Nachbarn ziehen Klage gegen Nackten in Garten zurück

Ein Nackter hinterm Gartenzaun hat jetzt zu einer Klage vor dem Landgericht geführt. Doch die Nachbarn, die sich durch den Anblick belästigt fühlten, zogen die Klage auf Anraten des Richters zurück.
Ein Nackter hinterm Gartenzaun hat jetzt zu einer Klage vor dem Landgericht geführt. Doch die Nachbarn, die sich durch den Anblick belästigt fühlten, zogen die Klage auf Anraten des Richters zurück.
Foto: dpa (Symbolbild)
  • Nachbar fühlte sich "schockiert" durch Nackten im Garten
  • Richter am Landgericht weist Klage zurück
  • Sauna-Freund will trotzdem wegziehen

Dortmund.. Wer eine Sauna im eigenen Garten nutzt, darf sich dort auch nackt zeigen. Das entschied am Dienstag das Landgericht Dortmund in einem Zivilrechtsstreit. Es wies damit die Klage eines Rentners aus dem Dortmunder Stadtteil Barop ab, der sich durch den nackten Anblick seines 42 Jahre alten Nachbarn in einer Reihenhaussiedlung regelmäßig “schockiert” fühlte. Die Argumentation von Richter Marc Bünnecke in der Hauptverhandlung veranlasste den Rentner, seine Klage vor einem Urteil zurückzuziehen.

Die nackten Tatsachen beschäftigen die Justiz nicht zum ersten Mal. Der Richter erinnerte daran, dass sich in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts schon das Reichsgericht damit auseinandersetzte, auch der Bundesgerichtshof hatte den Nackten 1965 und 1985 die Erlaubnis erteilt, die Kleidung abzulegen. Nur in “krassen Ausnahmefällen” könne das Nacktsein auf eigenem Grund und Boden untersagt werden, etwa wenn sie mit sittlicher oder sexueller Belästigung verbunden sei.

Nachbarn hatten in erster Instanz gewonnen

In erster Instanz vor dem Amtsgericht Dortmund war es dem Rentner gelungen, sich als Opfer seines saunierenden Nachbarn darzustellen. Er hatte vorgetragen, dass der 42-Jährige, ein Familienvater, mehrmals wöchentlich mit Freunden die im hinteren Teil des Garten stehende Sauna aufsuche und sich in “aufreizender Pose” nackt präsentiere. Nach der Vernehmung mehrerer Zeugen blieb zwar nur ein Punkt übrig, das Amtsgericht verbot dennoch das Ablegen der Kleidung.

Dafür hatte jetzt das Landgericht in der Berufungsverhandlung wenig Verständnis. Richter Bünnecke und seine Richterkolleginnen störten sich schon daran, dass der nackte Nachbar lediglich von einem Fenster im Obergeschoss und von einem bestimmten Winkel aus durch das Küchenfenster gesehen werden konnte. Nur dann gelinge nämlich der Blick durch die ansonsten sehr dichte Hecke zwischen den Grundstücken.

Ist ein nackter Mensch objektiv schockierend?

Das Gericht hegte auch Zweifel, ob der Anblick eines nackten Menschen objektiv schockierend wirke. Dass dieser Zustand als ”ideelle Immission”, also eine Art optische Luftverschmutzung, bezeichnet wurde, lehnte der Richter ab: “Das finde ich nicht in Ordnung.”

Der Rentner versuchte noch einmal, das Treiben in Nachbars Garten als besonders schlimm zu schildern: “Die trinken in der Sauna und nachher urinieren sie im Garten. Ich habe schon meine Blaubeere mit einer Folie schützen müssen.” Zustimmung fand er nicht. “Dass es so war, haben Sie nicht bewiesen”, sagte der Richter. Im Übrigen sei das Urinieren im Garten das Problem Betrunkener und nicht das Problem der Nacktheit.

Beklagter will jetzt umziehen

So eindeutig fielen die Hinweise des Gerichtes aus, dass der Rentner nach der Beratung mit seinem Anwalt auf ein schriftliches Urteil verzichtete und seine Klage zurückzog (Az: 1 S 13/16). Rechtsanwalt Andreas Eickhoff, der den Saunafreund vertrat, machte dem Rentner zumindest eine kleine Freude: “Mein Mandant hat sich entschieden, sein Haus zu verlassen und wegzuziehen. Er wird nicht mehr Ihr Nachbar sein.”

Locker machte es den Senior nicht. Auf die Journalistenfrage, wie alt er sei, verweigerte er die Antwort: “Sonst heißt es wieder, die alten Knacker haben immer was zu meckern.”