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Prozess-Fortsetzung

Nazi Sven K. macht aus seinem Ausländerhass vor Gericht keinen Hehl

06.06.2012 | 09:00 Uhr
Sven K., der laut Anklage zusammen mit seinem jüngeren Bruder und anderen Rechten zwei türkische Jugendliche in Dortmund zusammengeschlagen haben soll, sagte am Dienstag im Beisein seiner Anwälte vor Gericht aus.

Dortmund.  Die Fortsetzung im Prozess gegen Nazis, die im November auf dem Weihnachtsmarkt Dortmund zwei türkische Jugendliche zusammengeschlagen haben sollen, bescherte dem Gericht einen schwer erträglichen Auftritt von Sven K. Der verurteilte Punker-Mörder machte aus seinem Ausländerhass keinen Hehl.

Es ist nicht nur der widerliche Inhalt seiner Aussage. Es ist vor allem die Art und Weise, wie der bekennende Neonazi Sven K. (24) dem Gericht in Dortmund seine Gesinnung mitteilt. Wie er lacht, als ihn der Vorsitzende Richter Ulf Pennig nach seiner „Meinung zum Nationalsozialismus“ fragt. Und wie er, nach einem Rüffel des Richters, ganz lässig antwortet: „Ich will nicht unbedingt sagen, dass das alles scheiße war.“

Der Auftritt des Sven K. und seiner drei rechten Gesinnungsgenossen am Dienstag vor der 31. Großen Strafkammer war nur schwer erträglich.

Jener Mann, der vor sieben Jahren den Punker „Schmuddel“ erstach und nach fünf Jahren vorzeitig aus der Haft entlassen wurde – das Urteil lautete sieben Jahre Jugendstrafe – hat laut Anklage am Abend des 26. November 2011 auf dem Weihnachtsmarkt, unmittelbar vor dem Restaurant „Alex“ mit seinen mitangeklagten Gesinnungsgenossen zwei türkische Jugendliche zusammengeschlagen und getreten. Bei seiner anschließenden Flucht durch die Innenstadt, so jedenfalls wirft ihm Staatsanwältin Dr. Esther Nazarian vor, beleidigte er einen Sicherheitsmann mit den Worten: „Dreckiger Jude. Scheiß Juden, ich bringe euch alle um.“

„Leichte Abneigung gegen Juden“

Darauf angesprochen, scheint Sven K. einen Moment nachzudenken und sagt beiläufig. „Das kann schon sein, dass ich das gesagt habe.“ Er hege eben, so erklärte er, „eine leichte Abneigung gegen Juden , ist vielleicht ein Vorurteil“.

Das sagt jener Mann, dessen früherer Verteidiger damals im Prozess um den toten „Schmuddel“ jegliche rechte Gesinnung seines Mandanten weit von sich wies. Und dass er „kein Freund von Ausländern“ sei, daraus machte Sven K. nun auch keinen Hehl. Trotzdem will er aber die beiden türkischen Jugendlichen auf dem Weihnachtsmarkt keinesfalls grundlos angegriffen haben, wie es ihm die Anklage vorwirft.

Provoziert und unschuldig

Vielmehr, so seine Version, sei er von den zwei 16 und 17 Jahre alten Jungs provoziert worden. „Der eine versuchte, mir einen Kopfstoß zu geben, da habe ich ihn gegriffen, er ging zu Boden.“ Ohne jeglichen Schlag will Sven K. dann das Weite gesucht haben. Und die drei Mitangeklagten – darunter sein Bruder (19) – die hätten gar nichts gemacht.

Gegen seinen jüngeren Bruder und den Angeklagten Tim G. (20) wird eine weitere Anklage verhandelt: Die beiden sollen mit den Worten „Drecksausländer“ einen Mann in Oberhausen zusammengeschlagen haben. Sein Verhängnis: Er hatte sich darüber mokiert, dass einer der Zwei direkt vor McDonald’s uriniert hatte.

Bis Mitte Juli sind noch sechs weitere Prozesstage geplant.

Rechte Szene im Jahr 2011

 

K.M.



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