Nackt bis aufs Blech - aber schön
20.05.2009 | 19:04 Uhr 2009-05-20T19:04:00+0200Ein Alfa GTA 1300 Rennserie (Baujahr 71) und zwei Fiat Dino 2,4 l (Baujahr 71 und 72), befeuert von 6-Zylinder-Ferrari-Motoren - unverändert in Form, da kann man sagen, was man will. Eleganz im Erscheinungsbild zweier Skelette - das muss man erstmal schaffen.
Wenn man Klaus Niederhäusers Garage betritt und die hochgebockten, nackten Karossen sieht, dahinter die Regale, in denen sich Vergaser, Getriebe, Kupplungen unter einer veritablen Staubschicht türmen, glaubt man nicht an eine Wiedergeburt auf Asphalt.
Niederhäuser ist nicht nur Optimist - er ist Techniker. Der ehemalige Zahntechniker hat sein feines Händchen als Rentner behalten. Da soll ihm keiner ehrfürchtig „Ferrari” hauchen: „Motor ist Motor”, sagt er. Und wer geschickt genug für Zahnreihen ist, macht sich vor Reihenzylindern nicht bange.
„Ich hab den Motor gehört - fantastisch”
Ein Zahnlabor, sechs Angestellte - er hatte einfach die Zeit nicht mehr gefunden. „Ich musste die Autos stehenlassen.” Bis vor 30 Jahren hatte der 63-Jährige immer an Alfas geschraubt, dann hat er sich mal für Jaguar interessiert. Er schaute sich bei einem Händler einen an - bis ein Fiat Dino auf den Hof rollte. Da war's vorbei: „Ich hab den Motor gehört - fantastisch.” Seinen ersten Dino kaufte er 1980. Der Anbieter war ein Jurist aus Neapel. Auf einem Rastplatz in München hat man sich getroffen. „Da war kein Handeln mehr”, erinnert sich Niederhäuser. Er hatte 17 000 Mark in bar mit, tauschte Geld gegen Autoschlüssel, hoffte das Beste und wurde nicht enttäuscht.
Den Alfa versetzte er nach einem Unfall in den Rohzustand zurück, so roh, dass er aussah wie kurz nach dem Hochofen - Roheisen. „Ich sah, dass er unterm Lack kaum grundiert war - der wär mir schnell weggerostet”, meint er. Und weil er Zwischenstadien auf dem Weg zur guten Arbeit hasst, hat er ihn bis aufs Blech ausgezogen.
Vier Ferrarimotoren besitzt er inzwischen, immer mal einen gekauft, wenn sich eine Gelegenheit bot. Ein Coupe´ gesellte sich zum Spider - er kaufte es für 7000 Mark. Niederhäuser fuhr den Wagen zwei Jahre, keine Probleme. Er ist der Problemlöser. „Problem wäre Werkstatt”, sagt er, „denn Werkstatt ist teuer. Aber die Dinger laufen einfach.” Also jedenfalls vor 20, 25 Jahren.
Er nimmt sich erst den Alfa vor. Die Teile sind damals alle entlackt und verzinkt worden, das was einen heute erschreckt, ist nur Schmutz, Staub. Je nachdem ob Karosse oder Motor: Dampfreiniger, Waschbenzin oder Ultraschall - sauber kriegt er sie allemal. Der Rest ist Verständnis.
Und, wann will er den GTA das erste Mal wieder bewegen? „Ende nächster Woche”, sagt er. Das Erstaunen über eine angekündigte Mondlandung könnte nicht größer sein. „Nein, es könnte schon ein, zwei Jahre dauern.” Und alle drei?
„Wer hofft nicht, dass er 140 Jahre alt wird?”, fragt Klaus Niederhäuser zurück.
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