Das aktuelle Wetter Dortmund 4°C
Prozess

Mit falscher Arbeitsvermittlung 23.000 Euro ergaunert

02.08.2012 | 16:44 Uhr
Mit falscher Arbeitsvermittlung 23.000 Euro ergaunert
Foto: dapd

Dortmund.   Ein 36-jähriger Mann ist jetzt von dem Landgericht Dortmund wegen Betrugs verurteilt worden. Er hatte zum Schein zwei Firmen gegründet: ein Call-Center und eine private Arbeitsvermittlung. Indem er der Arbeitsagentur vorgaukelte, Stellen zu vermitteln, bekam er pro vermittelten Job 1000 Euro.

Die Idee zu seinem großangelegten Sozialbetrug bekam der 36-Jährige abends vor dem Fernseher. „Da hieß es, dass das Arbeitsamt Gelder an Firmen verteilt, die Jobs vermitteln.“ Er fackelte nicht lange: „Ich habe dann eben zwei Firmen gegründet. Eine, die Leute einstellt, und eine, die vermittelt.“ Natürlich nur zum Schein. Das Geld floss von allen möglichen Arbeitsagenturen – für jeden vermittelten Arbeitslosen 1000 Euro. Bis die Arbeitsagentur Erfurt 2003 Anzeige erstattete, hatte sich der Mann in fünf Monaten mindestens 23.000 Euro ergaunert. Die Anklage ging gar von 35.000 Euro aus.

Das alles ist lange her, satte neun Jahre. Am  Donnerstag schickte die 35. Große Strafkammer im Landgericht Dortmund den Betrüger für vier Jahre ins Gefängnis, das Gericht bezog dabei zwei ältere Urteile mit ein. Dass der Prozess erst jetzt stattfand, hat folgenden Grund. Bis Ende 2010 war es ihm gelungen, erst in Norddeutschland und dann in Spanien unterzutauchen. Seine Inhaftierung hat der 36-Jährige zu einer wahren Rosskur genutzt: „Ich habe da 71 Kilo abgenommen, von 144 auf 73 Kilo“, lässt der durchtrainiert aussehende Mann die erstaunten Prozessbeteiligten wissen.

„Sein Gewichtsverlust ist auch ein Zeichen für seinen Neuanfang. Er will alles tun, um seine Beziehung nicht zu gefährden, will jetzt auch für seinen Stiefsohn da sein“, sagte Rechtsanwältin Joanna Konopinska. Zuvor hatte ihr Mandant mit einem Geständnis Punkte gesammelt: Seine Vermittlungsfirma hatte damals ihren Sitz in Eving, auf den Namen seines Bruders hatte er das „Call-Invest-Center“ mit Adresse am Westfalendamm gegründet.

Hier bewarben sich vor allem Frauen – und freuten sich über ihren Vertrag. Von zu Hause aus, so hieß es, sollten sie am Telefon Ware verkaufen. Kaum hatte sich der Angeklagte die Prämie eingesteckt, wurde ihnen aus fadenscheinigen Gründen gekündigt. „Heute ist mir unbegreiflich, wie ich so etwas tun konnte“, meinte er kleinlaut. Dass sein Neubeginn nach der Haft nicht leicht sein wird, ist ihm bewusst: „Ich werde eventuell eine Umschulung innerhalb der IT-Branche machen, übers Arbeitsamt.“

Kathrin Melliwa

Facebook
 
Kommentare
05.08.2012
22:04
Mit falscher Arbeitsvermittlung 23.000 Euro ergaunert
von Groschmann | #2

Der Betrug liegt darin, das die Vermittelten gar nicht gearbeitet haben. bzw. nur für ein paar Tage. Und das Problem ist das der Mann die Arbeitslosen in eine EIGENE Scheinfirma vermittelt hat.

Wenn ein ehemaliger Mitarbeiter einer Zeitarbeitsfirma Arbeitslose vermittelt und die arbeiten dann Zb, ein Jahr ist das gar kein Problem.

04.08.2012
11:39
Mit falscher Arbeitsvermittlung 23.000 Euro ergaunert
von wahlpottler | #1

Was genau führte denn zur Verteilung wegen Betrugs? Mir ist mindestens eine weitere bundesweit tätige Zeitarbeitsfirma bekannt, die sich Bewerber ausschließlich von einem privaten Arbeitsvermittler vermitteln lässt - welcher ein Ex-Angestellter besagter Zeitarbeitsfirma ist...

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6941984/create

Stimmen Sie ab!

Die Stadt Dortmund sucht einen neuen Slogan . Was sollte Ihrer Meinung nach unbedingt in dem Wahlspruch vorkommen?

 
Fotos und Videos
Aus dem Ressort
Eingangstür bringt Frau zu Fall - Beckenbruch
Knappschaftskrankenhaus
Als Besucherin verließ sie das Knappschaftskrankenhaus, als Patientin kam sie zurück: Edelgard Simmang (77) wurde in der automatischen Eingangstür eingeklemmt - sie stürzte und erlitt einen Beckenbruch. Doch die Haftpflichtversicherung des Krankenhauses stellt sich nun taub.
Zufall verhinderte Explosion der Paket-Bombe
Prozess-Auftakt
Der Umschlag sah völlig unscheinbar aus. Neben die Empfänger-Adresse hatte der Absender mit schwarzem Stift zwei Herzen gemalt. Doch nur ein glücklicher Zufall verhinderte, dass das Paket beim Öffnen im Januar 2012 nicht explodierte. Seit Donnerstag beschäftigt der Fall das Schwurgericht.