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Neue Sparvorschläge für verlustreichen Flughafen Dortmund

04.09.2012 | 06:00 Uhr
Überraschend günstig ist Fliegen auch in Wickede. Fragt sich nur, wer am Ende den Preis dafür bezahlt. In Dortmund kann man leicht den Eindruck gewinnen, dass es weder Passagiere noch Fluggesellschaften sind.Foto: Franz Luthe

Dortmund.   Nun wird deutlich: Die Zeit, in der der Flughafen Dortmund seine strukturellen Probleme lösen muss, drängt immer mehr. Hinter den Kulissen wird fieberhaft nach Möglichkeiten gesucht, den Konsequenzen des ersten EU-Beihilfeverfahrens entgegenzuwirken.

Der Bericht der WAZ-Mediengruppe über das neue EU-Verfahren gegen möglicherweise unberechtigte Beihilfen für den Dortmunder Flughafen hatte Ende August viel Staub aufgewirbelt. Leser diskutierten heftig und kontrovers über die finanziell brenzlige Situation in Wickede, ohnehin ein Dauerthema in Dortmund. Tendenz: Stoppt die Geldvernichtung am Flughafen! Auch die Politik reagierte. Nur der Flughafen selbst und sein größter Anteilseigner, die Dortmunder Stadtwerke (DSW) , hielten den Ball flach. Tenor: Wir haben alles im Griff.

Nun wird deutlich: Die Zeit, in der der Flughafen seine strukturellen Probleme lösen muss, drängt immer mehr. Hinter den Kulissen wird fieberhaft nach Möglichkeiten gesucht, den Konsequenzen des ersten EU-Beihilfeverfahrens entgegenzuwirken. Noch im September soll eine Delegation von Stadt und Stadtwerken nach Brüssel aufbrechen, um mit den EU-Beamten Gespräche zu führen. Teilnehmen wird unter anderem der frühere Flughafenchef und jetzige DSW-Arbeitsdirektor Manfred Kossack.

„Laufenden Aufwand schrittweise und deutlich reduzieren“

Die Unterhändler aus Dortmund wollen den Wettbewerbshütern in Brüssel einen Plan vorlegen, wie man das Dauerdefizit des Airports beziehungsweise den Verlustausgleich durch die Stadtwerke EU-konform stellen kann. Dabei gehen die Stadtwerke davon aus, dass die Defizite, die durch Infrastruktur- und Kapitalkosten entstehen, beihilferechtlich kein Problem darstellen.

Heikler Punkt dagegen sind die Verluste, die der Flughafen auch aus dem laufenden Betrieb einfährt, dem so genannten operativen Geschäft. Dieser Betrag wird auf jährlich acht Millionen Euro taxiert. Die entsprechenden Ausgleichszahlungen der Stadtwerke sollen nun als Umstrukturierungbeihilfen deklariert werden. Die Bedingung für diese Vorgehensweise sind hart: Nach spätestens acht Jahren nämlich müsste das operative Minus verschwunden sein. Das kann nur durch erhebliche Einsparungen gelingen.

„Daraus folgt, dass der laufende Aufwand des Flughafens schrittweise und deutlich reduziert werden muss“, heißt es dazu jetzt in einem aktuellen Schreiben des Flughafens an die Dortmunder Stadtspitze, ohne dass näher ausgeführt wird, auf welche Weise das gelingen soll. Heißt im Umkehrschluss: Der Flughafen muss künftig bis zu acht Millionen Euro sparen. Jedes Jahr.

Insolvenz-Sorgen zerstreuen

Sorgen darüber, dass der Flughafen auch den bisher erfolgten Verlustausgleich zurückzahlen muss, versucht das Management in dem Papier dagegen zu zerstreuen. Eine entsprechende Entscheidung der EU-Kommission, die den Flughafen in die Insolvenz treiben würde, erwarte man nicht, heißt es in dem unserer Redaktion vorliegenden Papier.

