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Mehr Müll - „Dortmunder Nordstadt hat sich verändert“

12.01.2012 | 12:00 Uhr
Ugur Kaya, Vorsitzender eines türkischen Gartenvereins. Foto: Ralf RottmannFoto: Ralf Rottmann

Dortmund.  Über den Müll auf dem Grundstück an der Burgholzstraße freut sich niemand – weder die Stadt, der das Grundstück gehört, noch die Nutzer der Brachfläche, die dort Gemüse anbauen. Ugur Kaya berichtet als Vorsitzender eines Kleingartenvereins, wie sich die Nordstadt Dortmund verändert hat.

Ein paar Salatblätter gucken aus der Erde hervor. Daneben liegen leere Flaschen, Dosen, ein Reifen, sogar eine Matratze. Über den Müll auf dem Grundstück an der Burgholzstraße, Ecke Eisenstraße freut sich niemand – weder die Stadt, der das Grundstück gehört, noch die Nutzer der Brachfläche. Seit mehr als zehn Jahren wird das Grundstück von türkischen Anwohnern aus der Nordstadt als Grabeland genutzt. Das heißt, als Gartenfläche für Gemüseanbau. Vor einigen Jahren haben sich die Nutzer zum Kleingarten -Verein „Yesil Bostan“ zusammengeschlossen. Vorsitzender ist der 35-jährige Ugur Kaya. Obwohl er dort selbst keinen Garten hat. Aber seine Mutter.

„Ich war an ihrer Stelle bei einer Versammlung und bin gewählt worden“, sagt er. Weil er der Jüngste gewesen sei, weil er gut Deutsch spreche – genau weiß er es nicht. Aus Pflichtgefühl sei er dabei geblieben. „Das kann man mit einem Schrebergartenverein nicht vergleichen“, sagt Kaya. „Es alles ein bisschen durcheinander.“ Doch der Müll, der auf dem Grundstück liegt, der sei nicht von den etwa 50 Nutzern.

Kaya ärgert sich über Abfallberge in der Dortmunder Nordstadt

Kaya ärgert sich über die Abfallberge. „Die Nordstadt hat sich verändert“, meint er. Der 35-Jährige stammt aus der Türkei, seine Eltern zogen mit ihm nach Dortmund als er zwei Jahre alt war. Als Teenager lebte er am Borsigplatz , heute wohnt er an der Burgholzstraße, unterhalb der Gartenfläche. Vor zehn Jahren hatte er das Haus gekauft, in dem seine Malerwerkstatt untergebracht war. Jetzt lebt er dort mit seiner Frau und seinem siebenjährigen Sohn. Auch seine Mutter lebt in dem Haus – die restlichen Wohnungen vermietet Kaya.

„So richtig wohl fühle ich mich hier aber nicht“, sagt er. Im Keller sei bereits einmal eingebrochen worden, in seiner Einfahrt werde ebenfalls ständig Müll abgestellt. Mit seinen Nachbarn komme er gut zurecht, doch das Straßenbild habe sich seit einigen Jahren zum Negativen verändert, glaubt Kaya. „Es ist lauter geworden, die Leute pöbeln auf der Straße rum.“ Nicht der richtige Ort für seinen Sohn. „Den würde ich hier nicht alleine rumlaufen lassen“, sagt Kaya. Und blickt auf das türkische Café im Nachbarhaus, aus dem eine Frau mit Kinderwagen herauskommt. „Das finde ich unmöglich, Kinder haben in einem solchen Café nichts zu suchen“, sagt Kaya und schüttelt den Kopf.

Der Mutter ist der Garten wichtig

Manchmal denkt der 35-jährige Maler darüber nach, mit seiner Familie zurück in die Türkei zu gehen. „Da hat sich viel verändert, das Leben dort ist besser geworden“, sagt er. „Aber ich bin hier aufgewachsen und ich glaube mir würde vieles fehlen.“ Freunde und Bekannte zum Beispiel. Die Gärten vielleicht nicht so sehr.

Doch für seine Mutter sei der Garten wichtig. „Sie freut sich, wenn sie dort etwas anbauen und das verschenken kann“, sagt Kaya. Die Stadt strebt eine gewerbliche Nutzung der Fläche an. Bis ein Interessent gefunden ist, sind die Nutzer noch geduldet.

Blick in die Nordstadt

 

Christina Römer



Kommentare
18.01.2012
13:31
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #6

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12.01.2012
20:29
#4 Swatson...
von bolla | #5

... fliegen Sie doch schon mal vor, OK?

12.01.2012
18:02
@ 3 ugm
von Swatson | #4

Uga - Uga! Das geht aber auch anders herum. Was glauben Sie denn, wie lange diese BRDDR in der EUdSSR noch Bestand haben wird? Und dann? Es ist bestimmt keine schlechte Idee sich schon einmal mit dem Gedanken vertraut zu machen, wie so ein "bunter" Abflug zu gestalten wäre - oder?

1 Antwort
Meine Güte, Swatson...
von bolla | #4-1

...diesen Schrott "BRDDR/EUdSSR" haben Sie doch gestern an anderer Stelle schon gebracht. Fleißig auswendig gelernt bei Ihrer letzten Versammlung. Und jetzt ist gut.

12.01.2012
16:42
@ 2
von ugm | #3

Interessante Idee – Sie und Ihresgleichen in einem Reservat. Darüber lässt sich bestimmt parteiübergreifender Konsens herstellen.

12.01.2012
16:08
Mehr Müll - „Dortmunder Nordstadt hat sich verändert“
von JeanJean | #2

Es ist schade, dass Herr Kaya sich bei uns nicht mehr wohl fühlt. Ich fühle mich in meinem Land auch nicht mehr wohl, verfüge allerdings nicht über eine Zweitheimat.

Die deutschen Opfer des Projekts "Bunte Republik", deren Eltern oder Großeltern das Land nach dem Krieg für ihre Kinder und Enkel aufbauten, bekommen nicht einmal einen Teil davon als Reservat zugewiesen, in dem sie ungestört leben können.

Mit tätiger Hilfe Deutschlands und der EU hat die Türkei ihren Lebensstandard verbessern können, dennoch schickt sie uns weiter ihre Mühseligen und Beladenen, für deren Lebensunterhalt sie längst selbst sorgen könnte,

Es ist ein Skandal, dass unsere Politik dazu führt, Menschen wie Herrn Kaya wegzuekeln, während die Einwanderung in die Sozialhilfe fröhlich weiter geht.

12.01.2012
15:20
Mehr Müll - „Dortmunder Nordstadt hat sich verändert“
von findling | #1

Ob die Stadtoberen überhaupt noch wissen, was Wohnen heißt und was Wohngebiete bieten müssen .
Die Neubauflächen im "Grünen" ohne Straßenbahnanschluß und die Behandlung der Innenstadt als Durchfahrtstrassen für die Blechlawine lassen und ließen dies seit langem nicht vermuten.

Es wird aber auch Zeit der Verpackungsindustrie auf die Pelle zu rücken und das Flaschen- und Dosenpfand auszuweiten und preislich deutlich zu erhöhen, Wegwerfprodukte grundsätzlich gegenüber langlebigen Artikeln zu verteuern.

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