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Gerichtsstreit

Neubauten am Dortmunder U verzögern sich weiter

18.01.2012 | 10:40 Uhr
Neubauten am Dortmunder U verzögern sich weiter
Bleibt zunächst eine Brache: Das Gelände nördlich des U-Turmes in Dortmund. Foto: Franz Luthe

Dortmund.  Tut sich bei den geplanten Neubauten auf der Brache neben dem Dortmunder U im Jahr 2012 überhaupt noch etwas? Die Stadt-Oberen sehen derzeit schlechte Chancen für einen raschen Bau der beiden Berufskollegs unterm U. Grund: Die konkurrierenden Architekturbüros behaken sich monatelang vor Gericht.

Während sich auf dem Union-Gelände alles ums U dreht, hängen die beiden Berufskollegs mit der Tiefgarage, die ebenfalls gebaut werden sollen, in der Warteschleife. 2013 sollen sie ans Netz. Dieser Zeitplan ist so gut wie geplatzt: Einen Baustart wird es auch in diesem Jahr nicht geben.

Mitte 2011 schien der Durchbruch geschafft. Nach langem Vorlauf und intensiven Sitzungen kürte die Jury das Dortmunder Architekturbüro Prof. Gerber mit seinem Investorenpartner W+P (Stuttgart) zum Wettbewerbssieger. Zwar lag Gerber mit den Miet- und Nebenkosten am oberen Rande dessen, was die städtischen Liegenschaftler als Richtschnur vorgegeben hatten. Da Gerber aber von allen drei Bewerbern „die beste Architektur“ für die Neubauten des Robert Bosch- und des Robert Schuman-Kollegs vorgelegt hatte, erhielt er den Zuschlag für die 84 Millionen Euro schwere Investition in zwei Berufsschulen, eine Tiefgarage und das „Kreativzentrum“. Es kam, was kommen musste: Die unterlegenen Bewerber Kölbl/Kruse (Essen) und Hochtief zogen vor die Arnsberger Vergabekammer. Folge: Das Verfahren kam ins Stocken, der Zeitplan ins Rutschen.

Im Februar entscheidet das Oberlandesgericht

Inzwischen hat sich die Kammer der Einwände angenommen - und allen drei Bietern formaljuristische Mängel bescheinigt. Die zündeten prompt die nächste Stufe und riefen (wie die Stadt auch) das Oberlandesgericht in (OLG) Düsseldorf an. Dort soll nun Ende Februar entschieden werden.

Der Trend ist nicht neu: Wann immer Unternehmen einen millionenschweren Wettbewerb oder eine Ausschreibung um Bauprojekte verlieren, wird die Vergabekammer angerufen. Im Bestreben, zumindest ihre Planungskosten wieder einzuspielen, stürzen sich die Unterlegenen auf jeden noch so kleinen Fehler der Konkurrenz – egal, welche Folgen das für Bauprojekte hat. „Sobald die Konjunktur nachlässt und Aufträge ausbleiben, wächst die Bereitschaft, die Vergabekammer anzurufen“, bestätigt Dr. Christian Chmel, Sprecher der Arnsberger Bezirksregierung, bei der die Kammer anhängig ist.

2004 etwa waren 47 Streitfälle anhängig, von denen 18 bereits nach erster Sichtung wegen augenfälliger Erfolglosigkeit abgeschmettert wurden. 2009 waren erneut 42 strittige Projekte bei der Kammer anhängig, 2012 nur noch 17. „In den Jahren zwischendurch gab es für die Unternehmen offenbar reichlich Aufträge“, sieht Chmel einen Zusammenhang zum Konjunkturpaket II, das nun ausgelaufen ist.

Stüdemann: „2012 wohl keine Bautätigkeit“

Video
Am Dortmunder U gerät wieder der Zeitplan durcheinander. Eine Ausstellung verschiebt sich.

Die Folgen sind gravierend: Bauprojekte verzögern sich um viele Monate oder werden am Ende ganz zerschossen. Nicht selten tritt so lange Verzögerung ein, dass die Baukosten neu kalkuliert werden müssen, weil sie in der Zwischenzeit gestiegen sind. Ein prominentes Beispiel lieferte die Baugrube am Phoenix-See, als sich Tiefbaufirmen monatelang vor der Kammer behakten. Bei den Berufskollegs unterm U-Turm sieht das nicht anders aus. Fast ohnmächtig blicken die Stadt-Oberen dem Rechtsstreit vor dem OLG entgegen. Schon jetzt geht Kämmerer Jörg Stüdemann davon aus, „dass wir 2012 wohl keine Bautätigkeit erleben werden.“

Es kann aber noch schlimmer kommen: Sollten sich die Konkurrenten nicht in letzter Minute außergerichtlich einigen, haben die Richter das Wort. Und die, weiß Stüdemann, könnten auf die Idee kommen, die Arbeiten und Kostenrechnungen selber zu bewerten - und den Zweitplatzierten zum Sieger erklären. Ein Szenario, das sich Stüdemann gar nicht erst vorstellen möchte.

Partner per Urteil

Nun soll ausgelotet werden, welchen Trumpf die Stadt noch aus dem Ärmel ziehen kann. Eine Rolle spielt dabei die Überlegung, einen Strich zu ziehen und das Ausschreibungsverfahren aufzulösen und auf Null zurückzusetzen - wofür man den Segen der Politik benötigte. „Wir werden uns die Karten legen“, sagt Stüdemann, der sich ansonsten zum Verfahren bedeckt hält. Wann mit den Neubauten unterm U gestartet werden kann: dickes Fragezeichen.

Winkelmanns Reise ins U
Der U-Turm

Gregor Beushausen

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Kommentare
18.01.2012
16:33
Dortmund.....
von Moeppkenbrot | #2

Pleiten -Pech und Pannen.Soviel Elend im Baubereich.Der See,die Stadtkrone,der Flughafen,das(goldene) U.Eigentlich könnten sich die Dortmunder wöchentlich auf dem Mark zur öffentliche Geldverbrennung treffen.
DAS gäbe ein Feuer.......

1 Antwort
Neubauten am Dortmunder U verzögern sich weiter
von FrankDTM | #2-1

Ohne die wenigen Projekte wie U, Phoenix See, Flughafen etc. können wir Dortmund gleich dicht machen. Einige Sachen laufen sicherlich etwas unglücklich, aber die kleinkarierte Bevölkerung hat ja immer was zu meckern.
Guckt Euch lieber mal die Probleme mit Stuttgart 21 oder der Elbphilharmonie an. Dort wird richtig Geld vernichtet ! Aber das kommt hier wohl bei einigen nicht an. Nur wenn in Dortmund, im Vergleich dazu Kleckerbeträge, versickern gibts einen großen Aufschrei.

18.01.2012
15:47
Neubauten am Dortmunder U verzögern sich weiter
von DU-Kersten | #1

Jetzt fragt sich natürlich Kölbl/Kruse ob sich Parteispenden noch lohnen.

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