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„Tatort Dortmund“

Neue Serie - ARD-Tatort im Visier der Fahnder

14.01.2012 | 13:00 Uhr
Dr. Ina Holznagel und Detlef Berghaus nahmen den ARD-Tatort für die WR unter die Lupe. Foto: Franz Luthe

Dortmund. „Für Polizisten und Staatsanwälte ist der Tatort am Sonntag ein bisschen wie die Schwarzwaldklinik für Ärzte“, vergleicht Oberstaatsanwältin Dr. Ina Holznagel, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Dortmund. „Es ist einfach gut gemachte Unterhaltung.“

Anders als viele andere Krimiformate bildeten die Tatorte nicht amerikanische Verhältnisse ab, sondern deutsches Lokalkolorit. Das sei auch gut so. „Deshalb gehören die Tatortkrimis ohne Zweifel auch zu den realistischeren Drehbüchern“, bricht Detlef Berghaus, Chef der Mordkommision, eine Lanze für den Tatort .

Doch gibt es auch für den erfahrenen Kripomann Dinge, die sich im Film fast von selbst erledigen und die mit der Realität doch wenig zu tun haben. „Die extrem kurzen Bearbeitungszeiten bei der Kriminaltechnik“, fallen dem Ersten Kriminalhauptkommissar da direkt ein. Da werden DNA-Spuren in Minutenschnelle ausgewertet oder Fingerabdrücke in Windeseile per Knopfdruck erstellt. Und aus dem Reich der Fabeln kommt auch, dass Rechtsmediziner wie Dr. Joseph Roth im Kölner Tatort minutengenaue Angaben zum Todeszeitpunkt machen können. „Und dann sind da noch die endlos zur Verfügung stehenden Kapazitäten der Sondereinsatzkommandos, wenn Charlotte Lindholm sie nur ruft.“ Die gebe es leider im Polizeialltag nicht.

Klischee: Staatsanwalt nervt die Ermittler

„Und“, so Oberstaatsanwältin Dr. Holznagel, „der Tatort kennt keine Bearbeitungsfristen und keine Personalengpässe. Glückliches Fernsehen!“. Unausrottbar scheine auch das Klischee vom wackeren Ermittlerpaar wie Ballauf & Schenk, das vom bornierten Staatsanwalt genervt und an der Arbeit gehindert werde. Der Staatsanwalt sitze dann meist hinter seinem Edelholzschreibtisch, die Sekretärin bringt ihm den Kaffee „und eine einzige Akte mit maximal zwanzig Blatt und er erteilt am Telefon der Polizei Kommandos im Kasernenhofton“, lacht Ina Holznagel. Die Staatsanwaltschaft käme nicht weit, würden man so arbeiten.

Beamte der Mordkommission seien hochspezialisierte Experten. Sie arbeiteten immer im Team, müssten ihre Arbeit Schritt für Schritt untereinander und mit dem Staatsanwalt abstimmen, der ihnen das juristische Feedback gibt und der die notwendigen Gerichtsbeschlüsse beschafft. „Entscheidend sind eine gemeinsame Strategie und klare Absprachen, denn oft müssen die Beamten direkt vor Ort und ad-hoc Entscheidungen auch in rechtlicher Hinsicht treffen“, weiß Detlef Berghaus aus Erfahrung. „Wehe dem, der hier nicht sattelfest ist.“

Tatort Dortmund

Eine unrechtmäßige Ermittlungsmaßnahme könne in letzter Konsequenz zur Unverwertbarkeit des Beweises führen. Eine Vielzahl von Ermittlungsschritten sei ohne richterliche Genehmigung überhaupt nicht zulässig. „Nur gemeinsam können wir deshalb Erfolg haben“, betont Dr. Ina Holznagel. „Der Jurist braucht die kriminalistische Expertise und die praktische Erfahrung des Kriminalbeamten, der Polizist braucht den Juristen als Partner.“

"Verwertbar ist im Fernsehtatort so gut wie nie etwas"

Der Staatsanwalt trage am Ende die Verantwortung dafür, dass das Ergebnis der Ermittlungen im Prozess auch umgesetzt werden kann. Dem Fernsehzuschauer genüge es, am Ende zu wissen, wer der Mörder war. „Die Arbeit des Staatsanwalts geht mit der Verhaftung eines Tatverdächtigen erst richtig los“, so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Er müsse die Fakten dem Gericht in Form verwertbarer Beweise präsentieren. „Und verwertbar sei im Fernsehtatort so gut wie nie etwas“, blicken Holznagel und Berghaus auf die TV-Realität.

Zeugenvernehmungen würden nicht protokolliert, Angehörige würden befragt ohne Hinweis auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht, Tatverdächtige durch Täuschungen förmlich zum Geständnis gezwungen, Telefone würden angezapft und Autos verwanzt ohne Gerichtsbeschluss, Wohnungen werden gar heimlich durchsucht. „Und deutsche Kommissare ermitteln undercover im Ausland ohne ordentliches Rechtshilfeverfahren und häufig sogar allein. Das ist dann zwar spannend, aber vor allem es ist eines: unprofessionell!“, so Berghaus.

Der Tatort habe darum letztlich mit ordentlicher Polizeiarbeit wenig gemein. „Für einen Tatort sei es natürlich zu langweilig, einen Beamten dabei zu filmen, wie er seitenlange Vermerke und Berichte schreibt“, so Dr. Ina Holznagel. Diese Grundlagen seien aber für ein Schwurgericht von größer Wichtigkeit. Auch dafür stehe die Arbeit der Polizei. Aber trotz aller Kritik: Schon jetzt freuen sich beide auf den nächsten Tatort, vor allem wenn Thiel und Prof. Boerne in Münster ermitteln .

40 Jahre Tatort

Andreas Winkelsträter


Kommentare
14.01.2012
23:06
Der größte Unterschied zwischen Krimi und Dortmunder Polizei / Staatsanwaltschaft:
von UIrich | #1

Im Krimi werden kriminelle Neonazis in der Regel schnell überführt und dann auch verurteilt.

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