Das aktuelle Wetter Dortmund 8°C
Mercedes

Neue Nobel-Dienstwagen der Stadtspitze Dortmund trotz Kritik

12.01.2013 | 16:00 Uhr
Neue Nobel-Dienstwagen der Stadtspitze Dortmund trotz Kritik
Die Stadt Dortmund hat neun Mercedes E300 Bluetec Hybrid Dienstwagen für die Stadtspitze angeschafft.Foto: Klaus Pollkläsener

Dortmund.  Die Dortmunder Stadtspitze wird zukünftig in neun Dienstwagen des Modells Mercedes E 300 Bluetec Hybrid unterwegs sein. Trotz Kritik aus der Bevölkerung gönnen sich die Politiker die Nobel-Flotte. Sie argumentieren, dass die Fahrzeuge sprit- und schadstoffarm seien - und unschlagbar günstig.

Manchmal ist teuer einfach billiger. So hatte die Stadt - kurz gefasst - argumentiert, als die WAZ letzten Sommer aufdeckte, dass Dortmunds Stadtspitze künftig in besonders noblen Daimler-Dienstwagen von Termin zu Termin rollen darf. Dennoch sorgte die Meldung über den komplett auf die edle E-Klasse von Mercedes umgestellten Fuhrpark für ihr Führungspersonal für heftige Diskussionen auch unter WAZ-Lesern.

Die Stadt reagierte damals ein wenig pikiert auf unsere Berichterstattung und hielt dagegen: Die bestellten neun Diesel-Hybrid -Fahrzeuge seien nicht nur besonders sprit- und schadstoffarm, sondern per Behörden-Leasing auch noch unschlagbar günstig. Selbst kleinere Daimler oder andere kleinere Fahrzeuge könnten da nicht mithalten.

"Sparsamste Oberklassewagen der Welt"

Gesagt, getan: Inzwischen sind fast alle neun Dienstwagen des Modells E 300 Bluetec Hybrid eingetroffen. Oberbürgermeister Ullrich Sierau und sämtliche Dezernenten durften bereits Platz nehmen hinter dem „guten Stern“. Bürgermeisterin Birgit Jörder und Bürgermeister Manfred Sauer müssen noch bis Ende des Monats warten.

Von der Stadt geordert wurde der laut Mercedes-Werbung „sparsamste Oberklassenwagen der Welt“ viermal als Limousine und fünfmal als Kombi. Fünf Mitglieder des Veraltungsvorstandes nutzen die Fahrzeuge auch privat - und zahlen dafür eine monatliche Pauschale.

Kritik am Daimler-Deal

Die Rechnung für die Flotte macht die Stadt wie folgt auf: Für alle neun Wagen zusammen belaufen sich die Sachkosten (Leasingrate, Versicherung, Steuer) auf 62.500 Euro für das gesamte Jahr 2013. Durch die private Nutzung fließen 14.400 Euro an die Stadtkasse zurück. Unterm Strich habe die Stadt die Kosten für die Dienstwagenflotte ihrer Chefetage innerhalb von zwei Jahren halbieren können. Mercedes-Benz habe bundesweit für kommunale Repräsentanten außerordentlich günstige Leasing-Angebote gemacht. Details wollte die Stadt aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht nennen.

Nach WAZ-Informationen sind die Konditionen von Mercedes-Benz tatsächlich ausgesprochen großzügig. Abschlägen von rund 30 Prozent auf den Listenpreis werden genannt. Offenbar konnten die anderen deutschen Premium- Hersteller da nicht mithalten.

Kritik an dem Daimler-Deal hatte es dennoch gegeben. Leser bemängelten unter anderem, dass es schlichtweg unpassend sei, wenn die Spitze einer derart verschuldeten Stadt wie Dortmund ausgerechnet Mercedes fahre. Grüne und FDP forderten die Umstellung auf einen Fuhrpark mit weniger Fahrzeugen. Es sei nicht nötig, für jedes Mitglied der Stadtspitze jeweils ein eigenes Fahrzeug vorzuhalten. Eine WAZ-Recherche förderte zudem zu Tage, dass die Chefs der Nachbarstädte beileibe nicht in so noblem Gefährt durch die Gegend kutschiert werden wie in Dortmund. Beispiel: In Bochum fährt man Opel. Wenigstens bisher.

