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Lichtblick für Blinde: Ein Vorlesehandy

19.03.2008 | 21:13 Uhr

Verblüffende Technik, augenscheinlicher Fortschritt: Mit einem Lesehandy möchte das Unternehmen "Elumo" Blinden ein Hilfsgerät an die Hand geben.

Kleines Gerät mit großer Funktion: Christian Bott mit dem Handy, das Abfotografiertes vorliest. (Bild: Knut Vahlensieck)

Eine Diplomarbeit ist etwas Besonderes. Sie symbolisiert den Abschluss vom studentischen, den Beginn des beruflichen Arbeitslebens. Christian Bott hatte ihr entsprechend seinen Anspruch vorangestellt: "Ich wollte ein ethisch-schönes Thema." Er fand es, indem er den Vorschlag von Prof. Dr. Christian Bühler vom Lehrstuhl Rehabilitationstechnologie umsetzte: die Entwicklung eines Vorlesehandys. Das mit dem Beruf erledigte er gleich mit: "Elumo" soll die Firma heißen, die das Gerät vertreibt.

Der 25-jährige Elektrotechniker und sein Geschäftspartner, der Maschinenbauer Martin Lautzas (26), sind gerade dabei, die Firma zu gründen. "Wir haben als Termin Mitte des Jahres ins Auge gefasst", so Bott. Fördergelder sind beantragt, derzeit beschäftigen sie sich mit Businessplan, Marktanalyse, Umfragen, Kostenberechnungen etc.

Ein Handy also, ein mit Software aufgepepptes Gerät, das zwar keinen Blinden sehend macht, aber jeden etwas zuversichtlicher machen könnte. Bott richtet sein Handy auf eine Textseite, fotografiert sie - und zehn Sekunden später liest ihm sein Handy das Abfotografierte vor.

Dem Ganzen liege die Programmiersprache "Symbian C" zugrunde. "Die Module für die Texterkennung und die Sprachausgabe haben wir eingekauft", meint er. Aber die Weiterentwicklung der Software bis zur Gebrauchsfähigkeit höheren Anspruchs nahm dann doch noch Zeit in Anspruch.

Problem: "Das System hat auch ,Müll' erkannt." Las also z.B. ein "+" als "Kreuz" vor, einen "*" als "Stern" und einen "_" als "Unterstrich". Es erkannte keine Umlaute wie "Ä" und "Ü". Das ist erledigt, nun geht es noch darum, "dass das Handy erkennt, wo ein Text beginnt, wo er aufhört". Es ist wunderbar nachvollziehbar, wie hilfreich das Gerät beim Einkauf oder im Bahnhof vor Fahrplänen sein kann.

Daran arbeiten sie noch, aber das Erreichte war den Juroren des bundesweiten Gründerwettbewerbs "Mit Multimedia erfolgreich starten" bereits jetzt ein Preis wert. Und der "G-DUR"-Ideenwettbewerb der Technischen Universität Dortmund belohnte die Idee mit einem 2. Preis im aktuellen Wettbewerb. Apropos Preis: Den genauen weiß Bott noch nicht. "Einige 100 Euro schon, aber die Anschaffung müsste idealerweise über die Krankenkassen laufen", hofft er.

Das Handy könnte ein Lichtblick für die 155 000 Blinden und 550 000 Sehbehinderten in Deutschland sein. Und, nicht zu vergessen, die etwa vier Millionen Analphabeten.

Von Dirk Berger

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