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Interview Stomp

Musik weckt meine Fantasie

14.12.2012 | 17:52 Uhr
Musik weckt meine Fantasie
Mit der neuen Nummer „Einkaufswagen“ kommt Stomp nach Dortmund.Foto: Steve McNicholas

Seit „Stomp“ 1991 beim Edinburgh Festival Fringe entdeckt wurde, feiert die von Luke Cresswell und Steve McNicholas entwickelte Show weltweit Erfolge. Vom 2. bis 6. Januar 2013 gastiert die Show im Konzerthaus Dortmund. Andreas Winkelsträter sprach mit Steve McNicholas über Stomp.

Seit „Stomp“ 1991 beim Edinburgh Festival Fringe entdeckt wurde, feiert die von Luke Cresswell und Steve McNicholas entwickelte Show weltweit Erfolge. Mittlerweile sind über 100 „stompende“ Klangwerker mit dem furiosen, originellsten und witzigsten Rhythmusspektakel der Erde auf Tournee. 48 Länder auf fünf Kontinenten haben sie bereits erobert. Vor dem Gastspiel im Konzerthaus Dortmund (2. - 6. Januar 2013) sprach Andreas Winkelsträter mit einem der Väter von Stomp, Steve McNicholas (57).

Können Sie sich ein Leben ganz ohne Rhythmus, ohne Klang, ohne Zischen und Klicken überhaupt vorstellen?

Steve McNicholas: Das ist nur sehr schwer vorstellbar. Ein Leben ohne Rhythmus. Genauso schwer kann ich mir allerdings ein Leben und Arbeit ohne meinen Partner Luke Cresswell vorstellen. Eigentlich ist er es, der ständig trommelt, schnippt und alles, aus allem was ihm in die Finger kommt, Musik macht. Bei mir ist es wie bei Menschen, die in die Wolken gucken und Gesichter erkennen. Wenn ich Musik höre, einen Klang, dann ergreift der mich, weckt meine Fantasie und ich will damit arbeiten.

Über zwanzig Jahre ist es her, dass Stomp geboren wurde. Denke Sie noch häufig an die Anfänge zurück?

(lacht) Ja, denn ich werde älter. Und da sitzt man immer häufiger bei einem Glas Wein und denkt: „Ich kann das alles nicht glauben, das da passiert ist.“ Wir haben es damals gemacht ohne eine Erwartung, wussten nicht, wo das alles hinführen wird. Wir haben die Show kreiert, weil es von unseren herzen kam. Und nicht weil wir eine große Show machen wollten, die die Welt für zwanzig Jahre rockt. Wir wollten eine Show, die wir lieben, die das Publikum liebt und in der wir es lieben, ein großer Teil zu sein. Zwei, drei Jahre sollte es dauern. Und dann nahm das Leben einen völlig anderen Verlauf (lacht).

Acht Shows im Konzerthaus

„Stomp“ gastiert vom 2. bis 6. Januar kommenden Jahres im Konzerthaus Dortmund.

Die Termine: 2. und 3. Januar, jeweils 20 Uhr, 4. und 5. Januar, jeweils 16 und 20 Uhr, sowie am 6. Januar, 15 und 19 Uhr.

Eintrittskarten kosten von ab 26,50 bis 61,50 Euro (zzgl. Gebühren).

Weitere Informationen zu der neuen Show gibt es unter www.stomp.de sowie unter www.bb-promotion.de

Erinnern Sie sich noch an den Moment, in dem alles losging?

Natürlich. Die einzelnen Mosaiksteinchen waren da. Luke sagte mir lange vor dem Start: „Ich will eine Show mit dem Namen Stomp“. Er hatte die Idee für den Titel weit vor dem eigentlichen Beginn. Erst danach haben wir die einzelnen Teile gesammelt für die Show, die wir hinterher Stomp genannt haben.

Es war das Edingburgh Festival 1989. Und ich war genauso enttäuscht wie Luke. Es war nur Standup Comedy. Immer nur einer allein auf der Bühne. Und ich sagte zu Luke: Wir sollten mal eine Show nach Edinburgh bringen. „Ja“, sagte er. „Let’s Stomp!“ 1991 war es soweit.

Abschluss der Olympischen Spiele

In diesem Jahr war Stomp Teil der Abschluss-Zeremonie der Olympischen Spiele. War das der emotionalste und beeindruckendste Auftritt mit Stomp?

Ja, wenn man jetzt so darüber nachdenkt. Es gab viele sehr bewegende Shows und Auftritte. Aber London war einer. Schon zwei Jahre vor den Olympischen Spielen hat uns das Olympische Komitee gesagt: „Wir haben euch auf dem Radar“. Wir sollten keine Engagements annehmen während der Zeit der Olympischen Spiele in London. Neun Monate vorher kam dann das OK.

Und Sie hatten neun Monate Zeit, Stomp für die Olympischen Spiele zu entwickeln.

Vor allem hatten wir neun Monate, in denen wir das Geheimnis hüten mussten. Neun Monate Planungszeit, viele Treffen. Unser Büro arbeitet sehr hart. Viele technische Details. Sicherheitsfragen, denn wir waren mit 40 Leuten eine sehr große Gruppe. Alles war Topsecret und Topsicher. Und das alles für zweieinhalb Minuten.

