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Museum für Kunst und Kulturgeschichte

Mit Blutholz-Tinte und Gänsekiel

18.07.2012 | 07:00 Uhr
Mit Blutholz-Tinte und Gänsekiel
Museumspädagogin Daniela Brechensbauer (l.) zeigt eine Wachstafel, Workshopleiterin Heike Grazek eine Schiefertafel und Rüdiger Wulf vom Schulmuseum ein Buch mit alter deutscher Schrift.

„Vielleicht spielt uns ja das Wetter in die Hände.“ Rüdiger Wulf, Leiter des Westfälischen Schulmuseums in Dortmund-Marten will natürlich niemanden im Regen stehen lassen. Stattdessen möchten er und seine Mitstreiterinnen Kinder ins Museum einladen. Beim Workshop „Schreiben. Schöpfen. Schöne Schriften“ können sie Papier, Tinte und Gäse-Schreibfedern herstellen.

Nachrichten im Smartphone eintippen – supermodern, oder? Ja, das Werkzeug ist modern, aber: „Teile der Schrift entstanden schon vor 2000 Jahren“, sagt Rüdiger Wulf, Leiter des Westfälischen Schulmuseums.

Zusammen mit dem Museum für Kunst und Kulturgeschichte bietet das historische Schulmuseum in Marten einen Ferienworkshop für Kinder von zehn bis zwölf Jahren an: Unter dem Titel „Schreiben. Schöpfen. Schöne Schriften“ können die Teilnehmer verschiedene Schreibwerkzeuge basteln, unterschiedliche Schrifttypen ausprobieren und lernen obendrein beide Museen kennen.

Verschiedene Schrifttypen

Die Druckschrift ist ein interessanter Kandidat: Im Zeitalter der Renaissance – vor 600 Jahren – hatten die Menschen genug von der verspielten Schrift der Gotik und bedienten sich uralter Schriftsymbole, um eine neue Schriftart zu entwerfen, die bis heute Bestand hat. Die Zeichen unserer großen Druckbuchstaben kannten sie von über 2000 Jahre alten lateinischen Inschriften, wie etwa auf römischen Gräbern. Die Vorläufer der kleinen Druckbuchstaben erkennt man sofort, wenn man sich karolingische Minuskeln – noch eine alte Schriftart – anschaut. „Daraus hat sich die ,Antiqua-Schrift’ entwickelt, in der einige Zeitungen gedruckt werden“, erklärt Wulf.

Magische Wachstafel

Doch zurück zum praktischen Teil des Workshops: „Wir werden Wachstafeln herstellen, auf denen schon die Leute im Mittelalter geschrieben haben“, erklärt Workshop-Leiterin Heike Grazek. Auf den kleinen Täfelchen konnten sich etwa Kaufleute Notizen machen, die sich nach abgeschlossenem Geschäft auch wieder löschen ließen. Wie? Mit der spitzen Seite des Griffels ritzten die Menschen Buchstaben in das Wachs, mit der flachen Seite ließ sich der weiche Untergrund wieder glätten.

Selbst gemachte Tinte

Spannend wird es, wenn die Teilnehmer selbst Tinte herstellen. Dafür hat Heike Grazek geraspelte Rinde vom Blutholzbaum besorgt. „Wir gießen heißes Wasser darüber und nach einiger Zeit sollte sich das Wasser blau färben“, erzählt sie. Ein bisschen skeptisch ist Grazek schon, schließlich ist die Technik uralt und das Holz sieht – ganz dem Namen entsprechend – eher rot aus. Doch der Baum wird auch Blauholzbaum genannt. Das gibt Hoffnung auf die richtige Farbe.

Von Gänse- zur Schreibfeder

Mit der selbst hergestellten Tinte können die Teilnehmer gleich schreiben – nachdem sie aus einer Gänsefeder eine Schreibfeder hergestellt haben. „Der Kiel muss am unteren Ende schräg angeschnitten werden und wird dann noch eingeritzt, damit die Tinte gut fließt“, erklärt Rüdiger Wulf.

Papier, Pergament, Papyrus

Nach Tinte und Schreibwerkzeug fehlt nun noch die richtige Unterlage: „Am vorletzten Tag werden wir Papier schöpfen“, hat sich Heike Grazek vorgenommen. Sie selbst hat es schon ausprobiert und festgestellt: „Aus Zeitungspapier kann man das prima machen. Und jeder kann sein Papier nach Wunsch mit Blüten, Gräsern oder Glitzerfolie verzieren.“ Die alten Ägypter stellten Papier aus Fasern der Papyrus-Pflanze her, die Mönche im Mittelalter schrieben auf Pergament, das aus Tierhaut hergestellt wurde.

Kreative Initiale

Am letzten Tag werden die Teilnehmer richtig kreativ. Nachdem sie so viel über Schreibwerkzeug und Schrifttypen erfahren haben, können sie die eigenen Initiale kunstvoll entwerfen und in Linoleum schnitzen. Mit der eigenen Druckvorlage können die Kinder ihr Papier verzieren und auch zum Beispiel die gotische Schnörkel-Schrift wieder aufleben lassen.

Maike Rellecke


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