Lebensgefährtin nach Drama um Dortmunder Kinder in U-Haft
06.08.2012 | 07:08 Uhr 2012-08-06T07:08:00+0200
Dortmund. Im Fall der drei am Freitag in Dortmund getöteten Kinder hat die Polizei eine Tatverdächtige festgenommen: Die 29-jährige Lebensgefährtin des Vaters sitzt in Untersuchungshaft. Ihr wird Mord und besonders schwere Brandstiftung vorgeworfen.
„Warum nur? Ich kann es nicht begreifen. Warum mussten die Kinder auf so grausame Weise sterben ? Sie hatten doch noch ihr ganzes Leben vor sich?“, fragt Murat Yigit, der Onkel der drei ermordeten Kinder Mustafa, Mehmet und Silan. Sein Blick geht kopfschüttelnd ins Leere.
Und dabei sollte doch für die drei an diesem Dienstag ein neues Leben beginnen, im Schoß der Familie in der Türkei, nachdem ihre leibliche Mutter vor knapp vier Jahren bei einem tragischen Unglücksfall ums Leben gekommen war. „Deshalb war ihr Vater auch nachts hier bei uns in der Gaststätte, die meinem Vater gehört. Er wollte sich ein Auto leihen, um zum Konsulat zu fahren.“
Denn die Reisepässe der drei Kinder waren abgelaufen und so kam Muharrem T. am Freitag gegen 4.15 Uhr in die Gaststätte an der Mallinckrodtstraße. Man habe noch zusammen Tee getrunken, darüber gesprochen, wie es mit den Kindern in der Türkei weitergehen sollte.
„Dann wurde urplötzlich die Tür aufgestoßen und Muharrems Freundin kam rein“, berichtet Murat Yigit. Sie sei völlig durcheinander gewesen, hätte geschrien und am Arm geblutet. Sie sei von einem Junkie im Park überfallen worden. Der hätte sie auch verletzt. Ob Muharrem T. etwas geahnt hat? Er packt seine Freundin, leiht sich ein Auto und rast zu seiner Wohnung in der Fichtestraße 18. Hier haben Polizei und Feuerwehr bereits die Straße abgesperrt.
Drei tote Kinder haben schon einmal die Dortmunder erschüttert: Eine Mutter hatte in den Jahren 2001 bis 2004 ihre drei Kinder erstickt. Urteil: Lebenslänglich mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.
„Er wollte immer wieder in die Wohnung, wollte seine Kinder retten“, berichtet Murat Yigit. Doch für zwei Kinder kommt jede Hilfe zu spät. Sie sind, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilen, einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen. Sie wurden wohl erstochen. Muharrem T. habe gehört, so Yigit, dass sein Sohn Mehmet noch lebt. Und so wollte er zu ihm, ihm helfen. Dramatische Minuten vor der brennenden Wohnung. Doch Polizei und Feuerwehr lassen den Vater verständlicherweise nicht in die Wohnung, während Notarzt und Rettungssanitäter um das Leben des Zehnjährigen kämpfen.
Schließlich werden der Vater und seine Lebensgefährtin von der Polizei mitgenommen, werden verhört. Am Freitagabend dann die Mitteilung der Polizei: „Gegen den Vater besteht kein Tatverdacht.“ Er wird von Angehörigen abgeholt, die sich seitdem um den Mann kümmern. Doch seine Freundin gerät ins Visier der Ermittler.
Verdächtige bestreitet die Tat
„Wie es weitergehen soll, weiß er noch nicht. Er macht sich Vorwürfe wegen seiner Freundin, die er vor etwa acht Monaten kennengelernt hatte“, erklärt sein Cousin Murat Yigit. Für ihn wie auch für die restliche Verwandtschaft steht fest: Stiefmutter „Mirka“ D. (29) hat die drei Kinder getötet. Doch auf die Frage „Warum?“, finden sie keine Antwort. Und die 29-Jährige bestreitet die Tat, sitzt in Haft. Der Vorwurf: Mord und besonders schwere Brandstiftung.