Michael Kohlstadt



Kommentare
14.01.2013
11:34
Neue Nobel-Dienstwagen der Stadtspitze Dortmund trotz Kritik
von Schlaubaer | #16

Deutlicher kann man das Abgehobene der Politkaste der Berufspolitiker und das sich Entfernen von Belangen des Volkes kaum darstellen als durch diese völlig überzogene Dienstwagen-Orgie der Stadt Dortmund! Die Stadt Dortmund ist Pleite wie nur was und die Stadtspitze "bereichert" sich mit 9 (!) Nobel-Fahrzeugen inklusive 9 Fahrer-Planstellen. Ist der Begriff "Folgekosten" eigentlich schon mal diskutiert worden? Angesichts der desolaten Gesamtlage ist diese Fahrzeug-Aktion eine unverschämte und schallende Ohrfeige für das staunende Volk.

1 Antwort
Neue Nobel-Dienstwagen der Stadtspitze Dortmund trotz Kritik
von mellow | #16-1

Ach Stronzo. Sie scheinen von Betriebswirtschaft nicht viel zu verstehen und Ihren einzigen, traurigen Fokus auf mögliche stimmungsanheizende Stammtischplattheiten zu richten.

14.01.2013
10:27
Neue Nobel-Dienstwagen der Stadtspitze Dortmund trotz Kritik
von Syndikus | #15

Damit fährt die "Dortmunder Stadtspitze" größere Autos als der französische Staatspräsident! Chapeau - man sieht, dass der Aufstieg aus einfachen verhältnissen entgegen anderslautenden Unkenrufen in Deutschland doch noch möglich ist!

14.01.2013
07:07
Neue Nobel-Dienstwagen der Stadtspitze Dortmund trotz Kritik
von Grundschulkind | #14

Herr Kohlstadt,
Ihr Artikel ist unnötig tendenziös. "Edle E-Klasse", herzlichen Glückwunsch zur gelungenen Aliteration, aber die E-Klasse ist die Mittelklasse von Mercedes und wird bevorzugt von Oberstudienräten und leitenden Angestellten gefahren.
Mal grob überschlagen: Die Wagen kosten die Stadt 48.000€ pro Jahr. Das sind pro Einwohner rund 8 Cent. Pro Jahr. Da gibt es ernsthaftere Fälle von Geldverschwendung, auf die sogar die WAZ stoßen könnte.

1 Antwort
Achtung Ironie!
von chillkr0ete | #14-1

Achso nur 8 Cent pro Bürger. Warum nicht gleich ein paar Cent mehr, für eine komfortablere S-Klasse oder einen Audi A8 W12, den der ein oder andere Politiker seinen Dienstwagen nennt. Schließlich werden die Straßenzustände/Beläge ja auch immer schlimmer. (Wo ist die Maut? Steuererhöhung? Schließlich reichen die bisherigen Steuern ja bei WEITEM nicht aus...)

Diese Einstellung pflegen scheinbar auch die Politiker. Och die Paar Cent aufs Volk verteilt, sind ja nur Steuergelder.
Ich frag mich nur, wenn das hier schon anfängt, wo hört das denn auf? (BER - och die paar Milliarden... Wie viel Cent aufs Volk verteilt?

14.01.2013
00:06
Neue Nobel-Dienstwagen der Stadtspitze Dortmund trotz Kritik
von schRuessler | #13

Ist ja schön, dass es so genaue Zahlen gibt.
Aber Sinn macht das nur, wenn Vergleichszahlen hat.

Also, z.B.. was bisher für die Dienstwagen ausgegeben wurde.

Oder was andere Angebote anderer Hersteller kosten würden.

"In Bochum fährt man Opel"
Ein schöner Satz. Aber was zahlt man dafür? Das ist doch der Punkt. Wenn in Bochum wesentlich weniger ausgegeben wird, ist das, was in DO passiert, nicht in Ordnung.

Wenn die E-Klasse aber durch die Rabatte nicht viel mehr kostet als der Opel in Bochum, sieht das anders aus.

Oder dieser andere Satz:
"Unterm Strich habe die Stadt die Kosten für die Dienstwagenflotte ihrer Chefetage innerhalb von zwei Jahren halbieren können."

Was heißt das? Dass bisher pro Fahrzeug ca 1150 € / Monat angefallen sind? Das wäre Wahnsinn. Oder wie?

