Minderjährige Prostituierte kommen aus allen Schichten

Die Sozialarbeiterinnen der Mitternachtsmission versuchen, Frauen aus der Prostitution zu helfen. Beim Sozialausschuss am Dienstag berichteten die Mitarbeiterinnen von ihrer Arbeit. Erschreckende Bilanz: Bei den Prostituierten handelt es sich oft um Jugendliche oder Kinder.

Dortmund.. Welche Jugendlichen und Kinder sind gefährdet?

Laut der Sozialpädagogin Meike Serger steigen Kinder und Jugendliche aus allen gesellschaftlichen Schichten in die Prostitution ein. Die Gründe für diese Einstiege sind unterschiedlich: Mal sind es Zuhälter, die als "Loverboys" in den Dortmunder Diskotheken auf der Suche nach jugendlichen Mädchen sind und sie seelisch abhängig machen, um sie dann zur Prostitution zu bewegen. Längst bekannt sind der Mitternachtsmission auch solche Fälle, in denen Mädchen mit den Einnahmen aus dem Verkauf ihres Körpers den Lebensunterhalt der Familie bestreiten oder sogar von ihren Eltern zur Prostitution gebracht werden.

Was macht die Mitternachtsmission?

Die Freier erreichen die jungen Prostituierten über das Internet. Meike Serger berichtete, dass die Mädchen ihre Kunden vor dem Computer erreichen. Die Mitternachtsmission möchte ihnen deshalb auf diesem "Vertriebsweg" begegnen und über eine zunächst anonyme Online-Beratung den Ausstieg organisieren. Der Mission sind außerdem 24 Nordstadt-Kneipen bekannt, in denen Prostitutions-Geschäfte angebahnt werden. Straßensozialarbeiterinnen gehen gezielt auf die häufig süchtigen Frauen zu, um Hilfe anzubieten.

Wie finanziert sich die Mitternachtsmission?

Die Mitternachtsmission benötigt 125.000 Euro pro Jahr, um Kinder und Jugendliche vor einem Abgleiten in die Prostitution zu schützen. Zurzeit finanziert die 1918 in Dortmund gegründete "Mimi" diese Arbeit aus Spenden. Auf Dauer müsse die Beratungsarbeit für Kinder und Jugendliche finanziell solide abgesichert werden, sagte die Leiterin der Mitternachtsmission, Andrea Hitzke, im Sozialausschuss.

Was hat die Mitternachtsmission im vergangenen Jahr geschafft?

2014 betreute die Mitternachtsmission 65 Kinder und Jugendliche, die sich prostituierten. 13 dieser 65 Mädchen wurden von Menschenhändlern nach Dortmund gebracht. Die Mission gab dem Sozialausschuss gestern auch einen allgemeinen Überblick auf die Prostitution in Dortmund. 2014 konnte die Organisation 692 Frauen beraten. Über 200 von ihnen waren Opfer von Menschenhändlern.

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