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Mehr Gewalt gegen Hobby-Schiedsrichter auch in Dortmund

20.05.2012 | 06:00 Uhr
Mehr Gewalt gegen Hobby-Schiedsrichter auch in Dortmund

Dortmund.   Auch in Dortmund steigt die Gewalt gegen Hobby-Schiedsrichter: In der laufenden Saison der unteren Fußball-Ligen wurden die Unparteiischen öfter Opfer von Angriffen gefrusteter Fans oder Spieler. Eine dauerhafte Polizeipräsenz ist keine Lösung.

Fußballer schlägt Schiedsrichter nieder , Schiedsrichter in der Kabine geschlagen , Kicker und Zuschauer greifen Schiedsrichter an – diese und ähnliche Überschriften begleiteten die Berichterstattung der Fußball-Kreis- und Bezirksliga seit Beginn der laufenden Saison. Sie zeigen, dass Schiedsrichter nicht selten für ein verlorenes Spiel verantwortlich gemacht und von aggressiven Fans wie Spielern zur Rechenschaft gezogen werden.

Gewalt gegen Unparteiische war schon früher ein Problem – mal mehr, mal weniger, weiß Michael Liedtke, stellvertretender Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses vom Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen.

Viele Vereine von negativer Entwicklung betroffen

Diese Saison ist es mehr: „Die Gewalt hat zugenommen“, sagt Christian Naskrent, seit sieben Jahren Bezirksliga-Schiedsrichter und seit 2002 als Unparteiischer auf dem Rasen. Selbst ist der 27-Jährige „glücklicherweise“ noch nicht zum Opfer geworden, aber ein Freund von ihm: In der Umkleidekabine wurde er nach einem Spiel geschlagen – von einem Verantwortlichen des unterlegenen Vereins, erinnert sich Naskrent und spricht von einer negativen Entwicklung, von der viele Vereine betroffen sind, nicht nur einzelne. „Es gibt Spiele, zu denen man schon mal mit einem mulmigen Gefühl hingeht.“ Noch konzentrierter ist der Hobby-Schiedsrichter dann bei seiner Arbeit. „Ich achte in solchen Fällen mehr auf einzelne Spielerreaktionen, versuche direkt darauf einzugehen“ – mit einem Lächlen, um die Situation aufzulockern.

Doch wie ein Schiedsrichter in brenzligen Situationen am besten reagiert, dafür gibt es keinen Leitfaden. Zu unterschiedlich sind die Situationen und zu groß die Bandbreite an Vorfällen, dass eine Schulung vollständig auf Schwierigkeiten vorbereiten könnte. Doch aufhören möchte Naskrent trotzdem nicht – aus Liebe zum Sport: „Als Spieler wäre ich nicht mehr sehr weit gekommen und mir macht es Spaß, Entscheidungen zu treffen.“ Sein nächstes Ziel ist der Aufstieg in die Landesliga. Aber Naskrent weiß, dass man schon eine gewisse Portion Selbstbewusstsein braucht, wenn man Schiedsrichter werden will und vielleicht auch Mut.

Gewaltproblem sorgt auch für weniger Nachwuchs

Zwar gibt es bislang keine Erhebung, warum Schiedsrichter ihr Amt aufgeben, aber Liedtke vom Schiedsrichterausschuss sieht schon eine Verbindung zur steigenden Gewalt. Gleiches gilt für den fernbleibenden Nachwuchs. „Doch das Problem können die Schiedsrichter nicht alleine lösen“, so Liedtke. Die Vereine müssen ihren Teil dazu beitragen. Sie haben schließlich neben einem gesellschaftlichen auch ein wirtschaftliches Interesse daran, dass die eigenen Spieler und Fans friedlich bleiben. Denn sie zahlen die Strafen für deren Verstöße.

Eine dauerhafte Polizeipräsenz wie auch bei Bundesligabegegnungen halten allerdings sowohl Naskrent als auch Liedtke für den falschen Weg. „Abgesehen davon, dass es nicht leistbar ist, würde es alle Spieler und Zuschauer im Vorhinein verunglimpfen“, sagt Liedtke. Man müsse doch davon ausgehen, dass es den Leuten um den Sport und nicht um die Gewalt gehe. Naskrent: „Eine solche Lösung würde über das Ziel hinausschießen. Das braucht der Sport nicht.“

Anna Hückelheim


Kommentare
20.05.2012
19:51
Fußball ist ein Kriegsspiel
von Stefan2 | #3

Meiner Meinung nach ist die Gewalt im und um den Fußball nur die logische Zuspitzung der Prinzipien von Leistung und Auslese, Konkurrenz, Aggression und Nationalismus, die in der gegenwärtigen Gesellschaftsformation lebendig sind und durch den Fußball massenhaft angeeignet und verinnerlicht werden.

Und mit diesem Fußball-Zirkus hält man die ängstlichsten Teile eines Volkes in ständiger latenter Pogromstimmung; einer Stimmung, die sich jederzeit auch zu politischen Zwecken mobilisieren lässt. Beispiele sind die Kampagnen gegen "die Griechen", gegen wirtschaftlich Schwächere, gegen Migranten und Flüchtlinge.

1 Antwort
Mehr Gewalt gegen Hobby-Schiedsrichter auch in Dortmund
von Pase_Lacki | #3-1

Die einzigen, die Kampagnen gegen die Griechen führen sind die Griechen selber. Ist aber hier nicht das Thema. Gewalttätiges unsportliches Verhalten von Spielern und Funktionären müsste härter bestraft werden, schnellere und auch längere Sperren (bis lebenslang) sind hier gefordert.

20.05.2012
16:04
Mehr Gewalt gegen Hobby-Schiedsrichter auch in Dortmund
von hoenneborusse | #2

Weg mit der Kuschelpädagogik und endlich mal Strafen, die diese Bezeichnung auch verdient haben.
Wer sich gewalttätig gegenüber Gegnern und Schiedsrichtern verhält hat im Sport nichts zu suchen.
Die Sportgerichtsbarkeit ist hier aber auch endlich mal gefordert, mit entsprechenden Strafen deutliche Zeichen zu setzen.
Ansonsten spiegelt sich hier leider auch die gesellschaftliche Entwicklung wider. Respekt und Miteinander gehen leider immer häufiger verloren. Schade!

20.05.2012
13:17
Mehr Gewalt gegen Hobby-Schiedsrichter auch in Dortmund
von Dunkler.Lord | #1

Hier zeigt sich was auch andern Orts erkennbar ist :

Das deutsche Volk verroht zusehends und scheint sich bei der Sozialisation zurück zu entwickeln...

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