Mayday-Veranstalter I-Motion hat Westbam nicht mehr gebucht

Die Ära Westbam bei der Mayday ist zu Ende.
Die Ära Westbam bei der Mayday ist zu Ende.
Foto: Imago
Was wir bereits wissen
Westbam hat mit seinem selbstformulierten "Ausstieg" bei dem Techno-Event Mayday in Dortmund für viel Aufsehen gesorgt. Darüber kann der Geschäftsführer des Veranstalters I-Motion nur den Kopfschütteln: "Wir haben Westbam schlicht nicht mehr gebucht, weil er unter anderem das Zwei- bis Dreifache seiner Gage verlangt hat", so Nik Schär im Exklusiv-Interview mit der Funke Mediengruppe.

Dortmund.. Mit seinem "Ausstieg" bei der Dortmunder Mayday und der Abrechnung mit dem Veranstalter I-Motion hat Techno-Urgestein Westbam am Dienstag für viel Aufsehen gesorgt. Im Exklusiv-Interview mit der Funke-Mediengruppe stellt jetzt der I-Motion Geschäftsführer Nik Schär die Situation völlig anders dar. Während es in der Stellungnahme von Westbam noch so schien, als ob er die Initiative ergriffen und sich von der Mayday losgesagt hat, stellt Schär klar: „Wir haben Westbam und den Act Members of Mayday schlicht nicht mehr für die Veranstaltung in Dortmund gebucht“. Deshalb könne von Ausstieg, wie es Westbam formuliert hatte, keine Rede sein.

Die Gründe, die der Geschäftsführer offenbart, werfen ein neues Licht auf das Zerwürfnis: „Westbam hat plötzlich das Zwei- bis Dreifache seiner Gage gefordert. Das können wir schriftlich dokumentieren.“ Dabei gehöre Westbam laut Schär schon lange nicht mehr zur ersten Liga der DJs in Deutschland und Osteuropa.

Mayday Westbam hatte I-Motion zudem eine falsche musikalische Ausrichtung vorgeworfen – die Mayday sei zu einer „Technoabfütterungsmaschine“ verkommen, klagte der Berliner. „Diese Stellungnahme ist der Frust eines verkannten Selbstverwirklichers, der den Blick für die Realität und für Selbstreflektion verloren hat“, kontert Nik Schär.

Die Mayday habe 2007 wirtschaftlich am Boden gelegen

Der Geschäftsführer geht in dem Zusammenhang auf die Geschichte der Mayday ein: „Wir haben mit I-Motion die Mayday 2007 von Westbam und seinem Label Low Spirit übernommen, als sie wirtschaftlich nicht mehr funktionierte. Innerhalb von drei Jahren haben wir die Besucherzahl mit einem neuen Konzept verdoppelt.“ Deshalb sei die Kritik daran, was I-Motion aus der Mayday gemacht habe, „scheinheilig“, so Schär.

EDM In der großen Arena der Westfalenhallen hätten vorher vor allem Westbam-Freunde zur besten Zeit gespielt. Deshalb sei die von Westbam vorgeworfene „Flurbereinigung“ beim Line up lediglich eine Umstellung gewesen: „Das ist seine persönliche Meinung und nicht die der Besucher. Die Abstimmung haben wir mit den Füßen gewonnen“, spielt Schär auf die stark gestiegene Besucherzahl an.

I-Motion kritisierte erfolglose Hymnen von "Members of Mayday" und Westbam

Ein weiteres Problem hat Schär mit dem künstlerischen Output von Westbam. Waren früher die Mayday Hymnen wie „Sonic Empire“ noch große Hits, so seien die Hymnen seit einigen Jahren „unbeachtet und erfolglos“. Schär habe sich den Mund "fusselig geredet", aber jede Kritik habe Westbam als "Gotteslästerung" empfunden: „Unsere Meinung hat null gezählt“.

Mayday Neben dem DJ Westbam ist damit auch der Act „Members of Mayday“ Geschichte, der lange Jahre ein Höhepunkt auf der Techno-Veranstaltung in Dortmund war. „Es wird ein neues Projekt geben, das für die künftige Mayday-Hymne zuständig ist“, verrät Schär, der dafür eventuell wechselnde Produzenten engagieren will.

Das komplette Line up für die Mayday 2014 am 30. April in den Dortmunder Westfalenhallen werde Anfang nächster Woche bekannt gegeben.

Update 6. Februar: Westbam kommentiert die Vorwürfe von Nik Schär

Nächster Akt im Schlagabtausch zwischen Westbam und Nik Schär. Der DJ und Produzent reagiert in einer weiteren Stellungnahme, die dem Magazin Faze vorliegt, auf das Interview des I-Motion-Geschäftsführers mit der Funke Mediengruppe. Darin behauptet Westbam wiederum, er habe I-Motion als Act für die Mayday abgesagt. Zudem sei die von Schär erwähnte Gagenforderung um das Zwei- bis Dreifache "kompletter Unfug".

Auch auf den Act "Members of Mayday" und die Qualität der Hymnen geht Westbam ein. Die Forderungen Schärs nach einem bestimmten Aufbau der Hymne sei Westbam "zu stumpf" gewesen. Weil die Mayday seit einigen Jahren für nichts bestimmtes mehr stehe, sei es Westbam zunehmend schwer gefallen eine Hymne zu komponieren.

Ein Blick in die Zukunft

Dass es zwischen Westbam und I-Motion nichts mehr zu kitten gibt, ist unübersehbar. Westbam wird mit Sicherheit in der Zukunft daran gemessen, was aus seiner Idee eines neuen Raves und seinem Projekt "Uebersound" wird. Und bei I-Motion werden am 30. April auf der Mayday 2014 die Techno-Fans mit den Füßen abstimmen. Selten war die Besucherzahl der Veranstaltung wichtiger, als dieses Mal.