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Liederflut voller Meerjungfern

26.01.2013 | 00:27 Uhr

In dem Teich aus Liedern, aus dem Anna Prohaska ihr Programm schöpft, ist ganz schön was los. Verführerisch singen Haydns und Honeggers Meerjungfern aus der Tiefe zu sehnsüchtigen Fischern von Franz Schubert empor. Nixen von Henry Lawes tummeln sich dazu, während Ophelia tragisch zu Klängen von Berlioz ertrinkt. Der einzige, der noch den Überblick behält, ist der gütige Mond – er muss seine Vertonung lediglich zwischen Antonin Dvorak (Rusalka) und Karol Szymanowski aufteilen.

„Von Nixen, Sirenen und Meerjungfrauen“ handelte der Liederabend von Anna Prohaska und Eric Schneider im Konzerthaus – dasselbe Programm füllt ihre CD-Einspielung „Sirène“. Wie sie zwei Stunden mit diesem in der Kunst üppig vertretenen Thema füllen, ist mutig. Wasserfallartig geht es vom Barock in die Romantik, zur Moderne und wieder zurück. Ähnlich rasant wechseln die Sprachen – Englisch, Deutsch, Französisch, Polnisch und Tschechisch. Doch Anna Prohaska weiß in jeder einzelnen Phrase genau, was sie singt, kennt ihre Zielnoten und betont bewusst einzelne Worte. Bei ihrer deutlichen Artikulation versteht sogar der Zuhörer jedes Wort.

Es ist beachtlich, wie leicht Prohaska intoniert, wenn die Stimme sitzt. Von ihrem Ambitus, der von einer mächtigen Tiefe bis zur flimmernden Höhe alles abdeckt, können andere nur träumen. Ihre gestenreiche, extrovertierte Art macht sie damit für große Opernbühnen wie geschaffen. Ob diese antrainierte Ausstrahlung einem Liederabend gerecht wird, der eher durch Intimität und emotionale Spontanität verzaubert, darüber lässt sich streiten. Den Musizierenden (und dem Zuhörer) wird es durch das sehr facettenreiche Programm jedenfalls schwer gemacht, sich auf die Lieder einzustellen, was sich auch an der unfreier werdenden Stimme Prohaskas und dem sehr zurückhaltenden, routinierten Spiel Schneiders zeigte. Vielleicht hätte etwas weniger Getümmel den Abend in eine gelassenere Atmosphäre getaucht.

Thilo Braun



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