusätzlich bekommen soll. Anders sei das Nicht-Engagement des OB bei der Übertragung von Aufgaben an Stadt-Betriebe oder beim Büroflächenmanagement nicht zu erklären. „Auch in seinem originären Bereich, dem Personalwesen, kommt der OB mit der Kostensenkung nicht voran.“ Stattdessen würden neue Stellen ausgeschrieben.
Die Grünen wollen den Stadttöchtern spürbarer als bisher an die Geldbörse. Es sei nicht einzusehen, warum etwa die Sparkasse bei einem 13-Mio-Überschuss nicht deutlich mehr als die veranschlagten 4,5 Mio an die Stadt überweisen, gab Fraktionschef Mario Krüger zu Protokoll. Und ganz im Gegensatz zur FDP sieht die Umweltpartei bei der Gewerbesteuer ausdrücklich noch Luft nach oben. Krüger: „Es rächt sich nun, dass SPD und CDU darauf verzichtet haben, durch zusätzliche Einnahmen die Situation des Haushaltes zu verbessern.“
Die FDP/Bürgerliste-Fraktion warf sich schützend vor Dortmunds Unternehmerschaft. „Kategorisch“ wollen die Liberalen jede weitere Anhebung der Gewerbesteuer ausgeschlossen wissen. Eine Erhöhung dieser Abgabe belaste ausschließlich die Dortmunder Gewerbetreibenden und setze ein völlig falsches Signal, so der wirtschaftspolitische Sprecher der Fraktion, Mauritz Faenger. Fraktionschef Lars Rettstadt erinnerte an die Sparvorschläge in Höhe von 90 Mio Euro, die die Liberalen seinerzeit in die Haushaltsberatung eingebracht hätten, etwa eine höhere Gewinnausschüttung der Stadttöchter und die Privatisierungsansätze beim Klinikum.
„Der Etat stand von vornherein auf wackeligen Füßen“, so Rettstadt. Die FDP/Bürgerliste habe damals unter anderem vorgeschlagen, Stadt-Töchter stärker zur Kasse zu bitten und das Klinikum zu privatisieren. „Wir hatten Spar-Ideen für 90 Millionen Euro“, erinnert Rettstadt.
Stüdemann betonte unterdessen, die aktuelle Situation sei „substanziell“ anderer Natur als die Haushaltssperre 2009. Die jetzt geforderten Pensionsrückstellungen bezeichnete Stüdemann als bilanziellen Vorgang: „Da wird kein Geld bewegt.“ Gleichwohl müsse man den Etat ins Lot bringen, um handlungsfähig zu bleiben.
12:40
@ 11
In was für einem Paralleluniversum leben Sie denn?
Die Kosten für die Beitreibung der Sexsteuer waren doch höher als die Einnahmen. Was niemand wunderte, der die Strukturen der Stadt Dortmund kennt und weiss wie sie plant.
Dortmund ist - wie alle anderen Grosstädte auch - mit einem noch weiter wachsenden Defizit von derzeit 153,5 Millionen Euro, steigenden Ausgaben zB für Soziales - die Nordstadt lässt da grüssen - sinkenden Einnhmen, 2 Milliarden (2 000 000 000) Euro Schulden und ca 1 Milliarde Euro für Kassenkredite pro Jahr zur Sicherung der Liqiúidität - Pleite wie nur was.
Und - der Kampf um den Strassenstrich war und ist nicht mehr als Aktioinismus, Populismus und wird sich mittel- bis langfristig sogar als negativer Effekt erweisen.
Diese Haushaltslage und ihre weitere Entwicklung ist ein ganz, ganz ernstes Problem, für das derzeit noch keine Lösung in Sicht ist. Oder sieht hier jemand den Ausweg?
19:54
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
19:45
Und die größte Einnahmequelle hinter Hornbach hat die Stadt Dortmund selbst platt gemacht...
19:29
Dass internationale Konzerne Mehrheitsanteileigner bei deutschen Konzernen sind ist die Ausnahme, die komplette Übernahme internationaler Firmen durch deutsche Konzerne die Regel.
18:18
@ 8
Sind ihre deutschen Konzerne alle so deutsch wie die Hochtief AG? Wissen Sie wo die share holder - die Anteilseigner - der deutschen Konzerne sitzen und wie gross deren Anteil und damit deren Macht bei den deutschen Konzernen ist?
Und - wo bleiben ihre Lösungsvorschläge für das Haushaltsloch? Haben Sie überhaupt welche?
17:24
#1
Na, mal wieder in Sachen Weltuntergang unterwegs ? Der brave, aber etwas doofe Deutsche, der vom perfiden Ausland übers Ohr gehauen wird ? Gähn.Im (europäischen) Ausland sieht man das ganz anders; Deutschland baut seine wirtschaftliche und politische Vormachtstelung weiter aus. Die deutschen Konzerne geben von ihren Gewinnen allerdings immer weniger an Angestellte und den Staat ab. Die Löhne stagnieren bestenfalls und der Anteil der Reichen am Gesamtsteuereinkommen ist von 70 auf 50 Prozent gesunken.
14:45
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
12:29
Im Übrigen :
Wieviel hat Dortmund noch in Karstadt verpresst ?
12:23
Jahrzehnte lang hat man 40 Jährige bei Post, Telekom, Hösch, Krupp und wie die Grossunternehmen alle hiessen
in den Ruhestand versetzt.
Heere von ehemaligen Berufssoldaten sitzen in den Verwaltungen und Staatsprojekten wie MAUT.
Für keinen dieser wurden Rückstellungen eingebracht.
Vielmehr hat man die Kohle, die hierzu notwendig gewesen wäre
(ich mache es den Einzelnen Begünstigten hier gar ncht zunm Vorwurf)
verheizt, in dem man sich allerlei Luxus gegönnt hat:
Wie z.B. Flughäfen an jeder Strassenecke mit Flugtickets unterhalb der Kurzstreckentarife für den ÖPNV,
Carara-Marmor auf den öffentlichen Sche ..isshäusern der Bürgermeister-Büros,
Langemann-Schreibtische nicht zu vergessen.
Das allen sollen die Billigst-Löhner aus der Taiga jetzt rausholen ?
Einfach mal beim Gas-Preis bescheissen?
Kann man diesmal beim Wasser oder beim Müll
(man sammelt ja jetzt Kronkorken und Joghurtbecherdeckel als Wertstoff)
oder den Städtischen Mieten
was rausholen?
Noch ein Kulturtempel für die subventionierten Honoratioren?
Aber Tafeln fürs Volk.
Auch die von FDP und CDU ständig angedachte Personalreduzierung ist ein Irrweg.
An Stelle einzelne GANZ in Ruhestand zu schicken sollte hier lieber für je drei oder vier die Arbeitszeit um 20 oder 30 Prozent gekürzt werden.
Im Weiteren sollten sich die Lakaien der Stadt mal ans Land und den Bund wenden, wo dieser ganze Schmu zum Standard erhoben wurde.
Wie wäre es mal mit RWE Aktien zu verschleudern, so wie jeder Hartzie es auch machen müsste.
Die Lachsschnittchen fressenden mental degenerierten Ackermannhuren sollten sich die Vorgänge in Nordafrika zu eigen machen und sich verdünnisieren..
Langemann-Schreibtische
12:07
Das ist ja kreativ. In Dortmund haben wir sowieso kaum Arbeitplätze, die gut bezahlt werden.
Das ganze verbunden mit sehr vielen Stellen im öffentlichen Dienst führt zu einem Griechenland light. hier in Dortmund.