13.01.2013
19:23
Neue Nobel-Dienstwagen der Stadtspitze Dortmund trotz Kritik
von Shy_Eye | #12

So langsam brauchen wir aber neue Regelungen!
Wie kann es denn sein, dass ein Politiker sich so ein Auto über die Staatskasse finanzieren lässt? In meinen Augen ein absolutes No-Go
Die Bürgermeister verdienen so viel, die können sich den Wagen selbst kaufen! Was soll das denn andauernd?

13.01.2013
17:57
Nobel-Dienstwagen ?
von popeye2 | #11

Soll hier gehetzt werden oder welchen Hintergrund hat dieser Artikel ? E-Klasse Fahrzeuge sind in vielen Unternehmen für leitende Angestellte nichts Besonderes und Firmenfahrzeuge mit privater Nutzungsmöglichkeit ist in vielen Arbeitsverträgen Standard.
Warum sollte das bei öffentlichen Arbeitgebern anders sein ?
Der geldwerte Vorteil wird ordnungsgemäß versteuert.
Oder sind Führungskräfte in Stadt- und Kommunalverwaltungen Menschen zweiter Klasse ? Dann muss man sich nicht wundern, wenn nur noch Nieten bleiben und der Rest in die Privatwirtschaft abwandert.

3 Antworten
Neue Nobel-Dienstwagen der Stadtspitze Dortmund trotz Kritik
von artie_aus_essen | #11-1

Endlich mal ein normaler Kommentar hier, der Rest der Kommentatoren ist wohl schon vor Neid zerfressen.

Neue Nobel-Dienstwagen der Stadtspitze Dortmund trotz Kritik
von xxyz | #11-2

Neid ist nur ein Punkt. Der andere Punkt ist wohl, dass die heute in vielen Jobs erforderliche flexible Gestaltung der Arbeitswelt bei vielen noch nicht angekommen ist.

Es macht für viele Jobs keinen Sinn von 8-16:30 im Büro zu sitzen bzw. dort anzukommen, um dann ein Auto abzuholen, damit man zum nächsten Termin fährt. Da ist ein direkter Weg von der Wohnung sinnvoller. Dafür gibt es ja auch Dienstwagen mit privater Nutzung. Sollte dann etwa ein zweiter Wagen angeschafft werden?

Durch die Versteuerung und interne Regeln ist doch auch in den meisten Unternehmen geregelt, dass auch die Privatnutzung entsprechend vom Nutzer bezahlt wird.

Jetzt kommt wieder die Geschichte mit dem Dienstwagenprivileg, wo natürlich vergessen wird, dass immer der Listenpreis, den kein Mensch zahlt, als Wert genutzt wird.

Mehr Transparenz würde helfen!
von chillkr0ete | #11-3

Ich gebe ihnen völlig Recht,dieser Artikel will nur Gehetze erzeugen.
Z.t. befürworte ich sogar Repräsentative Dienstwagen für Politiker.

Allerdings muss man doch hinterfragen dürfen ob Politiker einer klammen Stadt,wirklich 9 Repräsentative Autos benötigen.Vielleicht hätten es auch 5 getan,und 4 "Nomalklasse"(Opel,Ford,VW)um die Ausgaben evtl geringer zu halten,man hätte mit "Bürgernähe" auch evtl mehr Sympathie bei den Wählern gewinnen können,aber das eigene Luxusempfinden ist wichtiger.
Ein Flottenrabatt könnte es rausreißen.Doch bei 62.500€ im Jahr (zumindest laut WAZ)ist es stark zweifelhaft,dass es hier nicht günstiger gegangen wäre.578€ bzw 445€(mit privat Anteil)im monat für komplettleasing ist gerade für Politiker,nicht schwer zu unterbieten.Die Frage ist halt,ist Oberklasse ein MUSS?

Mir ist bewusst,dass das insgesamt eine Milchmädchenrechnung ist.Aber mehr Transparenz,detailierte Erkärungen,warum und wofür gerade diese Autos benötigt werden,würde allen weiterhelfen.

13.01.2013
17:49
Neue Nobel-Dienstwagen der Stadtspitze Dortmund trotz Kritik
von nussknacker | #10

Wer diese Fahrzeuge als unschlagbar günstig tituliert, der hat den Kontakt zur Bevölkerung und der Wirklichkeit in EU verloren!

Arbeiter und Angestellte schaffen es gerade mal alle 10 Jahre einen Kleinwagen für 12.000 EUR zu kaufen, aber die Herren sehen ein Fahreug von 60.000 EUR als günstig an, schämt Euch!!!!!!

