Mann mitgeschleift - keine Ermittlungen gegen Bahnfahrer

In der Nacht zu Pfingstsonntag geriet ein 20-jähriger Fußgänger in Dortmund unter eine Straßenbahn und wurde mehr als drei Kilometer mitgeschleift.
In der Nacht zu Pfingstsonntag geriet ein 20-jähriger Fußgänger in Dortmund unter eine Straßenbahn und wurde mehr als drei Kilometer mitgeschleift.
Foto: Helmut Kaczmarek
Was wir bereits wissen
Schwerer Unfall in Dortmund: Eine Stadtbahn hat einen Mann (20) drei Kilometer mitgeschleift. Er verlor bei dem Unfall wohl beide Beine und einen Arm.

Dortmund.. Ein junger Mann (20) ist in Dortmund von einer Straßenbahn drei Kilometer mitgeschleift und dabei lebensgefährlich verletzt worden. Laut Bild-Zeitung verlor er bei der zehn Minuten langen Schreckensfahrt beide Beine und einen Arm.

Offenbar wollte er am Samstagabend im letzten Moment die abfahrende U43 am Knappschaftskrankenhaus in Brackel erreichen, bestätigte ein Polizeisprecher am Sonntag.

Dabei sei der junge Mann vermutlich gestolpert, zwischen zwei Waggons gefallen und unter einem Wagen eingeklemmt worden. "Das ist unbemerkt geblieben, es war ja dunkel", erläuterte der Sprecher. So zog die Stadtbahn den Mann über den Hellweg stadteinwärts mit.

Mann lebensgefährlich verletzt

Obwohl der Mann um Hilfe rief, dauerte es mehr als drei Kilometer, ehe sowohl Passanten als auch Mitfahrende aufmerksam wurden. Kurz vor Erreichen der siebten Haltestelle an der Von-der-Tann-Straße zog ein Fahrgast die Notbremse.

Kioskbesitzer Celal Emliki bemerkte den Unfall als erster. Sein Geschäft liegt genau gegenüber der Haltestelle Von-der-Tann-Straße. Der 40-Jährige saß gerade in seinem Kiosk, als er plötzlich Hilferufe hörte. Was dann geschah, schilderte er so: Er blickte auf die Kupplung zwischen den Waggons der stehenden Bahn – dort lugten im Achsbereich zwei Füße hervor. Wieder rief jemand um Hilfe.

Kioskbesitzer alarmierte Fahrgäste von außen

Er sprang auf und rannte zur Haltestelle. Dort schlossen sich gerade die Türen, die U43 fuhr an, Celal Emliki schlug gegen die Fenster, um die Fahrgäste zu alarmieren. 300 Meter weiter zog jemand die Notbremse. Die Stadtbahn blieb an der Kaiserstraße 147 stehen. Hier endete die Schreckensfahrt.

Der Mann kam mit lebensgefährlichen Verletzungen in eine Unfallklinik. Auch drei Tage nach dem Unfall schwebte er am Dienstag noch im Lebensgefahr. Die Polizei ermittelt nun, wie es zu dem Vorfall kommen konnte.

Keine Ermittlungen gegen Bahnfahrer

Die Polizei geht von einem tragischen Unfall aus. Gegen den Fahrer wurden keine Ermittlungen eingeleitet. "Aus unserer Sicht ist der Fahrer nicht Beschuldigter", sagt Polizeisprecher Oliver Peiler. Laut DSW21 wird der Fahrer psychologisch betreut. Für solche Fälle hat DSW21 ein eigenes Programm.

Jetzt versucht die Polizei, den Unfall zu rekonstruieren. Die Bahn verfügt über eine "Blackbox". Dieser elektronische Speicher zeichnet Fahrdaten auf. Diese Daten werden jetzt ausgewertet. Außerdem liegen der Polizei Namen von mehreren Zeugen vor. Diese sollen in dieser Woche angehört werden.

(Peter Bandermann/mit dpa)