Mädchen aus Ghana bekommt neue Hornhaut in Dortmund

Die 11-jährige Naomi bekommt eine neue Hornhautschicht.
Die 11-jährige Naomi bekommt eine neue Hornhautschicht.
Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.. Naomi ist so gut wie blind, aber bald soll sie wieder sehen können. Prof. Dr. Markus Kohlhaas, Augenarzt im Johanneshospital, will dem Mädchen aus Ghana am Mittwoch eine neue Hornhaut auf das Auge setzen.

Naomi ist nervös. Sie sieht nur Schemen ihrer Umgebung. „Ich bin aufgeregt“, sagt sie. Die vielen Kameras klicken. Es blitzt hier und da. Naomi spricht nur Englisch und ein wenig Französisch. Ihre Augen haben einen leichten milchigen Film.

Unterstützung durch Lions-Club und Rotarier

„Eine Infektion hat sie akut erblinden lassen“, erklärt Dr. Alexandra Planert. Die Augenärztin war vor fast einem Jahr für zwei Wochen in Ghana. In einem Kinderhilfsdorf arbeitete sie in der Augenklinik. Da kamen Naomis Eltern mit der erkrankten Tochter zu ihr.

Durch die Unterstützung des Lions-Club und der Rotarier konnte Naomi nach Deutschland reisen. Vorerst hat sie eine Aufenthaltsgenehmigung für zwei Monate. In der Zeit soll alles über die Bühne gehen.

Das rechte Auge ist zu retten

„Es war für uns von Anfang an klar, dass wir da was machen wollten“, sagt Planert. Normalerweise seien solche Transporte nicht angedacht, aber Naomi erwärmte die Herzen der Ärzte. „Prof. Kohlhaas ist einer der Besten, wenn es um Hornhauttransplantationen geht“, sagt Planert.

Das Wichtigste sei aber die Nachsorge, so Markus Kohlhaas. Er schaut sich die Augen des Mädchens erstmals an. „Das linke Auge hat keine Schleimhaut mehr. Es ist so stark vernarbt. Das zu operieren, wäre zum Scheitern verurteilt.“ Dennoch wird er Hand anlegen. Denn das rechte Auge ist noch zu retten. „Sie kann sich damit noch orientieren.“

Das richtige Spendergewebe zu finden, ist schwierig

Durch die Infektion - vermutlich eine Masern- oder Windpockenerkrankung, die von der Haut auf die Augen übergriff - haben sich starke Narben auf der Hornhaut gebildet. Damit sind auch Blutgefäße auf dem Auge entstanden. „Da gehören die nicht hin“, sagt Kohlhaas. Deshalb werde es bei der OP viel bluten. Das mache die Nachsorge und den Eingriff nicht leichter. Kohlhaas muss die Hornhaut mit einem Skalpell abtragen. „Wir tragen nur die obersten Schichten der Hornhaut ab. Da muss man auf tausendstel Millimeter genau arbeiten.“

Seit Jahresbeginn läuft die Vorbereitung für die OP. „Es dauerte, bis alle Zuständigen im Boot waren.“ Neben der Aufenthaltsgenehmigung mussten der Flug, die Unterkunft und natürlich das Hornhautgewebe organisiert werden. Vor knapp fünf Monaten haben die Ärzte Kontakt zur Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) aufgenommen. Das richtige Spendergewebe zu finden, ist schwierig. „Es sollte von einem jungen Spender sein und die sind nun mal seltener.“

Komplizierter Eingriff

Naomi wird sich auch nach Mittwoch noch gedulden müssen. Nach der Operation wird es etwa vier Wochen dauern, bis die Elfjährige zumindest auf dem einen Auge wieder sehen kann.

Nicht nur Naomi ist aufgeregt, auch für den Augenspezialisten ist es etwas Besonderes: „Es ist ein sehr komplizierter Eingriff. Sowas mache ich nicht alltäglich.“ Er hofft, dass auch später alles gut geht und die neue Hornhaut nicht abgestoßen wird oder im schlimmsten Falle eine neuerliche Infektion im Heimatland das reparierte Auge bedroht.