Rechtsradikalismus
Neonazis: "Gewalt ist ihre Lebenswelt"
12.05.2009 | 10:50 Uhr 2009-05-12T10:50:00+0200Dortmund. Was tun gegen rechtsradikale Umtriebe? Nach den Ausschreitungen der Neonazis am 1. Mai in Dortmund sprach die WAZ mit dem Politologen und Gewaltforscher Dierk Borstel. Der Bielefelder Wissenschaftler zweifelt am Nutzen eines NPD-Verbots.
Herr Borstel, waren Sie überrascht, dass Rechtsradikale am 1. Mai die DGB-Demo in Dortmund mit Steinen und Stöcken angegriffen haben?
Borstel: Nicht direkt.
Warum nicht?
Seit drei bis vier Jahren gibt es eine Entwicklung hin zu den autonomen Nationalisten. Es gibt in der Dortmunder Szene Kontakte zu deren führenden Köpfen. Der so genannte SS-Siggi hat schon in den 70ern eine Rolle dort gespielt. Die Grundlinie ist: Je höher der Organisationsgrad, desto geringer die Gewalt. Die NPD hat einen gewaltdämpfenden Einfluss auf gewisse Gruppen. Wenn die NPD führende rechtsextreme Kraft ist, versucht sie die Gewalt zu drosseln, weil sie die Wahlchancen senkt. Das ist ein strategischer Verzicht, dabei ist das eine hoch gewaltbereite Partei. In Dortmund aber spielt die NPD keine Rolle.
Warum greifen autonome Nationalisten überhaupt an?
Gewalt ist nicht nur Teil deren Ideologie, sondern auch Teil der Lebenswelt. Sie kopieren autonome Linke, weil sie die für erfolgreich halten. Sie leben in WGs, gründen Läden, wollen sich selbstständig finanzieren.
Warum schließen sich ihnen junge Menschen an?
Nachwuchs bekommt die Szene aus der Schnittmenge zwischen Hooligans, Fußballfans und Rechten. Das sind die ideologischen Kinder der Borussenfront. Bei den autonomen Nationalisten ist neu, dass sie über die Thematisierung von Gerechtigkeit zur rechten Szene gekommen sind. Oft sind es junge Leute aus sozial schwierigen Verhältnissen. Die sind nicht zu kriegen über die Themen Judenvernichtung und Holocaust, sondern empfinden sich als revolutionäre Kämpfer gegen ein verlogenes System. Sie halten es für verlogen, ungerecht und menschenfeindlich.
Ausgerechnet die Gewalttäter nennen andere „menschenfeindlich”?
Menschen Gewalt anzutun, sagen sie, sei für einen höheren Sinn. Das wird entpersonifiziert: Der Polizist ist Repräsentant des Systems. Er und der politische Gegner werden nicht als liebevolle Familienväter gesehen.
Sind sie politikverdrossen?
Nein, gar nicht, sie sind hochgradig politisiert. Ihre Zielgruppe sind politikverdrossene Bürger. Aber bei denen kommen sie nicht gut an.
Warum kommen sie dann bei anderen so gut an?
Die rechtsextreme Szene hat eine Antwort auf die Globalisierung. Die Frage ist, ob die demokratische Seite auch eine hat. Die wird sicher nicht so einfach sein, wie die der Rechten. Aber da stoßen sie in ein Vakuum - mit berechtigten Fragen nach der Gerechtigkeit der Gesellschaft. Nur: Sie haben gemeingefährliche Antworten darauf.
Hat die rechte Gewalt zugenommen?
Es gibt Perioden dieser Gewalt. Wir haben jetzt lange Zeit ein sehr hohes Maß rechter Gewalt bei gleichzeitig einem hohen Maß an Gewöhnung. Ob es zugenommen hat, kann ich nicht sagen.
Was würde ein NPD-Verbot bringen?
Ich bin strikt gegen ein NPD-Verbot. Die tatsächlich gewaltbereiten Truppen sind damit nicht zu kriegen. Das beruhigt nur das demokratische Gewissen.
Was kann man dann tun?
Die autonomen Nationalisten ziehen ihren Nachwuchs relativ früh. Das sind Jugendliche, die durch das Raster der Jugendförderung fallen, Schulschwänzer, aber auch welche, die gegen ihr Elternhaus rebellieren. Wir müssen den autonomen Nationalisten den Nachwuchs wegnehmen und Antworten auf die Gerechtigkeitsfragen finden.
Ist Dortmund besonders gefährdet?
Es gibt in Dortmund im Gegensatz zu anderen Städten eine hohe Sensibilität und starke Netzwerke gegen rechtsextreme Gewalt. Die Frage ist: Sind diese Netzwerke auf die neuen Entwicklungen ausgelegt? Aber es gibt funktionierende Strukturen, wir haben, was unsere Forschung betrifft, eine große Offenheit erfahren.
16:46
Eine braune Wolke zieht wieder über den Westen
14:21
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
23:02
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
10:17
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
08:51
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
00:25
Ich brauche kein Beweisfoto für die Gewaltausbrüche der Nationalisten am 1. Mai. Ich habe vier Bekannte, die an dem Tag vor Ort waren und die Taten live beobachten konnten. Und ich habe zu diesen vier Leuten so viel Vertrauen, dass ich weiß, dass sie mir keinen Quatsch erzählen.
Ich finde es skandalös, dass man sich hier damit rausredet, dass die Linksradikalen ja auch gewalttätig sind. Das mag ja sein, aber in diesem Fall reden wir von den Gewalttaten der Rechten. Und diese sind nicht entschuldbar. Wer es für nötig hält, seine Meinung mit Gewalt durchzusetzen, der gehört aus unserer Gesellschaft ausgestoßen, so lange er dieses Verhalten nicht ablegt.
10:53
Wie schon gesagt, wenn man weiss, wer einen da so Gutmensch nennt, dann ist man stolz drauf. Bin ich auch lieber als ein Schlechtmensch, echt.
Jenseits der unterprivilegierten underdogs von KameradschaftFIESkopp wird sich die Welt trotzdem weiterentwickeln. Sie nerven nur so mit ihrem ewig gestrigen Verbalsondermüll und ihren elend primitiv-animalistischen Gewaltexzessen.
Bei den linken Antifakrawallos habe ich allerdings noch Hoffnung, dass sie endlich dahinterkommen, dass sie keiner liebhat, noch nichtmal die Leute, für die sie angeblich kämpfen.
21:05
merkt die hier vetretende radikale Mitte eigentlich, dass sie den Nazis in die Hände spielt - Geschichte wiederholt sich doch!!!
20:54
Hallo,
wer sind eigentlich die extremen linken?????
Anhänger der Linken? Der Grünen ? Der SPD? ODer auch Anhänger der CDA???? Liebe echtspopulisten und Nationalhelden differenzert erst mal ein bisschen - oder wollte Ihr Lagerwahlkampf mit dem Ergebnis große Koaltition in allen Ebenen? Übrigens kurz erinnert Faschismus ist keine Meinung......
20:14
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.