Neuer Vermieter schickt Inkasso-Eintreiber in die Erpinghof-Siedlung

Die Firma Grand City Properties ist neue Vermieterin der Erpinghof-Siedlung in Huckarde. Die Probleme der Mieter bleiben.
Die Firma Grand City Properties ist neue Vermieterin der Erpinghof-Siedlung in Huckarde. Die Probleme der Mieter bleiben.
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Was wir bereits wissen
Als die Inkasso-Eintreiber der Firma Grand City Properties an der Türe schellten, wussten die Mieter in der Huckarder Erpinghof-Siedlung, dass sie einen neuen Vermieter haben. Das Kapitel Terra Heimbau hat sich damit schneller erledigt als gedacht. Die Probleme der Mieter bleiben.

Dortmund.. Als die Inkasso-Eintreiber der Firma Grand City Properties an der Türe schellten, wussten die Mieter in der Huckarder Erpinghof-Siedlung, dass sie einen neuen Vermieter haben. Das Kapitel Terra Heimbau hat sich damit schneller erledigt als gedacht. Die Probleme der Mieter bleiben.

„Unverschämt“ findet Dr. Tobias Scholz das Haustür-Inkasso-Geschäft. Wie der Mieterverein herrausfand, wurden insgesamt 839 Wohneinheiten in Dortmund bereits im Frühjahr verkauft. Darunter 349 im Echeloh (Lüdo), 221 in der Erpinghof-Siedlung(Huckarde) sowie 46 nahe des Dorstfelder Hannibals.

Verunsicherte Mieter

Mitgeteilt worden war das keiner Seite, entsprechend verunsichert waren jetzt Mieter, die sich mit ungebetenem Besuch auseinandersetzen mussten. Abwesende Mieter fanden Forderungsbriefe im Kasten mit dem Vermerk: „Bitte nehmen Sie diesen Brief ernst!“

Nach Erkenntnissen von Dr. Tobias Scholz vom Mieterverein ist die Terra Heimbau stickum verkauft worden. Kein Hinweis an die Mieter, kein Eintrag im Grundbuch. „Nicht nur die Wohnungen, sondern die Gesellschaften als Ganze einschließlich der Wohnungen sind veräußert worden“, so Scholz. Hinter Grand City Properties ständen zwei Investoren aus Israel, so der Mieterverein. Nach Recherchen der WAZ Mediengruppe ist das junge Unternehmen seit diesem Jahr an der Börse notiert. Knapp 50 Prozent gehören der Gesellschaft Edolaxia, knapp die andere Hälfte der Valuemonth.

Fangnetze am Schiefer

Was bedeutet der Besitzerwechsel für die Bewohner? „Die Firma ist in Dortmund keine Unbekannte“, so Scholz. Sie habe einen Hochhaus-Komplex in Aplerbeck mit 366 Einheiten in der Erbpachtstraße erworben. „Dort können wir keine Investitionen beobachten“, so Scholz. „Seit vier Jahren hängen noch immer die Fangnetze an den Schieferfassaden.“ Und weiter: „Bei Grand City fällt uns daher ein optimistischer Blick in die Zukunft sehr, sehr schwer.“

Das Unternehmen selbst verspricht auf seiner Homepage ein „hohes Maß an Ehrlichkeit und Verantwortungsbewusstsein“. Den bedrängten Mietern rät der Verein, keinen Forderungen wegen Mietkürzungen nachzukommen.

Chef der Grand City Holland BV nimmt Stellung

Von Klaus Buske

Christian Windfuhr, Chief Executive Officer der Grand City Holland BV, der Holding, die über allen Grand City-Firmen schwebt, reagierte gestern auf die Anfrage der WAZ - und er verstand die Aufregung nicht. Man besitze rund 11000 Wohneinheiten in Deutschland und 100 Hotels, davon rund 80 in Deutschland: „Wir haben eine Interesse, dass wir gut mit unseren Mietern umgehen.“ Die Grand City-Gruppe gehöre drei Personen, die in Israel, Holland und Großbritannien wohnen.

Der Vorstandschef der Holding wollte nicht ausschließen, dass es in Dortmund Kommunikationspannen gegeben hat. Aber im Vorgehen der Grand City Property aus Berlin, die neben der bekannten Hausverwaltung Rothe aktiv wurde, konnte Windfuhr „nicht Schlimmes“ sehen.Um Probleme aus der Welt zu schaffen, machte Windfuhr dem Mieterverein für Dortmund und Umgebung ein Angebot: „Ich bin bereit, mich mit dem Verein zusammenzusetzen. Wenn es ungelöste Probleme gibt, dann sollten wir diese lösen. Ich wäre froh gewesen, wenn man mich kontaktiert hätte, bevor man mit Vorwürfen an die Öffentlichkeit gegangen ist.“