Nach dem Schnee ist vor dem Schnee
13.01.2011 | 12:55 Uhr 2011-01-13T12:55:00+0100
Dortmund.Gestern das für unsere Breiten so typische Schmuddelwetter, morgen schon frühlingshafte Temperaturen: Ganz gleich, welche Kapriolen das Wetter noch schlägt - Schnee darf nicht mehr fallen. Denn von den hochalpinen Verhältnissen der vergangenen sechs Wochen haben die meisten Menschen die Nase voll.
Doch ob uns Väterchen Frost diesen Gefallen erweist, darf bezweifelt werden. Schneefall bis Mitte März ist schließlich keine Seltenheit in dieser Region.
Sicher dagegen ist: Der gerade hinter uns liegende Winterauftakt hat tiefe Spuren der Unzufriedenheit bei vielen Bürgern hinterlassen, besonders mit dem Winterdienst der EDG. Zwar waren die Räum- und Streuwagen der Stadttochter teilweise rund um die Uhr im Einsatz. Auch wurden mittlerweile die Mülltonnen wieder geleert. Trotzdem verwandelten Schnee und Eis viele Wohngegenden regelrecht zur „No-Go-Area“.
Großen Anteil daran trägt allerdings auch der Umstand, dass uns die Umwelt inzwischen lieb und teuer ist. Denn der von der Dortmunder Politik vor 20 Jahren abgenickte „ökologische Winterdienst“ regelt eindeutig, dass 677 Dortmunder Straßenkilometer aus ökologischen Gründen nicht gestreut werden. Betroffen von dieser Winterdienststufe 3: Sackgassen, Stichstraßen, Straßen ohne Durchgangs- und ohne öffentlichen Nahverkehr; wenn man so will: die klassischen Wohngegenden potenzieller Wutbürger. Vor Einführung des Öko-Streudienstes wurde auch hier geräumt, weiß EDG-Sprecher Matthias Kienitz zu berichten. Doch wer das Rad der Zeit zurückdrehen möchte, der müsse, so der EDG-Sprecher, auch bereit sein, den Preis dafür zu bezahlen. Und der müsste gleich doppelt berappt werden: 1. ökologisch, weil früher dreimal so viel Salz gestreut wurde wie heute. Die Folge: Viele Grünanlagen waren anschließend im Eimer und das Abwasser mit den Salzrückständen belastet. 2. ökonomisch, weil die Streuung auch der Stufe-3-Straßen nach aktuellen Berechnungen der EDG mit rund zwei Millionen Euro zu Buche schlagen würde. Die Folge: empfindliche Aufschläge bei den Winterdienstgebühren.
Doch des Bürgers Bequemlichkeit gegen die Umwelt ausspielen, bei dieser schlichten Formel will es die EDG nicht belassen. „Wir erarbeiten derzeit Konzepte, wie man den Winterdienst optimieren kann“, so Kientiz. Nachgebessert werden könne etwa bei der Organisation des Dienstes und auch bei der Information der Bürger, beispielsweise in der Frage, wann welche Straße geräumt werden soll. Auch über den Fuhrpark denkt man nach. So könnten einige der 40 multifunktionalen Räum- und Reinigungsfahrzeuge nach und nach durch kleinere Modelle ersetzt werden, die besser durch schmale Nebenstraßen passen. Spezialfahrzeuge für den Winterdienst seien dagegen „wirtschaftlich überhaupt nicht vertretbar.“ Ebenso eine jetzt wieder öfter geforderte Personalaufstockung bei Schnee und Eis.
Ohnehin dürfte der Winterdienst teurer werden. Schon jetzt schiebt die EDG-Mannschaft mehr Einsatztage vor sich her als im auch nicht gerade schneearmen letzten Winter - mit Auswirkungen auf die nächste Gebührenberechnung. Einziger Trost: Die kommt erst 2012 zum Tragen.
Inzwischen hat die Diskussion über mögliche Konsequenzen aus dem Winterchaos auch die Politik auf den Plan gerufen. Die CDU will einen umfangreichen Antrag zum Winterdienst in die nächste Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses einbringen und fordert von der EDG eine Optimierung des Winterdienstes. Unter anderem möchte die Union die Einteilung der Straßen in die drei Winterdienststufen auf den Prüfstand stellen. Auch sei die Räumpflicht an Bushaltestellen, die überwiegend in der Verantwortung der Anwohner liegt, zu überdenken. Der Ausschuss tagt am 2. Februar.
13:47
Die Frage ist doch nicht, ob mehr gestreut werden muss. Eher die, ob es wirklich sein muss die Hauptstraßen bis auf den Asphalt zu räumen und die kleineren Straßen dadurch unpassierbar zu machen, dass dort der Schnee nicht nur nicht geräumt, sondern durch die Anwohner selbst beim Schneeräumen der Gehwege noch zusätzlich auf die Fahrbahn geworfen wird, so dass manche Gebiete in Dortmund nicht mal mehr mit Schneeketten befahren werden konnten und man allerhöchstens noch mit einem Geländewagen mit Allradantrieb durch kam.
Da wo die Leute Schnee gewohnt sind wirft niemand zusätzlichen Schnee auf die Fahrbahn, werden fast alle Straßen vom Winterdienst bis auf eine mit Schneeketten befahrbare Schneeschicht befahrbar gemacht damit man dann eben überall mit Schneeketten fahren kann. In den Wohnsiedlungen Schneeketten aufziehen und dann auf der nächsten Kreuzung stehen bleiben um die Dinger wieder runterzumachen geht ja nicht. Da wo die Leute mit Schnee umgehen können sieht man ständig, dass notfalls der Schnee mit Baggern um die Ecke gefahren wird, wenn gar nichts mehr geht in kleinen Straßen. Die schaffen es komischerweise sogar, dass keiner wie in Dortmund kreuzundquer parken muss. Soll doch die EDG mal im Hochsauerlandkreis zur Fortbildung gehen.