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Leiharbeiter laufen auch in Dortmund unter „Sachkosten“ – DGB plant Demo

15.02.2011 | 17:17 Uhr
Leiharbeiter laufen auch in Dortmund unter „Sachkosten“ – DGB plant Demo
Leiharbeit läuft auch in Dortmund oft unter „Sachkosten“. Symbolbild: imago

Dortmund. Mit einem Protestmarsch wollen die Gewerkschaften am 24. Februar ein Zeichen gegen Lohndumping setzen. Denn Arbeit sei da – aber viele Arbeitgeber missbrauchten das Instrument „Leiharbeit“ zum sparen. Denn Leiharbeiter sind Sachkosten.

Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie als Leiharbeiter in einem Unternehmen nicht etwa über die Personalabteilung abgerechnet würden – sondern beim Einkauf unter „Sachkosten“ gelistet wären? Das ist ein Beispiel aus Dortmund, höchst aktuell. Ein Beispiel, das in Augen der Gewerkschaften zeigt, wie sehr Arbeitgeber das Instrument „Leiharbeit“ missbrauchen.

„Arbeit ist da — mehr als genug“

Arbeit nämlich, sagt Hans Jürgen Meier, 1. Bevollmächtigter der IG Metall in Dortmund, ist da, in diesem „XXL-Aufschwung“, mehr als genug sogar. „Sie wird nur nicht in feste Arbeitsplätze umgesetzt“. Mit einer konzertierten Aktion der Gewerkschaften am 24. Februar soll ein Zeichen gegen Lohndumping und für sichere Arbeit gesetzt werden.

Arbeit, so die Gewerkschafter, sei der wertvollste Rohstoff, den Deutschland besitze. Und er dürfe nicht zur Ramschware verkommen. Negativ-Beispiele gibt es genug, auch vor Ort. Und nicht von ungefähr wird die Continental Automotive GmbH im Mittelpunkt des Protestes stehen. Mindestens einer von fünf, auf die Produktion berechnet eher einer von vier Mitarbeitern ist hier Leiharbeiter. 180 davon arbeiten insgesamt bei Conti – übrigens in dem kritischen Bereich, in dem Ende 2012 circa 400 Stellen gestrichen werden sollen. Ein Leiharbeiter verdient hier an die 7,60 Euro. Seine Kollegin nebenan selbst in der untersten Tarifstufe 12,88 Euro. Eine Gemengelage, die zu Missstimmung führt, zu einem Ausverkauf der guten Leute, zu einer ungesicherten Lebensperspektive.

„Da verdienen sie so wenig wie im dritten Lehrjahr.“

Das ist auch Thema im Bereich Großhandel, sagt Michael Bürger (Verdi). Stichwort Leiharbeit: Im Ikea-Europalager sind von ca. 2000 Beschäftigten rund ein Drittel „ausgeliehen“. Beispiel Kaufland Logistik: Die Hälfte der 800 Beschäftigten rangiert noch unterhalb der Leiharbeit, sie sind Werkvertragsnehmer.

Bürger greift ein weiteres Konfliktthema auf: „Immer mehr Neueinstellungen sind befristete Beschäftigungen“. Mit allen Unsicherheitsfaktoren und Benachteiligungen. Beispiel LWL-Klinik Dortmund: Ausgelernten Altenpflegern, so Bürger, werde da ein Halbjahres-Vertrag für eine Teilzeitstelle angeboten. „Da verdienen die genauso wenig wie im dritten Lehrjahr“.

Protestmarsch am 24. Februar

Und dass Arbeitsvermittler oft genug selbst gekniffen sind? Im Jobcenter, so Bürger, werden seit Januar alle auslaufenden Arbeitsverträge nicht verlängert. Die Leute wechseln zwar nicht ihren Arbeitsplatz, dafür aber den Arbeitgeber. Wer vorher noch unter Flagge der Bundesagentur für Arbeit lief, werde jetzt nach kommunalem Tarifvertrag bezahlt – „und hat 300 Euro weniger im Geldbeutel“.

Anja Schröder



Kommentare
20.09.2011
20:04
Leiharbeiter laufen auch in Dortmund unter „Sachkosten“ – DGB plant Demo
von karlosdallos | #12

Conti Automotive !?

Das war doch die Olle im Pelz und mit Hartz4 - Oder ?