13.01.2013
15:57
Neue Nobel-Dienstwagen der Stadtspitze Dortmund trotz Kritik
von EduardM | #9

Also sollte die Stadt besser mehr Geld für kleinere Fahrzeuge ausgeben, das bringt dann einen besseren Ruf? Journalistendenken!

13.01.2013
13:16
Neue Nobel-Dienstwagen der Stadtspitze Dortmund trotz Kritik
von westfalendamm | #8

Ist denn schon wieder Wahlkampf ? Es ist schon zu verstehen das die Auflage der WAZ in Dortmund unterhalb der Bäckerblume liegt... Kohlstadt und Maug sei dank !

13.01.2013
10:13
Neue Nobel-Dienstwagen der Stadtspitze Dortmund trotz Kritik
von ichliebekoenigsblau | #7

Mercedes-Benz habe bundesweit

Sicher wäre es ein Solidaritäts-Zeichen seitens DO gegenüber BO gewesen
wenns " nur " OPEL Insigna , die gut die Hälfte kosten , getan hätte !

Da hätte DO-Regierung schon - die Hälfte - von Beginn an gespart !
ABER ist ja nur Steuerzahlergeld !

Und DO hats ja : Am Ende fehlen in der Ergebnisrechnung 73,4 Mio Euro (2012: 66 Mio) zum Haushaltsausgleich; die Stadt wird in 2013 für 43 Mio Euro neue Kredite aufnehmen und im Gegenzug ihre Eigenkapitaldecke weiter kürzen müssen - auf dann immer noch stattliche 1,723 Milliarden Euro. Die kalkulierten Zinsaufwendungen sinken von 58,8 (in 2012 geplant) auf 57,9 Mio Euro.

http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/dortmund-rutscht-nochmals-tiefer-in-die-schuldenfalle-id7139547.html

DA sollen die Bürger nun mal nicht "äfflich" werden ;

Glückauf Ruhrpott

Aus dem Ressort
Darum bringt Dortmunds modernste Blitze (noch) keine Einnahmen
Fragen und Antworten
Sie ist Dortmunds modernste Blitzanlage: Die Überwachungskamera an der Brackeler Straße. Dummerweise verursacht sie auch die meisten Kopfschmerzen in der Stadtverwaltung. Wir erklären, was mit der Anlage nicht stimmt.
Im Ruhrgebiet verfallen die Immobilienpreise
Immobilien
Eine Studie des Onlinedienstes Immowelt zeigt: Das Ruhrgebiet hinkt dem großen Immobilienrausch in Deutschland hinterher, im Durchschnitt verlieren sie in Städten wie Dortmund und Essen sogar an Wert. Doch das muss nicht automatisch ein Nachteil sein.
"Wir wohnen hier im kleinen Horrorhaus"
Mieter
Ein Vermieter aus der Schweiz lässt seit Jahren ein Mehrfamilienhaus in der Nordstadt verkommen. Mit Geld und vereinten Kräften halten die Nachbarn das Gebäude in Schuss. Jetzt könnte das Haus ein Fall für die Justiz werden.
Watzke redet BVB-Spielern ins Gewissen - Reus fällt aus
Borussia Dortmund
Die Vorzeichen waren vor einer Mitgliederversammlung des BVB schon einmal besser. Finanziell steht der BVB gut da, sportlich miserabel. Hans-Joachim Watzke redete der Mannschaft eindringlich ins Gewissen und nahm die Spieler in die Verantwortung. Auf Marco Reus muss der BVB aber lange verzichten.
Unveränderlich: Neue Semesterticket-Preise stehen fest
Diskussion in der Uni
Im Gespräch zwischen Vertretern des Verkehrsbunds Rhein-Ruhr (VRR) und Studenten über die Preiserhöhung des Semestertickets gibt es noch immer keine Einigung. Luis Jos Castrillo, Vorstandsmitglied des VRR, hat mit Studenten der TU und FH diskutiert. Wir waren dabei.
Fotos und Videos
Kinder zeigen Musical über Müll
Bildgalerie
Fotostrecke
Das Leben im kleinen Horrorhaus
Bildgalerie
Fotostrecke
Mensch stirbt bei Feuer in Marten
Bildgalerie
Fotostrecke
Neues Wohnen im Denkmal
Bildgalerie
Fotostrecke