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Nanohale AG

Medizin-Revolution durch die Nase für Diabetiker

19.12.2010 | 22:00 Uhr
Medizin-Revolution durch die Nase für Diabetiker
Firma Nanohale im Biotechnologiezentrum Dortmund: Medikamententransportsystem. Chemikerin Dr. Katrin Möws forscht an polimeren Trägerstoffen zum Transport von Medikamenten wie Insulin. Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund. Eine große Hoffnung für Millionen an Diabetes erkrankte Menschen und die Chance für einen Riesenmarkt verbirgt sich hinter einer jungen Biomedizinfirma aus Dortmund: Nanohale geht heute an die Börse. Ein einfaches Nasenspray soll die Spritze ersetzen.

Der Clou: Nano-Partikel, die hundertmal kleiner sind als die menschliche Zelle, dienen als Träger für medizinische Wirkstoffe - wie zum Beispiel das Insulin, das sich Diabetes-Kranke heute noch spritzen müssen. Statt Spritze möchte das Nanohale-Team Kranken künftig ein einfaches Nasenspray anbieten. Das würde die Behandlung einer schweren Krankheit revolutionieren.

„Wir sind seit drei Jahren im Dortmuder Biomedizinzentrum“, berichtet Vorstand Dr. Nicolas Combe´. Nanohale sei eine Ausgründung aus dem Institut für pharmazeutische Technologie und Biopharmazie der Universität Marburg. Nach langsamem Aufbaubeginn in Dortmund überschlagen sich jetzt förmlich die Ereignisse. „Erst im Oktober haben wir mit der russischen Rostechnologii ein Joint-Venture über 40 Millionen Euro unterzeichnet“, berichtet Vorstand Friedrich-Wilhelm Steinweg. Diese Partnerschaft werde mittlerweile auf höchster politischer Ebene als „Leuchtturmprojekt“ gehandelt, weil es den russischen Partnern den Einstieg in die High-Technologie eröffne, die neben Rohstoff- und Rüstungsindustrie bislang noch ein Schattendasein führe.

„Als die Russen ,Nano’ gehört haben, gingen die ab wie ein Zäpfchen“, berichtet Steinweg über die Euphorie.

Nanohale selbst bleibt auf dem Teppich und will keine vorschnellen Versprechungen machen. „Allerdings stehen wir auch nicht auf dem Nullpunkt“, so Combe´. „Die Technologie gibt es schon länger“, deutet er an. Tatsächlich sei Prof. Thomas Kissel von der Uni Marburg bereits seit 20 Jahren dabei, medizinische Wirkstoffe durch winzige Träger in den menschlichen Körper zu bringen.

40 wissenschaftliche Arbeiten zum Thema

40 wissenschaftliche Arbeiten seien der Firmengründung vorausgegangen. „Wir sind überzeugt, dass es funktioniert“, sagt auch Chemikerin Dr. Katrin Möws. Sie verrät, dass sie das Insulin durch eine Polymer-Schutzhülle verkapseln will. Bei der Trägersubstanz handele es sich um Milchsäure, ein Stoff der im menschlichen Körper bei Muskelkater produziert wird. Die Trägersubstanz sei deshalb biologisch abbaubar und bringe das Insulin gezielt, in siebenmal geringerer Dosis und nachhaltig in die Nasenschleimhaut. „Ein schöner Vorteil“, so Möws. Dort werde das Medikament bei besserer Wirkung und weniger Nebenwirkung vom Organismus aufgenommen. Über- und Unterzuckerung werde künftig viel weniger ein Thema sei, verspricht die Chemikerin.

Das Unternehmen sieht einen riesigen Markt von fünf Milliarden Dollar alleine bei Diabetes. Nanohale rechnet mit einer verkürzten Zulassungsphase, wenn die klinischen Phasen positiv verlaufen. Der Wirkstoff sei schließlich nicht neu. Auf dem russischen Markt soll das Insulin-Nasenspray schon in zwei Jahren zu Verfügung stehen, in Deutschland vielleicht in vier Jahren. Weitere Anwendungsmöglichkeiten der Nano-Träger werden parallel getestet. „Wir wollen bereits im nächsten Jahr schwarze Zahlen schreiben“, so Combe´s ehrgeiziges Ziel.

Gerald Nill

Kommentare
21.12.2010
09:48
Medizin-Revolution durch die Nase für Diabetiker
von Stefan_Kl | #5

Zunächst finden ja die Tests zwei Jahre früher an Menschen in Russland statt. Bei uns dauert es mindestens zwei Jahre länger. Mal schauen, wie es dann...
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2010-12-19 22:00
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