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Anklage

Neonazi-Böllerwerfer muss vor Gericht

05.08.2014 | 16:08 Uhr
Neonazi-Böllerwerfer muss vor Gericht
Polizisten nehmen am 31. August 2013 auf der Saarlandstraße einen Neonazi fest. Auch der Böllerwerfer, der auf dem Bild nicht zu sehen ist, konnte später festgenommen werden.Foto: Peter Bandermann

Dortmund.  Mit einem Böller verletzte ein Rechtsextremist bei einem Nazi-Aufmarsch in Dortmund im August 2013 fünf Menschen. Nun muss sich der damals 23-Jährige wohl im Herbst vor der Justiz in Freiburg verantworten. Ein weiterer Vorwurf gegen ihn: Angeblich plante er einen Anschlag mit einem Modellflugzeug.

Zu Last legt ihm die Staatsanwaltschaft im Breisgau in Baden-Württemberg die gefährliche Körperverletzung unter anderem gegen die Landtagsabgeordnete der Piratenpartei Birgit Rydlewski in Dortmund. Der damals 23-Jährige folgte am 31. August 2013 einem Demo-Aufruf der Dortmunder Partei "Die Rechte" und nahm an dem Aufmarsch durch die Dortmunder Innenstadt teil.

Fünf Verletzte durch Böllerwurf

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Gegen 17 Uhr schleuderte er einen selbst gebauten Sprengsatz in eine Gruppe von Gegendemonstranten und verletzte fünf von ihnen. Die Polizei nahm den Mann kurze Zeit später auf der Abschlusskundgebung fest. Mehrere Polizisten gingen in die Neonazi-Gruppe und fischten ihn heraus. Laut Polizei führten Auswertungen von Videoaufnahmen zur Festnahme. Doch die Staatsanwaltschaft wirft dem Böllerwerfer eine weitere Tat vor: einen Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz in einem weiteren brisanten Fall.

Auftrag für Sprengsatz

Nach einem Hinweis durchsuchte das Landeskriminalamt wenige Tage nach der Demo einen rechten Szenetreff und die Wohnungen von vier Verdächtigen - darunter der Böllerwerfer aus Dortmund - in Freiburg, den Landkreisen Freudenstadt und Emmendingen. Der Neonazi soll einem 42-Jährigen den Auftrag für einen Sprengsatz gegeben haben. "Es soll Überlegungen gegeben haben, diesen selbstgebastelten Sprengsatz mit einem Modellflugzeug bei einer Veranstaltung politischer Gegner einzusetzen. Nach jetzigem Ermittlungsstand existierten hierzu jedoch noch keine konkreten Planungen", hieß es damals von Ermittlern.

Auf freiem Fuß

Bei dem 42-Jährigen, der auch den den in Dortmund geworfenen Böller hergestellt haben soll, wurden damals eine funktionsfähige Sprengvorrichtung und mehrere Modellflugzeuge sichergestellt.

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Während ein Haftbefehl gegen ihn außer Vollzug gesetzt wurde, kam der Auftraggeber in Untersuchungshaft. Gegen Auflagen ist dieser Haftbefehl inzwischen außer Vollzug gesetzt worden; der Mann befindet sich auf freiem Fuß.

Verbot gescheitert

Der Freiburger Oberstaatsanwalt Michael Mächtel sagte, dass die Verwendung des Sprengsatzes während der Demonstration in Dortmund vor einem Gericht in Freiburg mitverhandelt werde. Das bedeutet, dass die Justiz im Breisgau die Betroffenen aus Dortmund als Zeugen vorladen wird.

Rund 370 Neonazis starteten am 31. August 2013 ihren Demo-Zug im Gerichtsviertel und zogen durch die Innenstadt. Gut 1000 Gegendemonstranten setzten ein Zeichen gegen Rechtsextremisus. Versuche, die Nazi-Demo zu verbieten waren gescheitert.

Peter Bandermann, Carsten Christian

Kommentare
06.08.2014
18:14
Neonazi-Böllerwerfer muss vor Gericht
von Holsierdesa | #2

Wer solche Pyrotechnik auf Personen wirft, der hat sie tatsächlich nicht mehr alle! Aber - in jeder Sylvesternacht passiert das allein in Dortmund...
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4 Antworten
Vielleicht mal den Artikel lesen?
von Mr_Grey | #2-1

a) Ein selbstgebauter Sprengsatz ist alles andere als irgendein Böller.

b) Eine funktionsfähige Sprengvorrichtung ist alles andere als irgendwelche Haushaltschemikalien, die getrennt voneinander irgendwo herumstehen.
Letzteres bezeichnet man als Haushaltschemikalien, Ersteres als Bombe.

Definitionen
von Holsierdesa | #2-2

Als "Böller" (Siehe Artikel und Tatvorwurf) bezeichnet man pyrotechnische Ladungen, die sich von hochbrisanten Sprengsätzen durch die Art des Sprengstoffes (hochbrisante schnellverbrennende Sprengstoffe) und die Art der Verdämmung (Hülle) unterscheiden. Hier handelte es sich laut Artikel um einen "Böller", wie sie auch zu Sylvester Verwendung finden. Ein echter Sprengsatz hätte zudem wohl kaum mit Bagatellverletzungen der Betroffenen geendet!

Was glauben Sie denn, was ein Chemiker ihnen zB aus Kochsalz (Chloratsprengstoffe) oder aus Nagelreiniger und Haarfärbemitteln (Acetonperoxide) so alles an hochbrisanten Sprengstoffen "zaubern" kann?

Neonazi-Böllerwerfer muss vor Gericht
von Stadewaeldchen | #2-3

@Holsierdesa: In der Silvester-Nacht ist das Zünden von (legalen, also zugelassenen) Böllern erlaubt. Daher liegt kein Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz vor. Werfen Sie einen solchen Silvesterböller gegen einen Menschen und verletzen diesen dabei, handelt es sich damit "nur" um eine (ggf. schwere) Körperverletzung. Außerhalb der Silvesterfeierlichkeiten wird auch bei anderen Anlässen das werfen von Böllern als Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz geahndet. Somit nichts neues.

@ Stadewaeldchen
von Baschaidwa | #2-4

Das Werfen eines Böllers auf Personen erfüllt den Straftatbestand der gefährlichen Körperverletzung (§ 224 StGB) - sie meinten sicher das! Wenn Sie das zu Sylvester tun, dann verletzen Sie das Sprengstoffgesetz insofern, als Sie die Zulassungsbedingungen des Böllers der BAM nicht beachten. Der Tatvorwurf der gefährlichen Körperverletzung überwiegt aber eindeutig. Die Unsitte ab dem 28.12. bereits Böller zu verwenden ist ganz klar ein Verstoss gegen das Sprengstoffgesetz - wird aber im Regelfall toleriert und von der Polizei nicht generell verfolgt.

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2014-08-05 16:08
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