Durchgesickert war schon die Existenz eines Arbeitspapiers mit Sparvorschlägen, die sogar Auslagerungen ganzer Betriebsteile nicht ausschließen. Erster Vorgeschmack: Im Juni musste die Flughafenverwaltung ihre repräsentative Zentrale aufgeben und sich im alten Eurowingsgebäude kleiner setzen. Erhoffter Der Spareffekt dieser Maßnahme - 170.000 Euro/Jahr - hat angesichts des jetzt angepeilten Volumens wohl eher nur symbolischen Charakter.

Flughafen Dortmund

 

Michael Kohlstadt


Kommentare
04.09.2012
19:57
Neue Sparvorschläge für verlustreichen Flughafen Dortmund
von grummelglatz | #5

1. vorschlag: schließen.

04.09.2012
17:36
Neue Sparvorschläge für verlustreichen Flughafen Dortmund
von fogfog | #4

flughafen weg - strompreise senken!!!

04.09.2012
12:35
Das ist keine Liquiditäts-Falle
von meigustu | #3

sondern der Flughafen ist schlicht unrentabel. Paderborn läuft mit einer schwarzen Null - warum also an diesem Pleiteairport festhalten.

Kleine Geschäftsflieger und Flugtaxen zu den internationalen Flughäfen dürfte wirtschaftlich funktionieren und bei richtiger Vermarktung sogar ein Gewinn für die Region sein. Denn in Düsseldorf stören diese Managershuttles.

4 Antworten
Neue Sparvorschläge für verlustreichen Flughafen Dortmund
von baldinsoelde | #3-1

Sorry, doch der Flughafen in Paderborn steht vor der Schließung

Stimmt Sie Pfiffikus
von meigustu | #3-2

nächstes Jahr machen die für eine Woche dicht um die Startbahn zu erneuern.

Neue Sparvorschläge für verlustreichen Flughafen Dortmund
von baldinsoelde | #3-3

@ meigustu

Das sehen die Mitarbeiter am Flughafen in Paderborn etwas anders und machen sich ernste Sorgen.

Übrigens auch die Firmen rundherum machen siche Sorgen. Mein Sohn ist dort bereits betroffen.

Neue Sparvorschläge für verlustreichen Flughafen Dortmund
von baldinsoelde | #3-4

Das sehen die Mitarbeiter in Paderborn etwas anders und machen sich Sorgen.

Auch die dort ansässigen Firmen machen sich bereits Sorgen. Übrigens mein Sohn ist davon betroffen.

04.09.2012
11:36
Dortmunder Flughafen soll jährlich acht Mio. Euro einsparen
von baldinsoelde | #2

"Das Problem des Flughafens sind nicht die Kosten, sondern die geringen Einnahmen."

Es ist immer besser, die Einnahmeseite statt der Kostenseite zu verbessern. Bei den Kosten werden schnell Kostenstellen gefunden, die zu unsozialen Verwerfungen führen.

Besser ist tatsächlich, die Ausrichtung des Flughafens auf Osteuropa und die Charter-Flüge nach Malle etc. zu überdenken und eine stärkere Geschäftsfliegerei anzustreben. Da ist die Linie nach München ein erster Ansatz, um Dortmund an die internationalen Flüge anzudocken.

Ich hoffe, dass es dem dortmunder Flughafen gelingt, aus der Liquiditäts-Falle herauszufinden.

04.09.2012
11:29
Dortmunder Flughafen soll jährlich acht Mio. Euro einsparen
von rkw1970 | #1

Wie will man denn 8 Millionen € einsparen, und das am besten noch bei längeren Betriebszeiten?
Das Problem des Flughafens sind nicht die Kosten, sondern die geringen Einnahmen. Aber so "funktioniert" halt das Dortmunder Geschäftsmodell. Mit Dumping-Gebühren kommt man aus dieser Lage bestimmt nicht raus.

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