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Mordfall erschüttert Nachbarschaft

11.07.2012 | 17:41 Uhr
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Mordfall erschüttert Nachbarschaft
Der Angeklagte Dr, Martin B. auf der Anklagebank des Schwurgerichtes

Dortmund.   Sie alle können nicht begreifen, was am 25. Oktober letzten Jahres in ihrer Straße, vor ihrer Haustür geschah. Im Prozess um den gewaltsamen Tod der Musikkritikerin Dr. Sonja Müller-Eisold sagten am 11. Juli Nachbarn als Zeugen aus. Einem Bekannten der 80-Jährigen aus der Kulturszene wird Mord aus Habgier vorgeworfen.

Er kannte sie beide. Das Opfer Dr. Sonja Müller-Eisold und den Angeklagten Dr. Martin B . Die wiederum kannten sich untereinander. Was am Abend des 25. Oktober 2011 in dem Haus der Musikkritikerin passierte, das kann der Vorsitzende des Vereins „Dortmunder Kulturbühne“ bis heute einfach nicht begreifen. So etwas geschieht in Krimis, im Fernsehen, aber doch nicht nebenan...

Im Prozess um den gewaltsamen Tod der 80-Jährigen, die laut Anklage an jenem Abend mit einem spitzen Gegenstand am Bauch verletzt wurde und dann an Herzversagen starb, hatten gestern Zeugen aus der Nachbarschaft das Wort. Was den 76-Jährigen Vereinsvorsitzenden zutiefst erschüttert: Jener Mann, mit dem er einst im Vorstand seines Vereins fachsimpelte, der seine Doktorarbeit in Philosophie schrieb und ein Buch über Ethik herausgab, dieser Mann soll aus Habgier seine Nachbarin ermordet und um 2900 Euro beraubt haben.

„Ich habe gedacht, er ist ein Christ“

Seine „hoch geschätzte“ Nachbarin, mit der ihn ein „herzliches Verhältnis“ verband, die er häufig besuchte, um ihr auf dem Flügel vorzuspielen. Es sind zwei Sätze am Ende einer etwas schwierigen Zeugenvernehmung, die die Verzweiflung, Erschütterung und tiefe Trauer des Seniors ausdrücken: „Ich habe gedacht, er ist ein Christ, und dann passiert so etwas.“ Der Mann rauft sich seine schlohweißen Haare. „Ich bin fertig mit den Nerven. Jeden Tag, jeden Tag sehe ich dieses leere Haus.“ Seine Stimme wird dünn – und in dem großen Schwurgerichtssaal ist es plötzlich still.

Kennengelernt hatte er den Angeklagten beim Singen im „Collegium Vocale“ , wie der Zeuge erzählt. „Ich hielt ihn für einen cleveren Menschen, er passte zu uns.“ Passte als Diplom-Kaufmann in das Konzept des Vereins, Menschen aus der Wirtschaft mit Kulturschaffenden zusammenzubringen. Doch der Angeklagte habe etwas anderes gewollt, ereiferte sich der 76-Jährige: „Er nahm Kontakt zu Firmen auf, um damit Geld zu verdienen.“

Wagen des Angeklagten parkte am Tatabend in der Straße

Der Angeklagte, der die Tat bestreitet, hört der wortreichen Aussage amüsiert zu. Was sich ändert, als die Sprache auf seine Familie kommt. „Er hat eine wunderbare Frau, hat zwei tolle Töchter, von denen er schon länger getrennt lebt.“ Und der Angeklagte muss zeitweise in desolaten finanziellen Verhältnissen gelebt haben – die Musikkritikerin lieh ihm nach Aussage des Zeugen Geld. „Mir hat sie nur von 50 Euro erzählt, die sie wohl auch wiederbekommen hat.“

Am Tatabend, gegen 18.45 Uhr, wollte ein anderer Nachbar seine Schwiegermutter nach Hause fahren. Dabei fiel ihm ein parkender Wagen auf. „Ich hatte einfach ein komisches Gefühl, da saß ein Mann drin, schrieb etwas auf.“ An der nächsten Kreuzung rief er seine Frau an, sie sollte sich mal die Autonummer notieren und den Hund in den Garten lassen. Die Frau tat, was ihr gesagt wurde. Die Hündin, ein Schäferhund-Labrador-Mix, lief in den Garten und bellte später wie verrückt am Gartentor. „Sr wollte gar nicht wieder herein, das war schon merkwürdig, so kenne ich sie gar nicht.“ Das Auto gehörte, wie sich zwei Wochen später herausstellte, Dr. Martin B. Der Prozess geht Ende Juli weiter.

Kathrin Melliwa

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