Viele werden denken, dass das der größte Erfolg für Stomp war. Woher nehmen Sie die Power weiter kreativ zu arbeiten?

Luke und ich halten uns selbst immer auf Trab. Wir hören nicht auf. Stomp ist nicht alles. Wir haben ein Orchester. Wir machen iMax-Filme, Unterwasser-Filme. Die Abschlussfeier war am 12. September, am 13. September haben wir in den USA einen Film über einen Wissenschaftler gedreht, der weiße Haie gefangen hat für Untersuchungen. Die Olympiade war zu ende. Am nächsten Morgen war ich auf einem Boot in Los Angeles, um Haie zu filmen. Von da ging’s mit Luke nach Barcelona, um an neuen Elementen für Stomp zu arbeiten.

Stomp ist nun über zwanzig Jahre alt. Wie haben sie es geschafft, die Show so frisch auf der Höhe der Zeit zu halten?

Da gibt es zwei Gründe. Der Cast hält die Show frisch. Es ist der Cast, der sich am besten motivieren kann von allen Shows auf der Welt. Wenn jemand zu Stomp kommt, dann geht er mit ungeheuer großer Leidenschaft ans Werk. Er ist tief verwurzelt mit der Show, bringt seinen eigenen Charakter mit in die Show ein, seine eigenen Kostüme. Wenn sie Showfotos angucken über die zwanzig Jahre, dann sehen Sie, dass sich die Show ständig entwickelt, ein dynamischer Prozess. Ein neues Mitglied ist gleich bedeutend mit neuen Ideen. Auch wenn die Show sehr durchchoreographiert ist, ist immer viel Platz für Kreativität, für eigene Soli, eigene .....Und zum anderen gucken wir ständig auf die Show. Nach ein paar Jahren müssen wir immer wieder komplette Teile auswechseln, neue Ideen einbringen oder an einigen Elementen nachjustieren. Theater muss atmen, muss lebendig bleiben, anders als Filme. Und das versuchen wir.

Die Wurzeln sind Musik und Rhythmus

Sie haben mittlerweile Stompers aus aller Welt. Gibt es da Unterschiede je nach Land?

Ja, definitiv. Viele meinen Stomp sei eine Tanzshow. Wir nicht. Die Wurzeln sind für uns Musik und Rhythmus. Jeder soll sich natürlich bewegen, in seinem eigenen Stil. So bringt jeder etwas von seiner Kultur, seinem Humor, seiner Art sich zu bewegen, seinem Charisma oder auch seinem Lebensumfeld mit ein. Da gibt es große Unterschiede zwischen einem Menschen aus Neuseeland und einem aus Brooklyn.

Was benötigen Sie überhaupt für Stomp: Tänzer, Musiker, Trommler, Schauspieler?

Wenn wir Castings haben, dann sagen wir immer Rhythmus und Humor.

Das Rezept klingt sehr einfach.

Ja, das ist es. Natürlich muss der Bewerber eine sehr gute Koordinationsfähigkeit haben. Wenn Sie jemand haben, der sehr gut mit einen Händen umgehen kann, aber nicht mit seinen Füßen, dann passt das nicht. Haben Sie aber einen fantastischen Schlagzeuger, dann kann er Hände und Füße hervorragend koordinieren. dann passt das für uns. Ein Tänzer demgegenüber kann hervorragend mit seinen beinen arbeiten, vielleicht aber nicht mit seinen Händen. Dann passt das wieder nicht für uns. Jeder kann kommen, Stepptänzer, Comedian, Musiker, Sänger. Wir müssen in den Auditions und Workshops sehen, wie er Hände, Füße und Kopf in Einklang bringt. Schafft er oder sie das, dann sind sie Stomper.

Ideen stammen aus dem Alltag

Woher bekommen Sie die Ideen für die einzelnen Nummern.

Aus dem Alltagsleben. Von der Straße, aus einem Laden. Du siehst einen Menschen über die Straße schlendern - und schon hast Du wieder eine Idee. Du hörst einen Sound, und schon ist wieder eine Idee geboren. Etwa die Nummer mit einem Einkaufswagen, die wir in Dortmund erstmals zeigen werden. Jeder kennt sie aus den Supermärkten. Und ich habe gedacht: Damit müssen wir was machen. Für unsere Filme haben wir eine große Choreographie mit Einkaufswagen gemacht. Und da haben wir gedacht: Das müssen wir auch auf die Bühne bringen.

Neben den Einkaufswagen gibt es noch eine zweite neue Nummer: Die Frösche...

Die Frösche sind ein bisschen bizarr. Ich war mit unseren Sounddesigner Mike Roberts unterwegs und suchten nach Neuem, das in der Show funktionieren könnte. Der Sound kommt aus Installationsarmaturen aus dem Badezimmer. Ein Verbindungsstück von der Toilette, biegsam, eine Art Rohr. Und wenn man das Rohr biegt, dann macht es ein Geräusch wie ein riesiger Frosch. Und schon sind wir los und haben die unterschiedlichsten Rohre gesucht, unterschiedlich lang, dick. Und so haben wir höhe Töne, ganz tiefe. Und daraus ist dann die Nummer „Frösche“ entstanden. Und wenn Sie die Augen zu machen, dann klingt das, als wären sie im Dschungel. Sehr bizarr.

Andreas Winkelsträter



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