Mehrere Verletzte bei Ausschreitungen rund um Neonazi-Demo

Pflasterstein-Würfe und Pyrotechnik, Schlagstock-Einsatz und mindestens ein Hundebiss: Bei den Protesten gegen eine Neonazi-Demo in der Nordstadt am Sonntag sind mehrere Gegendemonstranten und ein Polizist verletzt worden. Die Neonazi-Gegner und die Polizei geben sich gegenseitig die Schuld an der Gewalt-Eskalation.

Dortmund.. Drei Kundgebungen hatte die Neonazi-Partei "Die Rechte" am Sonntag im Dortmunder Stadtgebiet angemeldet - doch noch vor der zweiten Demo in der Nordstadt beendete die Polizei die Protest-Aktion. Sie begründete den Schritt damit, dass "die Gefahren bei Fortsetzung der Versammlung unkalkulierbar" gewesen seien.

An der Ecke Mallinckrodtstraße/Leopoldstraße war es zuvor zu schweren Ausschreitungen zwischen der Polizei und einigen der rund 300 Gegendemonstranten gekommen, die gegen die geplante Kundgebung von rund 60 Rechtsradikalen auf dem "Platz der Nationen" protestierten. Dabei blockierten die laut Polizei zum größten Teil linksautonomen Neonazi-Gegner die Strecke zum Demo-Ort.

Feuerwehr behandelt zwei Verletzte

Dort, rund hundert Meter vom Versammlungsort entfernt, eskalierte die Lage. Laut Polizei flogen Flaschen, Pflastersteine und Pyrotechnik aus den Reihen der Gegendemonstranten in Richtung der Einsatzhundertschaft der Polizei und der Neonazis. Die Polizei reagierte mit Pfefferspray und Schlagstock-Einsatz, außerdem ließ sie Hunde los. Einer der Polizeihunde biss einen Demonstranten in den Arm. Das Blockade-Bündnis Blockado spricht in einer am Sonntagabend veröffentlichten Pressemitteilung von mindestens zehn Verletzten, "darunter auch unbeteiligte Passanten und mehrere Kinder". Der Rettungsdienst der Dortmunder Feuerwehr versorgte am Sonntagabend vor Ort zwei Personen, den Demonstranten mit dem Hundebiss und eine Person, die Pfefferspray ins Gesicht bekommen hatte. Beide Personen wurden ins Krankenhaus gebracht.Laut Polizei wurde darüber hinaus ein Polizist leicht verletzt.

Strafverfahren gegen zehn Personen

Wie es zu den Ausschreitungen kommen konnte, dazu gibt es zwei Versionen. Die Polizei spricht davon, dass sie "unter massivem Einsatz" "die beiden hochemotionalisierten Lager" voneinander trennen musste. Man sei überrascht gewesen über die hohe Aggressivität der Gegendemonstranten, sagte Polizeisprecher Oliver Peiler unserer Redaktion

Die Blockado-Sprecherin Iris Bernert-Leushacke schildert die Situation anders: "Es wurde mit Pfefferspray und Schlagstöcken gegen Menschen vorgegangen, die den Nazis und der Polizei im Weg standen. Insbesondere der Einsatz von Hunden und eine daraus resultierende Bissverletzung verdeutlichen erneut, wie wenig Hemmungen die Polizei hat, brutal gegen Blockierer vorzugehen."

Insgesamt hat die Polizei wegen der Vorkommnisse in der Nordstadt zehn Strafverfahren eröffnet: sieben gegen Neonazi-Gegner und drei gegen Rechtsradikale. Zwei Gegendemonstranten wurden rund um die Demo festgenommen, ein mutmaßlicher Steinewerfer und die Person, die von dem Polizeihund gebissen wurde. Sie habe versucht, eine Absperrung zu durchbrechen, so die Polizei.

Polizei verbietet Demos vor Häusern von Bürgern

Ursprünglich hatte "Die Rechte" ihre Kundgebungen im unmittelbaren Umfeld der Wohnung von drei bekannten Dortmunder Bürgern abhalten wollen, darunter der Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) und ein Journalist unserer Redaktion. Diese "Weihnachtsdemonstrationen" hatte die Polizei untersagt." Mit dem Eindringen in das private Umfeld von politischen Gegnern sollten Demokraten eingeschüchtert werden, die sich öffentlich gegen den Rechtsextremismus zu Wort gemeldet haben", erklärte der Dortmunder Polizeipräsident Gregor Lange.

Die Partei "Die Rechte" entstand nach dem Verbot mehrerer rechtsextremistischer Kameradschaften wie dem "Nationalen Widerstand Dortmund". Bei der Kommunalwahl im Mai gewann die Partei einen Sitz im Dortmunder Stadtrat. In Dortmund sorgt der Abgeordnete Dennis Giemsch immer wieder für Empörung, zuletzt mit seiner Anfrage nach der Zahl jüdischer Mitbürger in der Revierstadt.

Schon häufiger Ausschreitungen bei Neonazi-Demos

Schon mehrmals kam es zu Ausschreitungen im Umfeld von rechtsradikalen Demonstrationen in Dortmund - zuletzt im August, als bei zwei Demos in der City und der Nordstadt 13 Polizisten verletzt wurden. Nach einem versuchten Sturm des Rathauses durch einige Dutzend Neonazis in der Kommunalwahl-Nacht im Mai musste die Feuerwehr zehn Menschen ärztlich versorgen.

Mit Material von dpa