Mädchen (16) muss sich abends nüchtern bei Polizei melden

Der Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen wächst. Besonders alarmierend: Mädchen sind im Vormarsch
Der Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen wächst. Besonders alarmierend: Mädchen sind im Vormarsch
Foto: dapd
Was wir bereits wissen
Eine 16-Jährige, die sich jetzt an jedem Wochenende nüchtern bei der Polizei melden muss. Sechs Mädchen mit Alkoholvergiftung im Klinikum Dortmund in der Silvesternacht. Und ein unseliger Trend, dass der Alkoholmissbrauch bei Mädchen zunimmt.

Dortmund.. Als die 16-Jährige ihren Ex-Freund im September letzten Jahres mit dessen neuer „Flamme“ traf, rastete die Schülerin aus: Sie beschimpfte ihre Nachfolgerin wüst, schlug ihr ins Gesicht und trat dann noch zu. Zuvor, so gab das Mädchen vor Gericht zu, hatte es sich eine ganze Flasche Sangria genehmigt.

Alkoholmissbrauch von Jugendlichen – diesem Problem begegnet Jugendrichter Dr. Gerhard Breuer immer wieder. Im Falle der Schülerin, die wegen Körperverletzung 50 Stunden Sozialarbeit ableisten muss, fand er eine ebenso kreative wie auch wirkungsvolle Methode, um das Übel an der Wurzel zu packen: Das Mädchen muss für unbestimmt lange Zeit jedes Wochenende insgesamt vier Mal auf der Polizeiwache erscheinen: Jeden Freitag und Samstag um 20 Uhr und um 22 Uhr – und zwar im stocknüchternen Zustand.

„Dann ist zumindest das Vorglühen schwieriger“, meinte Dr. Breuer trocken. Schwänzt das Mädchen die Kontrolle oder bemerken die Polizisten eine „Fahne“, erfolgt ein Bericht ans Gericht. Bei den Eltern stieß die Meldeauflage auf offene Ohren: „Das ist gut, dann haben auch wir weniger Stress.“

[kein Linktext vorhanden] Alkoholmissbrauch bei Mädchen - ein Trend

Alkoholmissbrauch vor allem bei Mädchen - das ist ein Trend, den die Kinderklinik seit zwei Jahren beobachtet. Bei insgesamt leicht steigenden Zahlen von stationären Aufnahmen nach Alkoholvergiftung machen der Kinderklinik speziell die Mädchen Sorgen.

Die Dortmunder Kinderklinik meldet immer mehr junge Alkohol-Opfer, darunter sogar 12- und 13-Jährige mit zwei Promille im Blut, berichtet Klinik-Direktor Prof. Dominik Schneider. Die Kinderklinik nehme im Jahr 150 bis 160 Kinder und Jugendliche wegen Alkohol-Konsums auf.

Bei den jüngsten „Schnaps-Leichen“ sei der Anteil der Mädchen deutlich höher - etwa 2:1. Schneider fragt sich, wie die Minderjährigen überhaupt an Hochprozentiges kämen. Er kennt die Berichte von Wodka-Partys, die aus dem Ruder laufen.