Nazi-Banner im Westfalenstadion vor dem Landgericht

Auf "Verstoß gegen das Vereinsgesetz" lautet die Anklage.
Auf "Verstoß gegen das Vereinsgesetz" lautet die Anklage.
Foto: Jochen Linz/PiLi
Was wir bereits wissen
Dreist hatten Neonazis im ausverkauften BvB-Stadion ein Transparent entrollt, das Solidarität mit einer verbotenen Organisation forderte. Eineinhalb Jahre später steht ein 25-Jähriger aus Lünen vor Gericht, der dafür verantwortlich sein soll. Er schweigt.

Dortmund.. Gut zu sehen war die fünf Meter lange Tapetenrolle, auf der unverhohlen Sympathien für die gerade verbotene Organisation Nationaler Widerstand Dortmund (NWDO) gezeigt wurden. Ob aber der 25 Jahre alte Mann aus Lünen der Initiator der rechtsradikalen Aktion war, das konnte das Landgericht Dortmund am Donnerstag nicht klären. „Wir haben noch Aufklärungsbedarf“, sagte Richter Peter Windgätter.

Auf „Verstoß gegen das Vereinsgesetz“ lautet die Anklage, nicht gerade eines der schwerwiegenden Delikte. Staatsanwältin Groesdonk ist sicher, dass der Angeklagte der Schuldige ist. Sie fordert eine Geldstrafe in Höhe von 2400 Euro (80 Tagessätze), die nicht einmal ins Vorstrafenregister aufgenommen wird. Verteidiger Cordes sieht keine ausreichenden Beweise, will Freispruch.

Razzia der Polizei

Im August 2012 hatte das Transparent in ganz Deutschland Schlagzeilen gemacht. Am 23. August 2012 hatte NRW-Innenminister Ralf Jäger mehrere Neonazi-Organisationen verboten, darunter den NWDO. Auch in Dortmund hatte es an diesem Tag Razzien der Polizei gegeben.

Nur einen Tag später füllten 80.645 Fans das Dortmunder Westfalenstadion zum Auftakt der 50. Bundesligasaison. Bundesweit wurde das Spiel der Dortmunder gegen Werder Bremen am Freitagabend im frei empfangbaren Fernsehen ausgestrahlt.

MSV Dieses große Publikum soll der 25-Jährige, dem szenekundige Polizisten Kontakte zur rechten Szene in Dortmund nachsagen, genutzt haben. Kurz vor Spielbeginn rollte er laut Anklage die Tapetenrolle aus.

Mit Hilfe umstehender Fans soll er es in die Höhe gereckt haben, wo etwa eine Minute lang der Aufdruck zu lesen war: „Solidarität mit dem NWDO“. Da an diesem Tag die Zeitungen voll waren mit Berichten über das NWDO-Verbot, dürfte den meisten der Zuschauer die Botschaft klar gewesen sein.

Stadionkameras hatten die Szene aufgezeichnet. Für den bislang unbeteiligten Zuschauer, der die Aufnahme am Donnerstag im Gerichtssaal zum ersten Mal sah, ist der Angeklagte nicht zu erkennen. Ermittelt hatten ihn die szenekundigen Polizeibeamten. Eigentlich ein strebsamer junger Mann, der in Dortmund aufgewachsen ist: Gymnasium, Abitur, Lehre, jetzt Meisterschule. Auch der familiäre Hintergrund ist gut bürgerlich.Der Vater ist Polizist, die Mutter Beraterin in Finanzfragen.

Umstrittene Band Anwalt bezweifelt Anklage

Diese Angaben zur Person macht er selbst. Zu den Vorwürfen schweigt er dagegen. Sein Verteidiger nimmt den Kampf auf und zweifelt die Anklage an. „Sie ist ja nur eine Arbeitshypothese der Staatsanwaltschaft.“ Fraglich sei schon, ob seinem Mandanten das NWDO-Verbot bekannt gewesen sei. Und eigentlich sei nicht einmal klar, welche Bedeutung die vier Buchstaben tatsächlich hätten. Bei seinen Recherchen im Internet, so Anwalt Cordes, habe er nur den vollen Namen „Nationaler Widerstand“ gefunden, die Abkürzung sei nie aufgetaucht.

Das dürfte die Wahrheit ein wenig verzerrt darstellen. Denn im Internet wird auf Seiten mit rechtsextremem Hintergrund ein T-Shirt in den schwarzgelben BvB-Farben angepriesen. Aufdruck: „Weg mit dem NWDO-Verbot!“

Der Angeklagte selbst war kein Mitglied der NWDO. Ein Polizeibeamter macht in seiner Aussage deutlich, dass rechte Gruppen kein Problem im Westfalenstadion seien. Polizeilich seien vor allem Gruppen ein Risiko, „die Gewalt ausleben“.

Filmvorführung Erst nach den beiden Plädoyers fällt der Kammer auf, dass es nur unzureichend die Beweislage geprüft hatte. Den Prozess an nur einem Tag zum Abschluss zu bringen, gelingt dem Gericht deshalb nicht.

Jetzt wollen die Richter herausfinden, von wem eine bestimmte Aufnahme stammt und was der Angeklagte über das NWDO-Verbot aus Zeitungen, Fernsehen, Radio und Internet hätte wissen müssen. Bis alles ermittelt ist, vergeht noch einige Zeit. Ein neuer Termin für den Prozess um das rechtsradikale Banner steht noch nicht fest.