Mehrere Festnahmen nach Straßenkämpfen in der Nordstadt

Foto: Ren Werner / IDA News
Was wir bereits wissen
Nach den Straßenkämpfen in der Dortmunder Nordstadt hat die Polizei erste Verdächtige festgenommen. Polizeipräsenz soll eine Eskalation verhindern.

Dortmund.. 60 Personen sind am Wochenende mehrfach mit Messern und Macheten in der Dortmunder Nordstadt aufeinander losgegangen und droschen auf Autos ein. Die Polizei konnte mehrere Personen festnehmen. Beseitigt ist die Gefahr jedoch noch nicht: Die Polizei will eine weitere Eskalation verhindern und ist mit starken Kräften in dem Bezirk unterwegs.

In einem im Internet kursierenden Video sind mehrere Männer zu sehen, die über die Stahlwerkstraße im Borsigplatz-Viertel laufen und ihre Gegner angreifen. Was der Auslöser für die Gewalt war, ist zurzeit nicht bekannt. Die Polizei sucht weiterhin Zeugen. Mehrere Anrufer hatten am Freitagabend (15.5.) den Notruf 110 gewählt.

Festnahmen an mehreren Tatorten

Laut Bericht der Polizei sollen die Kontrahenten zwischen dem 15. und dem 17. Mai 2015 nicht nur einmal, sondern mehrfach aufeinander losgegangen sein. Die Polizei konnte am Wochenende an verschiedenen Tatorten mehrere Personen festnehmen. Zuvor meldeten Anrufer Auseinandersetzungen mit Schlagwerkzeugen, Messern und Schusswaffen. Als Polizisten am Freitagabend die Stahlwerkstraße erreichten, hätten sich die 60 Beteiligten "unauffällig" verhalten. Keiner der Beteiligten oder Zeugen sei bereit gewesen, die Hintergründe zu dem ersten Kampf am helllichten Tag zu schildern.

Patronenhülsen und Macheten

Auf der Straße entdeckten Polizisten vier Patronenhülsen aus einer Schreckschusspistole und zwei Macheten. Bei einer Gruppe von 25 Männern stellte die Polizei später in Tatortnähe diverse Schlag- und Stichwaffen sicher. Damit nicht genug: Im Verlauf des Abends erfuhr die Polizei von einem weiteren Angriff, diesmal auf ein Café an der Mallinckrodtstraße in Nordmarkt-Nähe. Etwa 1000 Meter von der Stahlwerkstraße entfernt traten und schlugen mindestens zehn Männer auf einen Gegner ein. Sie wurden zur Verhinderung weiterer Straftaten ins Polizeigewahrsam eingeliefert, mussten später aber wieder freigelassen werden.

Auseinandersetzung Der Stress auf den Straßen setzte sich auch am Sonntag (17.5.) noch fort. "Kleine Personengruppen" seien in den Nachmittagsstunden auf Streit mit ihren Gegnern aus gewesen, obwohl die Polizei starke Präsenz in dem Revier zeigte. Sechs Männer wurden ins Gewahrsam eingeliefert und später ebenfalls entlassen.

Polizei stößt auf Mauer des Schweigens

Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, denn die Polizei stößt auf eine Mauer des Schweigens. Dazu Polizeisprecher Oliver Peiler: "Objektive Hinweise zu diesen Hintergründen der geschilderten Vorfälle liegen der Polizei derzeit nicht vor. Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, da keiner der Beteiligten gesprächsbereit gegenüber den Ermittlungsbehörden ist. Auch vermeintlich Geschädigte nach Körperverletzungen machten zu den Vorfällen bisher keinerlei Angaben." Derzeit versucht eine Ermittlungskommission, die Hintergründe aufzuklären.

Mehr als 1600 Festnahmen im Jahr 2014

Laut Polizeipräsident Gregor Lange werde die Polizei den bisher hohen Kontrolldruck in der Nordstadt "unvermindert aufrecht halten". Das Sicherheitsgefühl der Bürger sei der Polizei sehr wichtig. 2014 konnte die Polizei in dem Bezirk über 1600 Personen nach Raubüberfällen und Drogendelikten festnehmen.

Anwohner berichten von Straßenschlacht in der Nordstadt

Die Schlägerei auf der Stahlwerkstraße hatte am Freitagabend auch das Ehepaar Laudage aufgeschreckt. Seit 1905 ist dort ein Haus im Besitz der Familie. Vor 110 Jahren gehörte die Nordstadt noch zur bevorzugten Wohnlage in Dortmund. Der Architektur ist das auch heute noch anzusehen. An jenem Abend zeigte sich der Bezirk von einer ganz anderen Seite. Verfeindete Personen waren mit Messern und Macheten aufeinander losgegangen. Die Polizei stellte Schlagwerkzeuge und auch Patronenhülsen sicher.

Rufe und Schreie in aufgeheizter Lage

Günther und Annette Laudage saßen abends in der Küche, als sie den Krach hörten: Sie berichten von Rufen und Schreien in einer aufgeheizten Lage. "Als dann die Polizei kam, konnten alle plötzlich schnell laufen", berichtet Günther Laudage über den Beginn eines "hervorragenden Polizeieinsatzes", wie er sagt. Polizisten hätten die verfeindeten Gruppen voneinander getrennt. Dann herrschte wieder die Ruhe in der Stahlwerkstraße.

So auch am Sonntagnachmittag (17.5.), zwei Tage nach der Schlägerei. Junge Männer mit dicken Oberarmen und hautengen T-Shirts stehen am Straßenrand vor dem "Café de Luxe" und vor der "Bar Cardi". Dazwischen: 100 Meter Testosteron-Terrain. Ganze Gruppen demonstrieren auf den Gehwegen: "Wir sind die Macht". Die Polizei fuhr im Fünf-Minuten-Takt durch die Straße, damit sich die verfeindeten Gruppen nicht wieder gefährlich nahe kommen konnten. Tatsächlich hielten sich die Muskelmänner zurück. Der Drogenhandel blühte trotzdem.

Wir berichten nach. Die Polizei veröffentlicht im Laufe des Montags (18.5.) eine Pressemitteilung.

Die Polizei bittet Zeugen um Hinweise an die Kriminalwache unter Tel. (0231) 1 32 74 41.