Das aktuelle Wetter Dortmund 19°C
Musikschulen

Musikschulen protestieren gegen Steuerpläne

22.08.2012 | 05:00 Uhr
Musikschulen protestieren gegen Steuerpläne
Private Musikschulen sollen künftig Umsatzsteuer zahlen. Foto: dapd

Dortmund.  Wo spielt die Musik? Zurzeit in Berlin. Das Protest-Orchester sorgt dort aber eher für Dissonanzen und bläst jetzt gegen die Steuerpläne des Finanzministers Sturm. Hintergrund: Private Musik-, Ballett-, Tanzschulen sollen künftig Umsatzsteuer zahlen.

Wo spielt die Musik? Zurzeit in Berlin. Das Protest-Orchester sorgt dort aber eher für Dissonanzen und bläst jetzt gegen die Steuerpläne des Finanzministers Sturm. Hintergrund: Private Musik-, Ballett-, Tanzschulen sollen künftig Umsatzsteuer zahlen.

19 Prozent: Existenz bedrohend

Was Musik in den Ohren der Finanzbehörde zu sein scheint, ist für die Betroffenen ein Paukenschlag. „Das ist absolut Existenz bedrohend“, sagt Klaus Neuhaus – „und fast hätte das niemand mitbekommen“. Der Dortmunder Musikschulinhaber ist Mitglied im Bundesverband der privaten Musikschulen. Und der unternimmt gerade alle Anstrengungen, diesen Bestandteil aus dem Jahressteuergesetzes 2013 zu löschen. Allein im Verband sind rund 300 private Musikschulen mit an die 110.000 Schülern organisiert – „aber es gibt natürlich daneben noch viel mehr“, sagt Neuhaus. – Die das Gesetz, das die erste Lesung bereits passiert hat, letztlich betrifft.

Eine Beitragserhöhung um 19 Prozent? Das, finden die Privaten, wäre eine absolute Wettbewerbsverzerrung gerade gegenüber den kommunalen Einrichtungen, die von der Umsatzsteuerpflicht befreit sind. Und dass die Musikschulbetreiber die Erhöhung weitergeben müssten? „Unser Stundenlohn liegt unter der Hälfte dessen, was ein Klempner verdient“, klagt Neuhaus, dessen Schule mit über 30 Kitas und Familienzentren kooperiert. Seine Kollegen und er wären übrigens nicht allein betroffen: Nach den Plänen des Finanzministers sind Kurse zur Freizeitgestaltung – von Makramee bis Töpfern – generell steuerpflichtig. Umsatzsteuer soll ebenfalls anfallen bei Bildungsangeboten, die auch der Freizeitgestaltung dienen.

Wettbewerbsverzerrung

Bei Musik- und Tanzkursen war die Abgrenzung bislang schwierig: Sie könnten ja auch als Vorbereitung auf einen künstlerischen Beruf dienen, war die Rechtsauffassung. Künftig sollen allerdings Musik- und Tanzschulen nur dann von der 19 Prozent-Steuerhürde befreit sein, wenn sie zum Beispiel kommunal organisiert sind und keine Gewinne erzielen. Andere Schulen müssen Umsatzsteuer entrichten.

Ein Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz, klagt der Verband der Privatmusikschulen. Es hagelt Protestbriefe gegen das Vorhaben, das im Oktober entschieden werden soll. Die Gegner setzen auf den Bundesrat und bringen zurzeit den einzelnen Bundes-Politikern die Flötentöne bei. Motto: wer die Musik bestellt, der muss sie auch bezahlen...

Von Anja Schröder


Kommentare
23.08.2012
03:41
Musikschulen protestieren gegen Steuerpläne
von vaikl2 | #5

Die privaten Musikschulen haben bislang - angelehnt an den völlig primitiven DSDS-Hype - fürstlich von der USt-Befreiung profitiert und sich ohne kommunalen Auftrag die Taschen voll gemacht. Das kann auch ein Klaus Neuhaus nicht leugnen, der sein privates Angebot speziell für Ganztagsschulen ausrichtet und über Honorare nur "auf Anfrage" Auskunft geben möchte.

Genauer formuliert: die privaten Musikschulen operieren bis dato auf dem Niveau von Schwarzmalochern im Handwerk, obwohl sie alle Infrastruktur-Leistungen der Kommunen wie selbstverständlich nutzen möchten.

22.08.2012
21:13
Musikschulen protestieren gegen Steuerpläne
von xxyz | #4

Es ist schon lustig, welches Chaos es bei der Umsatzsteuer gibt. Da wird es dringend Zeit für eine Harmonisierung.

22.08.2012
14:11
Ist doch ganz einfach
von nike8 | #3

Quatsch, alles Steuerflüchtlinge hier: Die 19 Prozent sind völlig gerechtfertigt und sollten natürlich auch bei kommunalen Musikschulen erhoben werden.

Übrigens aus dann, wenn auf das Entgelt (wie bei JeKi) verzichtet wird. Dann wird eben ein fiktives Entgelt als Bemessungsgrundlage gewählt und hiervon die von der Musikschule abzuführende Umsatzsteuer errechnet.

So einfach ist das.

22.08.2012
10:26
Musikschulen protestieren gegen Steuerpläne
von fumarmata | #2

Für Griechenland! Wir haben es doch ...

22.08.2012
08:24
Musikschulen protestieren gegen Steuerpläne
von foxtrott | #1

Das ist das bundesdeutsche Kultur-und Bildungsprogramm der Bundesregierung, lächerlich.

Aus dem Ressort
BVB-Ultras erhalten Dauerkarten zurück
Strafe abgelaufen
Die Ultra-Fans von Borussia Dortmund haben ihre Strafe offenbar verbüßt: Der Verein gibt seinen treuesten Fans fast neun Monate nach dem Entzug ihre Auswärtsdauerkarten zurück.
Derby-Randale - BVB gibt Ultras Auswärtskarten zurück
BVB-Ultras
Die Dortmunder Ultras bekommen ihre Auswärtsdauerkarten zurück — weniger als ein Jahr nach der Strafe. Den rund 500 BVB-Fans waren die Tickets entzogen worden, weil sie beim Auswärts-Derby auf Schalke randaliert hatten. Es sollte eine Strafe auf "unbestimmte Zeit" sein.
Hund fast verhungert - so abgemagert ist Collie DJ
Schlimme Bilder
Völlig vernachlässigt und fast verhungert: Vor einigen Tagen retteten Anwohner einen völlig vernachlässigten Hund aus einer Wohnung in Asseln. Jetzt zeigen schlimme Bilder der Tierschutzorganisation Arche 90, wie abgemagert der Collie DJ war.
Bauarbeiten am Bahnhof - das müssen Reisende wissen
Neue Weichen für Dortmund
16 neue Weichen, 4000 Schwellen und 3500 Tonnen Schotter - in den kommenden Wochen rücken Baumaschinen der Bahn am Dortmunder Hauptbahnhof an. Wir erklären, welche Züge ausfallen und was Reisende jetzt wissen müssen.
CDU-Politikerin Horitzky: Trete nicht zurück
Kopftuch-Streit
Sie will keine Kopftücher mehr in der Dortmunder Nordstadt sehen und steht deshalb stark in der Kritik: CDU-Politikerin Gerda Horitzky. Trotz scharfer Angriffe denkt Horitzky im Kopftuch-Streit nicht an Rücktritt.
Fotos und Videos
Fünf Einbrüche in die Anne-Frank-Gesamtschule
Bildgalerie
Fotostrecke