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Landgericht

Mordprozess wird durchgezogen

25.09.2012 | 18:28 Uhr
Mordprozess wird durchgezogen
Zum Auftakt des Prozesses verschanzte sich der Angeklagte hinter einem Aktendeckel.Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.   Im Mordprozess um den gewaltsamen Tod der Musikkritikerin Dr. Sonja Müller-Eisold hat das Schwurgericht erklärt, das Verfahren bis Mitte November beenden zu wollen. Die Gefahr einer Aussetzung des Prozesses wegen einer mehrwöchigen Fernreise eines Schöffens scheint somit nicht mehr gegeben.

Im Mordprozess um den Tod der Musikkritikerin Dr. Sonja Müller-Eisold erklärte der Schwurgerichtsvorsitzende Wolfgang Meyer gestern. „Wir haben uns entschieden, das Verfahren bis zum 16. November zu Ende zu bringen.“ Damit scheint sicher, dass der Prozess nicht ausgesetzt und später noch einmal ganz von vorn aufgerollt werden muss.

Und das war am letzten Verhandlungstag am 4. September noch nicht klar: An jenem Tag hatte das Schwurgericht erfahren, dass ein Schöffe am 17. November eine mehrwöchige Fernreise gebucht hatte, und zwar bis zum 3. Januar. So lange darf ein Verfahren jedoch laut Strafprozessordnung nicht ruhen.

Sechs weitere Verhandlungstage geplant

Bei einer Aussetzung des Verfahrens hätte das Oberlandesgericht darüber entscheiden müssen, ob eine weiter andauernde U-Haft des Angeklagten überhaupt rechtmäßig ist – man hätte vielleicht einen mutmaßlichen Mörder in die Freiheit entlassen müssen. Fragen, die sich nicht stellen, wenn der Prozess vor der Abfahrt des Schöffen beendet wird. Bis zum 16. November sind noch sechs Verhandlungstage vorgesehen.

Opfer starb an Herzversagen

An einem wird eine Erklärung des angeklagten Unternehmensberaters und promovierten Philosophen Dr. Martin B. erwartet. Laut Anklage hat er die 80-jährige Musikkritikerin am 25. Oktober 2011 in ihrem Bungalow in Löttringhausen aufgesucht und um Geld gebeten. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, hat er sie möglicherweise aus kürzester Distanz mit dem Kolben einer Armbrust beschossen . Die anerkannte Wagner-Spezialistin starb etwa eine halbe bis zwei Stunden nach diesem Angriff an Herzversagen – sie wurde, so hält es der Rechtsmediziner Dr. Ralf Zweihoff für möglich, durch die furchtbare Attacke zu Tode erschreckt.

Gestern sagten neben der Haushaltshilfe, die noch einen Tag zuvor mit Dr. Müller-Eisold zu Mittag aß – „Sie hatte sich noch so auf ihre Enkelin gefreut“ – auch eine Bankangestellte als Zeugin aus. Sie war es, die der Polizei damals eine Aufstellung darüber gegeben hatte, wo und wann nach dem Tode der Kritikerin Geld abgehoben wurde. Das erste Mal am Abend der Tat, das letzte Mal am 4. November, insgesamt 2900 Euro. Laut Staatsanwaltschaft war es Dr. Martin B. , der mit der zuvor gestohlenen Scheckkarte das Geld abnahm – was er leugnet. Der Prozess geht am 9. Oktober weiter.

Kathrin Melliwa



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