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"Meine Bestimmung ist, Fado zu singen"

02.01.2009 | 18:59 Uhr

Mariza hat ihren ganz eige-nen Kopf. Und das nicht nur optisch mit der auffallenden Kurzhaarfrisur. Christoph Giese traf die Fado-Queen aus Portugal, die am 15. ...

"Ich mache einfach, was ich fühle", sagt Mariza über ihre Musik. (Foto: Christoph Giese)

... Januar im Konzerthaus auftreten wird, um mit ihr über den Fado und ihre neue Platte "Terra" zu sprechen. Warum singen sie Fado? Mariza: Weil ich schon mit fünf Jahren angefangen habe, ihn zu singen. Der Fado ist eine Lebensform. Das Wort Fado bedeutet doch Bestim-mung und meine Bestimmung ist es, Fado zu singen.

Sie sind in Mozambique geboren und in Lissabon aufgewachsen. Wenn sie etwa in Porto ihre Kindheit verbracht hätten, würden sie auch Fado singen? Ist die Stadt, in der sie aufgewachsen sind, wichtig?

Das Viertel, in dem ich aufwuchs, war wichtig. In bin in Mouraria aufgewachsen, einem typischen Viertel, in dem du dem Fado an jeder Ecke und auf jeder Straße begegnest. Man lebte und atmete dort den Fado ein. Und noch immer lebt und atmet man den Fado in diesem Viertel.

Sie versuchen, den Fado behutsam zu modernisieren...

Nein, ich versuche gar nichts. Ich mache einfach, was ich fühle. Es ist kein Versuch, irgendetwas zu modernisieren, unbedingt anders sein zu wollen. Meine Musik besteht aus meinen Gefühlen und aus dem, wie ich im Leben und in der Gesellschaft stehe. Meine neue Platte "Terra" ist das Resultat aus sieben Jahren ununterbrochener Tourneen, in denen ich unterschiedliche Kulturen und Musiker, Rhythmen und Lebensformen kennengelernt habe. Und nach diesen sieben Jah-ren bin ich jetzt als Musikerin und Interpretin so gewachsen, wie man es auf "Terra" hören kann.

Spielt der Fado im heutigen Portugal bei der Jugend überhaupt noch eine Rolle?

Aber ja doch. Seit etwa zehn Jahren tut sich in Lissabon viel. Es gibt Musikethnologen, die sich mit dem Fado beschäftigen, du kannst viel Fado hören und ich selbst bin eine Botschafterin für den Fado geworden bei einem Projekt, das den traditionellen Fado, der ja eine orale Überlieferung ist, als Weltkulturerbe manifestieren soll. Und es gibt eine junge Generation, die versucht, den Fado zu erhalten, was ich mit Stolz verfolge.

Und wie reagieren Kritiker auf ihre Musik? Vor allem die Traditionalisten? Ihr Fado ist schließlich mit Jazz oder Flamenco angereichert...

Wenn es notwendig ist, traditionell zu singen, singe ich traditionell. Ich weiß perfekt, wie das geht. Denn ich gehe nach wie vor in die Fado-Tavernen, um dort zu singen. Aber ich mache auch meine eigene Musik, mit meiner eigenen Persönlichkeit. Ich habe da keine Probleme mit den so genannten Puristen. Wäre der Tango wohl weltweit so populär geworden ohne einen Erneuerer wie Astor Piazzolla? Oder noch früher: ohne einen Carlos Gardel? Diese Leute haben doch viele erst neugierig gemacht auf die Ge-schichte des Tango.

Sie haben ihre erste Platte erst mit 26 Jahren aufgenommen, obwohl sie schon viel länger singen. Wieso hat es so lange gedauert?

Ich wollte nie Platten aufnehmen, das war nie mein Traum. Um es kurz zu sagen: Es ist dann einfach passiert, auf einem holländischen Label. Interessant ist, dass es damals in Portugal niemanden gab, der Geld hatte, um es für den Fado auszugeben. Alle Labels haben mir gesagt, dass sich Fado nicht verkaufe, nicht lukrativ genug sei. Und dann habe ich von meiner ersten Platte 140 000 Stück nur in Portugal verkauft.

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