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Mit Armbrust auf Musikkritikerin geschossen

22.08.2012 | 18:04 Uhr
Mit Armbrust auf Musikkritikerin geschossen
Der Angeklagte Dr. Martin B. mit seinem Verteidiger Michael BonnFoto: Ralf Rottmann

Dortmund.   Im Mordprozess um den Tod der Musikkritikerin Dr. Sonja Müller-Eisold hatten Gutachter das Wort. Demnach wurde die 80-Jährige vor ihrem Herztod mit einer Armbrust angeschossen. Eine derartige Waffe entdeckte die Polizei im Auto des Angeklagten. Auch fanden sich Fasern seines Pullis auf der Strickjacke der Toten.

Der Tod trat etwa eine halbe bis zwei Stunden nach dem Angriff ein. Ein Angriff, der die 80-jährige Musikkritikerin Dr. Sonja Müller-Eisold möglicherweise so sehr erschreckte, dass ihr Herz aufhörte zu schlagen. „Vermehrtes Ausschütten von Adrenalin kann Herzrhythmusstörungen auslösen“, sagte Rechtsmediziner Dr. Ralf Zweihoff gestern im Mordprozess. Was die hochbetagte, allein lebende Wagner-Spezialistin am Abend des 25. Oktober in ihrem Haus in Löttringhausen erlebte, ist wahrlich ein Albtraum.

Die 80-Jährige wurde mit einer Armbrust beschossen, ist sich der Biologe Dr. Michael Stauber vom LKA Düsseldorf sicher. Der Sachverständige und Spezialist für „forensische Textilkunde“ hatte nach eigener Aussage erst keine Idee, woher die scharfrandigen Beschädigungen auf der Kleidung der Toten stammen könnten. Bis die Polizei im Auto des Angeklagten Dr. Martin B., einem Bekannten des Opfers aus der Kulturszene, gleich zwei Armbrust-Waffen entdeckte.

Versuche mit Waffe des Angeklagten

Bei Versuchen im LKA mit just diesen beiden Exemplaren stellte sich heraus: „Die große Armbrust scheidet aus, aber der konisch-spitze Pfeil der Pistolenarmbrust hinterließ nahezu identische Beschädigungen“, so der LKA-Gutachter. Ausgeschlossen sei auch, meinte der Spezialist, dass der Täter den Pfeil bei dem Angriff in der Hand hielt, er habe vielmehr mit der Armbrust geschossen. Der im Versuch benutzte Pfeil stammt nicht aus dem Auto des Angeklagten, sondern aus dem LKA-Bestand.

„So etwas kann man auch gar nicht kaufen“, ereiferte sich Dr. Martin B., der laut Anklage die Musikkritikerin damals um Geld gebeten und attackiert haben soll. Zum Prozessbeginn hatte er seine Unschuld betont, in einem der weiteren Prozesstage werde er sich näher äußern, ließ er das Gericht wissen.

„Ich habe früher gern Schießübungen in meiner Wohnung gemacht“

Und gestern? Da verließ er die Anklagebank, sah sich mit den anderen Prozessbeteiligten interessiert seine Armbrust „Kobra“ an. „Ich habe früher in meiner Wohnung geschossen, ein großer Sack war mein Ziel.“ Seinen Wunsch, die auf dem Richtertisch liegende „Kobra“ in die Hand zu nehmen, erfüllte ihm der Vorsitzende Richter Wolfgang Meyer allerdings nicht...

Auch gestern stellte Dr. Martin B. wieder jede Menge Fragen, sparte nicht mit Anregungen. Wieso man so sicher sei, dass ein Bolzen einer Armbrust verwandt wurde? „Kann das nicht auch so etwas gewesen sein?“, fragte er und wedelte mit einem Blatt Papier, auf dem er etwas gezeichnet hatte. Er denke dabei an einen Nordic-Walking-Stock, „so einer liegt bei mir im Auto“. Ein interessanter Hinweis, dem man vielleicht nachgehen sollte, merkte Anwalt Dr. Thomas Ahrens an, der als Nebenkläger-Vertreter die Interessen der Tochter des Opfers vertritt.

Fasern fanden sich auch auf der Strickjacke der Toten

Dass in seiner Wohnung bei der Durchsuchung zwei Pullover gefunden wurden, deren Fasern sich auch auf der Strickjacke der Toten fanden, kommentierte Dr. Martin B. nicht weiter. Am 29. August will das Schwurgericht in dem tragischen Fall die Tochter der Musikkritikerin als Zeugin hören.

Kathrin Melliwa



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