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Nach hohen PCB-Werten bei Envio auch auffällige Nickel-Werte im Hafen von Dortmund

27.01.2011 | 14:50 Uhr
Nach hohen PCB-Werten bei Envio auch auffällige Nickel-Werte im Hafen von Dortmund
Rottmann Foto Luftbild Das alte Hafenamt mit dem Container Terminal Dortmund am Hafen. CTD Dortmund. Schiffe, Container, Hafen, Wasser, Hafenamt. Schifffahrt.

Dortmund.Östlich des Dortmunder Hafengebietes hat das Umwelt-Landesamt NRW bei Messungen eine leicht erhöhte Nickel-Belastung im Staubniederschlag festgestellt. Vor allem Kleingartenanlagen könnten davon negativ betroffen sein. Die Messungen erfolgten für die Bezirksregierung, die nach dem PCB-Skandal rund um die Firma Envio weitere Schwermetallbelastungen überprüfen wollte.

Etwa zehn Firmen müssen bald mit Behördenbesuch rechnen. Grund: eine leicht erhöhte Nickel-Belastung im Staubniederschlag östlich des Dortmunder Hafengebietes. Das hat das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) bei Messungen festgestellt.

An den drei Messpunkten im Bereich Bülowstraße, Schäferstraße und in der Nähe des Klinikzentrums Nord liegt der Jahresmittelwert für den Untersuchungszeitraum April bis September 2010 geringfügig über dem sogenannten Immissionswert der TA Luft von 15 Mikrogramm pro Quadratmeter und Tag - und zwar bei 16, 20 bzw. 21 Mikrogramm pro Quadratmeter und Tag.

Messungen nach Schwermetallbelastung waren nach dem PCB-Skandal von der Bezirksregierung auf den Weg gebracht worden.  Ergebnis: keine erhöhten Blei-, Arsen- und Cadmiumwerte, aber Auffälligkeiten bei Nickel. „Dies ist in keiner Weise mit der PCB-Problematik zu vergleichen“, so Sprecher Jörg A. Linden.  In allen als Verursacher der Emissionen in Frage kommenden Betriebe sollen kurzfristig Fegeproben genommen werden, um die Quelle ermitteln und Maßnahmen zur Reduzierung der Nickel-Emissionen einleiten zu können. Darüber hinaus wird die Stadt Dortmund aktuell Bodenuntersuchungen in den betroffenen Bereichen durchführen.

Konsequenzen möglich für Kleingärtner

Ein jahrelanger Nickel-Eintrag könnte die Bodenqualität verschlechtern und damit Konsequenzen für den Lebensmittelanbau haben - etwa in den östlich des Hafens liegenden Kleingartenanlagen. Bei früheren Bodenuntersuchungen waren allerdings keinerlei erhöhte Nickel-Einträge festgestellt worden. Auch jetzt ist völlig offen, ob nach weiteren Messungen der  entscheidende Jahresmittelwert überschritten wird.

Video
400 Dortmunder Kleingärtner dürfen keinen Kohl mehr ernten: Er ist mit krebserregendem PCB belastet.

Die Untere Bodenschutzbehörde beim Umweltamt der Stadt hat ein Untersuchungsprogramm definiert, das sich zum einen an den Messpunkten des
LANUV selbst orientiert und zum anderen sensible Nutzungsbereiche (Kleingärten, Kinderspielflächen) im engeren und weiteren Messpunktumfeld berücksichtigt. Für eine Entnahme von Bodenproben sind danach vorgesehen: die Gartenvereine Hobertsburg, Westerholz und Hafenwiese, die Rasenfläche an der Unfallklinik, die Kindertageseinrichtungen in der Bülowstraße und in der Fliederstraße sowie die Spielflächen an der Bülowstraße und im Fredenbaumpark. Die Entnahme der Bodenproben ist für Ende Januar/Anfang Februar vorgesehen. Die Eigentümer und Nutzer der Beprobungsflächen werden zuvor informiert. Mit den Analyseergebnissen ist Ende Februar zu rechnen.

Fegeproben

Die Fegeproben zeigen sehr schnell, welche Firmen in Frage kommen. Beprobt werden Firmen aus dem Edelstahl-Bereich und dem Bereich der Schrottverwerter. Gleichzeitig werden vom LANUV die Staubniederschlagsmessungen fortgesetzt, um verlässliche Aussagen zu den Jahresmittelwerten zu bekommen. Denn: Einmalige hohe Monatswerte sind für eine Gefährdungsabschätzung, so das LANUV, ungeeignet. Und bislang liegen erst Daten für sechs Monate vor.

Angelehnt an das Untersuchungsspektrum des LANUV werden die Stoffe Arsen, Cadmium, Blei und Nickel im Boden untersucht. Um den möglichen Einfluss des Staubniederschlags feststellen zu können, werden Bodenmischproben für die Horizonte 0 bis 10 Zentimeter bei Rasenflächen und 0 bis 30 Zentimeter bei Gartenflächen mit Nutzpflanzenanbau berücksichtigt. Aus dem Bodenmaterial von insgesamt 15 bis 25 Einstichen wird je eine Mischprobe gebildet. Insgesamt ergeben sich 36 Mischproben, die analysiert werden.

Bollermann will schnell Klarheit

„Wir wollen so zügig wie möglich Klarheit. Klarheit über die Verursacher der Nickel-Belastung und Klarheit über die Frage, ob Bodenbelastungen zu befürchten sind. Und es ist selbstverständlich: Alles, was an Maßnahmen notwendig ist, um Mensch und Umwelt zu schützen, wird getan. Und zwar schnell“, so Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann.

Frank Bußmann, Steffen Gerber

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Kommentare
28.01.2011
00:26
Nach hohen PCB-Werten bei Envio auch auffällige Nickel-Werte im Hafen von Dortmund
von vaikl | #1

Wichtiger als Staubniederschlagsmessungen wären Feinstaub-Analysen der Luft, da die relativ großen Nickel-Staubpartikel, die in geringem Abstand zur Immissionsquelle zu Boden sinken, nicht so gefährlich sind wie die weit kleineren Feinstaub-Partikel.

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