Lindner gibt Dortmunds Liberalen Hoffnung

Christian Lindner ist Spitzenkandidat der FDP in Nordrhein-Westfalen. Foto: Getty Images
Christian Lindner ist Spitzenkandidat der FDP in Nordrhein-Westfalen. Foto: Getty Images
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Was wir bereits wissen
FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner hat sich am Montag mit Wahlkämpfern von der FDP-Basis zum „Liberalen-Lunch“ in einem Dortmunder Hotel getroffen. Seiner Ankündigung zu Beginn der Veranstaltung wurde er dabei gerecht: „Ich mache heute etwas Verrücktes – ich spreche über Politik.“

Dortmund.. Christian Lindner präsentierte sich vor den rund 40 Gästen beim „Liberalen-Lunch“ als ernsthafter, mehr an der Sache als an der Show interessierter Politiker. Der junge Spitzenpolitiker stellte seine Kernthemen vor, die er im Wahlkampf für wichtig erachtet und führte diese ausführlich aus.

Wie schon auf den Wahlkampfplakaten, auf denen stringent Lindners Konterfei mit den liberalen Forderungen verknüpft wird, führte er aus, dass die öffentlichen Finanzen gesunden müssten und die Bildungspolitik verbessert werden solle. Außerdem plädierte Lindner für mehr Freiheiten der Bürger aber auch der Wirtschaft. Der Staat solle sich weitgehend aus dem Alltag der Bürger heraushalten, im Notfall jedoch einspringen.

Einsparungen in der Verwaltung

Lindner stellte klar, dass bei der öffentlichen Verwaltung Einsparungen getroffen werden könnten und dass die Erwartungen der Bürger an den Staat zu hoch seien. Was das genau heißt, blieb er jedoch schuldig. Allerdings erläuterte Lindner im Zusammenhang mit ordnungspolitischen Fragen zur sozialen Marktwirtschaft am Fall Schlecker: „Nicht alles, was als sozial bezeichnet wird, ist auch sozial.“

So hätten bei einer möglichen Schlecker-Rettung durch öffentliche Gelder nur die Banken profitiert. Der Kunde hingegen – also letztlich der Konsumentenmarkt - hätte aber ein eindeutiges Votum gefällt, und zwar mittels Nachfrage gegen Schlecker.

Klare Ansagen des FDP-Spitzenmanns in Nordrhein-Westfalen, dem sicherlich die gestiegenen Umfragewerte der Liberalen zwei Wochen vor der Landtagswahl gutgeschrieben werden können. Seine Positionen fanden weitenteils Zustimmung, auch wenn bei manchen Themen wie zum Beispiel Lindners grundsätzlichem Nein zum Betreuungsgeld kritische Stimme laut wurden.

Hoffnungsträger für die Liberalen

Insgesamt gab es jedoch positives Feedback für den Liberalen. Die FDP-Basis schien sich aufrichtig über den Besuch ihres Hoffnungsträgers, der zusammen mit dem Bundestagsmitglied Michael Kauch durch die Veranstaltung führte, zu freuen. Lindner überzeugte dabei nicht unbedingt als Charismatiker oder mitreißender Redner, jedoch aber mit fachkompetenter Ernsthaftigkeit.

Damit grenzte Lindner, der mit keinem einzigen Satz den Zustand der Bundes-FDP erwähnte, sich indirekt vom FDP-Vorsitzenden Phillip Rösler ab. Dieser steht in dem Ruf, den er unter anderem auch bei Wahlkampfauftritten in NRW zementierte, gerne mit Klamauk und Zoten bei den Bürgern punkten zu wollen. Dies geht Lindner vollständig ab. Vielmehr versuchte er das liberale Profil verstärkt in den Vordergrund zu rücken und zu schärfen. Angesprochen auf den neuen Stil der FDP, sagte Lindner, er wolle keine „neue FDP“ proklamieren sondern an eine große Tradition anknüpfen – an die Idee der Freiheit in der Tradition von Lambsdorff und Genscher.

Dennoch verneinte er eventuelle Führungsansprüche in der Bundes-FDP. „Wenn ich Parteivorsitzender werden wollte, wäre ich schon vergangenes Jahr ins Rennen gegangen.“ Phillip Rösler bleibe aus seiner Sicht bis Ende 2013 Parteivorsitzender.