Neonazis attackierten Mitarbeiter des Dortmunder Fanprojekts

Viele BVB-Fans positionieren sich gegen rechts - dennoch hat der BVB ein Problem mit rechtsradikalen Anhängern.
Viele BVB-Fans positionieren sich gegen rechts - dennoch hat der BVB ein Problem mit rechtsradikalen Anhängern.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Sportlich lief es für Borussia Dortmund beim Auswärtsspiel in Donezk sehr gut. Doch in Fankreisen kam es während des Spiels zum Tabubruch. Thilo Danielsmeyer vom Dortmunder Fan-Projekt war auf der Stadion-Toilette von einem rechtsradikalen Fan brutal attackiert und verprügelt worden.

Dortmund.. Borussia Dortmunds Nazi-Problem hat eine neue Dimension erreicht. Während des Spiels des BVB in Donezk attackierten Rechtsradikale den in Fankreisen angesehenen Fan-Projekt-Mitarbeiter Thilo Danielsmeyer und schlugen ihn brutal zusammen. "Dortmund bleibt rechts", riefen die Angreifer dabei immer und immer wieder.

"Das ist ein Tabubruch", so Danielsmeyer. "Die Zwei waren so voller Hass", erinnert er sich. Ungefähr in der zehnten Spielminute war der Mitarbeiter des Dortmunder Fan-Projekts auf die Toilette gegangen. Als er sein Geschäft verrichtete, wurde er von hinten angegriffen. "Ich habe erst gedacht, mich wolle jemand umarmen", schildert der "Sportliche Leiter" des Fan-Projekts. Doch dann bekam er Schläge ins Gesicht, ging zu Boden und wurde am ganzen Körper traktiert.

Einzig seine dicke Winterjacke bot dem Fan-Projektler Schutz und immerhin die Möglichkeit, den Kopf einzuziehen und vor den Angriffen zu verbergen. Irgendwann hörte endlich ein Fan die Hilfeschreie des 54-Jährigen und stürmte in die Toilette. Sofort sei er eingeschritten und habe sich den Angreifer und dessen Schmiere stehenden Bruder vorgeknüpft. Glück im Unglück: Der Fan, der zur Hilfe eilte, war ausgerechnet ein ehemaliger Klient des Fan-Projekts und somit ein guter Bekannter - und körperlich robust genug, um es mit beiden Tätern aufzunehmen.

Selbst rechte Fans bezeichnen Angriff als "Tabubruch"

Was bleibt, sind Prellungen und Blutergüsse und die Frage, wie es beim BVB nun weitergehen soll. "So etwas hat es in Kreisen des Fan-Projekts noch nicht gegeben", so Danielsmeyer. Selbst andere rechtsgerichtete Fans seien schockiert gewesen, hätten von einem „Tabubruch“ gesprochen. „Da sind ja auch einige dabei, die sich für den BVB interessieren. Die wollen Fußball gucken. Solche Aktionen schaden denen doch nur“, weiß Danielsmeyer. Die Strafe erhielten die Angreifer noch vor dem Rückflug: Sie wurden von anderen Fans verprügelt. Von wem, weiß Danielsmeyer nicht. Zuvor waren sie bereits von ukrainischen Ordnern aus dem Stadion geschickt worden.

Schon vor dem Spiel war das Brüderpaar aufgefallen. Die beiden Männer und ihr Vater skandierten „Dortmund gehört uns“ – ein beliebter Slogan bei Neonazis. Jens Volke, einer der Fanbeauftragten des BVB, wollte sich ein Bild von der Situation machen und wurde von den Männern attackiert. Einer schlug Volke ins Gesicht, Ordner schritten ein, bevor Schlimmeres passieren konnte. Gegen die drei Männer erstatteten Volke und Danielsmeyer am Freitag Anzeige bei der Polizei in Dortmund.

"BVB muss sich deutlicher gegen Rechts positionieren"

Der Mitarbeiter des Fan-Projekts fordert nun, dass sich der BVB noch deutlicher gegen Rechts positioniert und den Fans den Rücken stärkt, die gegen Neonazis aktiv werden wollen: „Die Fans müssen spüren, dass der Verein zu 100 Prozent hinter ihnen steht.“ Denn viele Rechte sind ihren Mitfans allein schon wegen des größeren Aggressionspotenzials überlegen, auch vielen Ultras. Dennoch sieht Danielsmeyer Möglichkeiten, wie Verein und Fanszene ihren Standpunkt deutlich machen können.

Kommentar Als gutes Beispiel nennt er die Aktion „Abpfiff für Rechts“ der BVB-Fanabteilung, die beim Heimspiel gegen Leverkusen am 17. September mit einem großen Banner Position bezogen hatte. „Da haben sich unsere Rechten in die Ecke gedrängt gefühlt“, sagt Danielsmeyer. Nur frage er sich, warum das 100 Quadratmeter große Banner mit der Aufschrift „Borussia verbindet Generationen, Männer und Frauen, alle Nationen“ nicht dauerhaft im Stadion hänge. Er verlangt vom Verein, sein kreatives Potenzial auch in der Arbeit gegen Rechts zu nutzen: „Man muss endlich den Ernst der Lage erkennen.“

BVB spricht Stadionverbote gegen die Täter aus

„Auf Basis der Anzeige hat Borussia Dortmund unverzüglich bundesweite Stadionverbote gegen die drei offenbar Rechtsextremen ausgesprochen. Die Handlungen waren niederträchtig und stellen einen absoluten Tabubruch dar“, betont BVB-Chef Hans-Joachim Watzke in einer Stellungnahme. Darin heißt es auch, dass einer der mutmaßlichen Täter BVB-Mitglied sei. Gegen ihn werde ein Vereinsausschlussverfahren betrieben. Der BVB werde "alle Rechtsmittel ausschöpfen, um die Gewalttäter ihrer gerechten Strafe zuzuführen", heißt es in der Presseerklärung.

Fußballfans Schon im September 2012 hatte Borussia Dortmund acht Stadionverbote gegen Rechtsradikale ausgesprochen, die beim Drittligaspiel der Zweiten Mannschaft des BVB aufgefallen waren.

Die Polizei hat unterdessen bestätigt, dass Anzeige erstattet wurde. "Alle drei Personen sind namentlich identifiziert und Gegenstand eines Strafverfahrens wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung", heißt es von Seiten der Polizei. Wegen der skandierten rechten Parolen hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.