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Miriams Gespür für Tränen

30.09.2012 | 16:22 Uhr
Miriams Gespür für Tränen
Miriam, ganz in schwarz " mit Desiree von Delft als Miriam.Foto: Knut Vahlensieck

Manchen ländlichen Regionen Osteuropas sind noch die Klageweiber in Erinnerung, sogenannte Platschky (Weinerinnen), die für eine Handvoll Kleingeld einen festen Bestandteil der dörflichen Bestattungskultur bildeten.

Manchen ländlichen Regionen Osteuropas sind noch die Klageweiber in Erinnerung, sogenannte Platschky (Weinerinnen), die für eine Handvoll Kleingeld einen festen Bestandteil der dörflichen Bestattungskultur bildeten.

Miriam, ganz in Schwarz, weiß davon nichts. Sie ist sechzehn Jahre alt und möchte sich selbst gerne erklären, was sie immer wieder auf die Friedhöfe zieht, zu den Beerdigungen wildfremder Menschen, bis zu achtmal im Monat, und wenn da nicht die Schule wäre, noch häufiger.

Es ist ihr Hobby, sagt sie. Aber ist es auch eine Perversion? Hat es etwas mit unvergossenen Tränen zu tun? Mit denen, die nicht flossen, als die Großmutter tot auf dem Küchenboden lag?

Miriams Gespür für Tränen, für echte wie falsche, begleitet sie immer. Die Klage des Jungen in der dritten Reihe - eben, während der Beisetzung des Siegbert Haashagen - war aufrichtig. Dagegen die der Witwe nicht.

„Miriam, ganz in Schwarz“ ist ein Solo-Stück des jungen, aus Anröchte stammenden Autors Jörg Menke-Peitzmeyer. Die Aufführung am Freitag im kleinen „Sckelly“-Raum des Kinder- und Jugendtheaters (KJT) war die deutsche Erstaufführung. Das KJT ist also mit gleich zwei Erstaufführungen in die Saison gestartet.

Désirée von Delft, also Miriam, hat rund sechzig Theaterminuten zu bewältigen - in einem Raum, in dem sie von Beerdigungssymbolik umgeben ist (Bühne und Kostüme Anja Lichtenegger): schwarze Erde auf dem Boden, schwarze menschengroße Puppen hinter einer Gaze im Hintergrund, Blumen in Töpfen, auch von der Decke herabhängend, also Umkehr der Realität. Die hängenden funktionieren aber auch als Lampen. Von Delft versteht es, die Unsicherheit, die der Autor seiner Figur mitgegeben hat, meist glaubhaft auf diese Bühne zu tragen. Mal wirkt sie sehr jung, fast kindhaft; mal viel älter, mondän, eine Witwe aus dem Fernsehen; mal ernst, weil zum Weinen nur ist, dass es nichts zu Weinen gibt; mal eher ironisch-distanziert. Dann und wann wird es aber auch schwierig, ihrem selbstbehaupteten Trauer-Spiel die Echtheit anzuerkennen. Dass sie auch Mätzchen macht, verdankt die Künstlerin der sonst soliden Regie (Isabel Stahl) und dem Stück. Muss sie wirklich das unsägliche Ave Maria singen? Und mit dem Steiger-Lied auf den Lippen, Glück auf, Glück auf, um die Bühne marschieren?

Immerhin, am Ende - eben hat sie die Welt noch selbst für „nicht normal“ erklärt - steht sie zu ihrer Neigung, möchte eine „Tod-AG“ gründen, was auch auf den Blumentöpfen steht. Wenn nicht mit ihrer Freundin, der Basketballschlampe, dann doch mit dem Publikum. Direkte Ansprache: „Also, was ist?“

Von Rainer Wanzelius



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