24.02.2011
12:18
Leiharbeiter laufen auch in Dortmund unter „Sachkosten“ – DGB plant Demo
von derKritische | #11

Das schlimme ist, dass sogenannte Arbeitgeber immer wieder Löhne zahlen, die es notwendig machen, dass die Arbeitnehmer am Ende des Monats noch zum Sozialamt gehen müssen, um aufzustocken. Wie kann es sein, dass viele Arbeigeber sich auf Kosten von uns Steuerzahlern bereichern? Ich möchte mit meinen Steuergeldern keine Arbeitgeber unterstützen, die nicht mal einen Mindestlohn zahlen, von dem die Arbeitnehmer leben können, ohne auf Hartz 4 Niveau aufstocken zu müssen. Wer macht mal eine Internetseite, wo man diese Arbeitgeber kenntlich machen kann? Warum werden solche Arbeitgeber nicht von öffentlichten Ausschreibungen ausgeschlossen?

17.02.2011
11:36
Leiharbeiter laufen auch in Dortmund unter „Sachkosten“ – DGB plant Demo
von EinKnaeuel | #10

Unkostenfaktor? hat er das gesagt?
Dann kann er Leute einstellen, bis keiner mehr Überstunden zu machen braucht ....

17.02.2011
07:45
Leiharbeiter laufen auch in Dortmund unter „Sachkosten“ – DGB plant Demo
von TVtotal | #9

Laut Ackermann ist jeder Arbeitnehmer nur ein unliebsamer Unkostenfaktor.....

17.02.2011
07:20
Leiharbeiter laufen auch in Dortmund unter „Sachkosten“ – DGB plant Demo
von Tommi70 | #8

@6 Weil es für viele halt ein unerträglicher Gedanke ist, Geld vom Staat zu bekommen. Außerdem kennt man ja die Vorurteile der lieben Mitmenschen was HIV-Bezieher usw. angeht. Da verstehe ich wirklich jeden, der für sehr wenig Geld arbeiten geht.

16.02.2011
23:49
Leiharbeiter laufen auch in Dortmund unter „Sachkosten“ – DGB plant Demo
von EinKnaeuel | #7

Qualifizierte ältere Arbeitnehmer werden unter dem Deckmantel Auftragsmangel entlassen, weil sie zu teuer sind, und kommen über Leiharbeit befristet zurück. Die Kosten für den Ausleiher der Sache sind die selben, nur, das die Sache nur noch 40 - 85% seines Gehaltes bekommt und jederzeit kündbar ist..
Dafür gibt es diverse Arten von Auffanggesellschaften, die wie die Verleiher agieren.
Man muss nicht ungelernt sein, um als Sache behandelt, und um Lohn betrogen zu werden..
Einige Projekte 50+ setzen auf diese Masche um qualifizierte ältere Arbeitnehmer, billig in befristeter Arbeit unter zu bringen, die auch nach Ende der Massnahme keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt bekommen..
Facharbeiter, die den Jungen noch was beibringen können, braucht keiner mehr, dafür wird gejammert, uns fehlen Fachkräfte...

16.02.2011
20:31
Leiharbeiter laufen auch in Dortmund unter „Sachkosten“ – DGB plant Demo
von Goodie | #6

Jetzt mal ganz ehrlich, wer tut sich das an für 7.60
die Stunde, das sind bei 40 Stundenwoche
1.200 - 1.300 brutto.!!!
Als Hartzer hat man doch nicht viel weniger und
hat die Zeit sich noch nebenher was zu verdienen.
Begreife nicht, dass die immer noch Leute finden,
die für den Hungerlohn arbeiten.

16.02.2011
18:55
Leiharbeiter laufen auch in Dortmund unter „Sachkosten“ – DGB plant Demo
von rotezhora | #5

Man sollte die heutigen Arbeitnehmer nicht unterschätzen - irgendwann läuft auch bei ihnen das Fass über ! Unterschätzt wurden von den Wählern in der Vergangenheit aber immer die Politiker, die nachdem sie gewählt wurden, solche Schweinegesetze erst möglich gemacht haben ! Deshalb weg mit der Ausbeutung, weg mit der Leiharbeit !

16.02.2011
17:22
Leiharbeiter laufen auch in Dortmund unter „Sachkosten“ – DGB plant Demo
von Humankapital | #4

Leider hört hierzulande kaum noch einer die Signale!
Dank unserer Qualitätsmedien sind heutige Arbeiter ungebildeter als jene in der Weimarer Republik.
Die meisten kennen nicht mal Weimar...

16.02.2011
14:56
Leiharbeiter laufen auch in Dortmund unter „Sachkosten“ – DGB plant Demo
von Blumi | #3

Warum den gerecht werden ?

Kann man doch schön von ALLEN den Lohn aufstocken lassen, und dieses Klientel dann als unqualifiziert oder faul darstellen....

Wer ist in unserem Land der Schmarotzer ?
Die armen Schweine, die von der Stütze leben (müssen), oder die die das auch noch ausnutzen, und für IHRE Gewinnmaximierung die Allgemeinheit zahlen lassen....Ich kann gar nicht so viel essen wie ich k.... könnte...

Völker hört die Signale....

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