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Marion Esser zog vor 28 Jahren nach Australien

Leben am anderen Ende der Welt

18.04.2010 | 18:37 Uhr

Ihre dicke grüne Woll-Jacke möchte Marion Esser auch in der Wohnung ihrer Mutter in Brackel gar nicht ausziehen. Kein Wunder: Seit die Dortmunderin vor 28 Jahren nach Australien ausgewandert ist, hat sie sich an andere Temperaturen gewöhnt.

Marion Esser und ihre Mutter Brunhilde. Foto: Knut Vahlensieck

Doch wer es mit handtellergroßen und behaarten Spinnen aus dem Regenwald aufnimmt, den können selbst westfälische 12 Grad und kühler Wind nicht mehr schocken.

Seit zehn Jahren betreibt sie mit ihrem australischen Mann Brian eine Bed-and-Breakfast-Pension in Cow Bay, in der Nähe von Cairns an der Nordostküste des fünften Kontinents. „In der Nähe”: Zwei Stunden sind es mit dem Auto vom 26 000 qm großen und von tropischen Urwaldriesen umsäumten Grundstück inklusive eines kleinen Flusses bis in die Hauptstadt des Bundesstaates Queensland. „Wir fahren nur alle 10 bis 14 Tage Einkaufen, dann aber nach Mossman, das ist nur eine Stunde entfernt”, sagt Marion Esser, die für vier Wochen nach Dortmund gereist ist, um unter anderem ihre ehemaligen Mitschüler der Ricarda-Huch-Realschule 40 Jahre nach dem Abschluss wiederzusehen. Am liebsten ist die 56-Jährige jedoch auf ihrem Grundstück nicht weit vom Strand und dem Great Barrier Reef, baut in ihrem exotischen Garten Zitrusfrüchte, Gemüse und Kräuter an, mit denen sie Cafés und Restaurants beliefert und kümmert sich um ihre Gäste. Das macht sie im Prinzip schon, seit sie 1974 die Fachschule für Hauswirtschaft in Hacheney verlassen hat. Nach den Stationen Sylt und Hamburg, wo sie ihren Brian heiratet, findet sie 1982 eine Anstellung als Catering Manager in Brisbane und Rockhampton. Die Regenwald-Region im Nord-Osten Australiens gefällt den beiden so gut, dass sie beschließen, sich niederzulassen und ein Stück Land im Regenwald von Daintree zu kaufen.

Das handwerkliche Geschick von Elektriker Brian ist sehr hilfreich dabei, das Areal urbar zu machen und das Wohnhaus samt Gästezimmern aus Pinien und Zypressenholz aufzubauen.

»Wenn alle hier leben könnten, wär's schön«

Solarpanellen sorgen für Strom, das Wasser wird aus einem unterirdischen See ins Haus gepumpt und für den Rest ist der Mensch zuständig. „Hier ist immer etwas zu tun, sonst übernimmt der Urwald wieder das Kommando. Aber die Natur ist ein wunderbarer Energiespender für uns”, schwärmt Marion Esser. Aus Deutschland vermisst sie nur die Familie und Freunde. Die restlichen Umstellungen hat sie gut gemeistert, denn mittlerweile gibt es in Australien nicht mehr nur englische Büchsenwurst und pappiges Weißbrot im Supermarkt. „Wenn alle hier leben könnten, wäre das zu schön. Aber das bleibt ein Traum”, sagt Marion Esser. Aber Träumen ist selbstverständlich erlaubt – auch bei 30 Grad am Strand am anderen Ende der Welt.

www.cowbayhomestay.com

Gregor Boldt


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