Nachbessern, lockern, ändern
29.11.2009 | 16:20 Uhr 2009-11-29T16:20:00+0100
Dortmund. Die TU Dortmund befindet sich mitten im Reformprozess der neuen Hochschul-Abschlüsse.
In einem Interview mit unserer Zeitung betonte Rektorin Prof. Ursula Gather, dass der „Prozess nicht kaputt gemacht werden” dürfe.
„Die öffentliche Verbrennung eines Bachelor-Scheins durch einen Dekan finde ich geschmacklos und stillos”, reagiert Gather auf das Verhalten von Prof. Walter Krämer (wir berichteten). „Bachelor und Master sind auch alles andere als Mickey-Maus-Abschlüsse”, verurteilt Gather ebenso diese Verunglimpfung. Vielmehr sei bei der „größten Reform der Hochschul-Ausbildung seit mehreren Jahrzehnten” viel auf den Weg gebracht worden, was der internationalen Anerkennung und Vergleichbarkeit der Hochschul-Abschlüsse diene.
"Dipl. Ing." nicht mehr möglich
Sie habe sich auch sehr wohl in Düsseldorf um eine parallele Anerkennung des beliebten und bewährten „Dipl-Ing.” eingesetzt. Das Diplom sei zwar definitiv nicht mehr möglich, aber immerhin ein ergänzender Hinweis auf der Zeugnis-Urkunde, dass der Master-Abschluss dem früheren Diplom entspricht.
In einem Punkt gibt die TU-Rektorin den protestierenden Studenten Recht: In den Geisteswissenschaften sei versucht worden, möglichst viel Pensum von den umfangreicheren ehemaligen Studiengängen im kürzeren Bachelor zu übernehmen. „Wir werden jetzt prüfen, wo Nachbesserungsbedarf besteht.”
Prüfungen entschlacken
Prüfungen sollen nun entschlackt werden. „Wir werden auch die Anwesenheitspflicht lockern, wo dies möglich ist”, so Gather. Bei Laborkursen sei dies verständlicherweise nicht möglich. Änderungen an den Lehrplänen, wie sie vom Wissenschaftsministerium ermöglicht werden, werde die TU „unbürokratisch” vornehmen. Als konstruktiv hat die Rektorin die Atmosphäre der spontanen Vollversammlung mit Studenten im Audimax empfunden. Es sei sachlich und in anständiger Form diskutiert worden. Sie hoffe auch, dass die Minderheit der Studenten, die den Hörsaal 1 auf dem Campus Nord besetzt halten, ihren Ausstand friedlich beenden. „Ich will nicht, dass sie mich zwingen, von meinem Hausrecht Gebrauch zu machen, und ich die Polizei holen muss”, so Gather. „Ich will das lieber in Gesprächen lösen. Auch gestern hielten noch ca. 25 Studenten den Hörsaal besetzt.
Heute weitere Gespräche
Am heutigen Montag führt Gather ihre Gespräche mit dem AStA fort. Ein Thema werden dabei die Studiengebühren sein, deren Abschaffung gefordert ist. 22 000 TU-Studenten haben im letzten Jahr elf Millionen Euro erbracht. Gather ist gegen eine generelle Abschaffung der Beiträge in Höhe von 480 Euro pro Semester, weil die Hochschüler lediglich ein Zehntel der tatsächlichen Kosten tragen müssten - und dies auch über Darlehen zumutbar sei.
Ohnehin werde die Gebühr an der TU von weniger als zwei Drittel der Studentenschaft bezahlt. Für die übrigen gelten Befreiuungen - zumeist aus sozialen Gründen.
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