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WR-Reihe „Live-Medizin“

Mit Strom gegen das Vorhofflimmern

08.09.2011 | 16:49 Uhr
Mit Strom gegen das Vorhofflimmern
WR-Medizintalk "Live-Medizin" zum Thema Vorhofflimmern in Kooperation mit dem Klinikum Dortmund im Reinoldinum.Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.Bemerkenswert anschaulich, lebendig und informativ, am Ende auch im persönlichen Arztgespräch plus Untersuchung mit EKG und Ultraschall - das war „Live Medizin“, die Gesundheitsreihe unserer Zeitung, diesmal mit den Kardiologen des Klinikums Dortmund. Chefarzt Prof. Thomas Heitzer und die Elektrophysiologen Oberärztin Dr. Ute Ruprecht und Dr. Hanno Klemm erläuterten, wie sie das Vorhofflimmern durch „Ablation“ behandeln.

Ablation - das ist das Veröden der bösen Lungenvene, die störende Reize zum Vorhof des Herzens schickt. 300, 400, 500 Mal. Das Herz, das sich in Ruhe 60 Mal und bei Belastung bis zu 200 Mal zusammenziehen kann, um Blut und damit Sauerstoff in den ganzen Körper zu pumpen, schafft die rasende Frequenz nicht. Nur ein Flimmern eben. Das löst bei Patienten Angst und Unruhe aus, wie die 230 Besucher von Live-Medizin im Reinoldinum bestätigten.

Viele haben schon alles Mögliche probiert. Aber auch die Medikamente wie Marcumar und andere helfen nicht immer dauerhaft, wie Dr. Ute Ruprecht berichtete. Andere Medikamente haben schwere Nebenwirkungen und sind keine Dauerlösung.

Chronische Fälle von Vorhofflimmern führen zu Leistungsverlust und schließlich zur Schlaganfallgefahr, wenn Blutgerinsel aus dem Herzen ins Hirn gespült werden.

Das Klinikum setzt auf das Veröden der Lungenvene. Ein Eingriff, der seit 14 Jahren gemacht wird - ohne großen Schnitt durch die Leistenvene erfolgt. Mit Strom wird das Störfeld der Lungenvene verödet, sodass keine Impulse mehr im Vorhof des Herzens ankommen.

Das funktioniere immerhin in 80 Prozent der Eingriffe, berichtete Dr. Hanno Klemm. Er setzt auf das sogenannte Mapping, ein Verorten des Katheters mit Computerhilfe, weil jede Lungenvene anders aussieht. Jeder vierte bis fünfte Patient müsse aber noch einmal wiederkommen, weil sich manche Nerven erholen können und das Flimmern wieder einsetzt.

Dabei handele es sich um einen kurzen Folgeeingriff, bei dem ein „Lückenschluss“ des Verödungsringes vorgenommen werde - mit großen Vorteilen für die Patienten.

In der Fragestunde interviewten die Zuhörer die Mediziner zum Elektroschock. Er könne das Flimmern kurzzeitig stoppen, so Ruprecht. Dauerhafte Heilung sei dadurch aber nicht zu erwarten.

Andere wollten die Risiken der OP hören. Klemm nannte das Nachbluten, wenn die Patienten Marcumar einnehmen, oder auch ein Minischlaganfall, der durch Heparin beherrschbar sei. Die Ablation beim Flimmern solle nicht auf die lange Bank geschoben werden, so der ärztliche Rat.

Schließlich hatten die Leser unserer Zeitung die Gelegenheit, vor Ort ein Ultraschallbild des Herzens oder ein EKG vornehmen zu lassen und die Befunde mit den Ärzten zu besprechen.

Gerald Nill

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