Lauwarmer Aufguss einer OB-Wahl in Dortmund
03.05.2010 | 16:25 Uhr 2010-05-03T16:25:00+0200
Dortmund. Nach dem Polit-Skandal um „Haushaltslüge” und „Wahlbetrug” sind 450.000 Dortmunder aufgerufen, zeitgleich mit der NRW-Wahl am 9. Mai zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate ihren Oberbürgermeister (Ob) zu bestimmen. Doch das erneute Duell Sierau gegen Pohlmann fällt ziemlich mau aus.
Der neuerliche Kampf ums „rote Rathaus” zwischen den Hauptakteuren Ullrich Sierau (53, SPD) und Joachim Pohlmann (55), der für CDU und FDP antritt, bietet wenig Zündstoff. Beide waren bereits bei der Kommunalwahl 2009 gegeneinander angetreten, haben sich in ungezählten Podiumsdiskussionen vor Zuhörern gemessen. Jetzt aber, im neuerlichen Wahlkampf, gehen sich die Spitzenkandidaten meist aus dem Weg.
SPD-Matador Sierau, der vor zwölf Jahren als Planungsdezernent in der Stadtverwaltung begann, wirft seinem Gegenüber vor, er habe keine Ahnung von Kommunalfinanzen und Verwaltungsführung. „In keiner Stadt des Ruhrgebiets stehen so viele Baukräne und wird so viel investiert wie in Dortmund.”
Gegenspieler Pohlmann, ein Rechtsanwalt für Verwaltungsrecht und bis zu seiner Kandidatur politisch kaum in Erscheinung getreten, kontert unter Hinweis auf die marode Haushaltslage: „Schluss mit der Leuchtturmpolitik und teuren, schlecht gemanagten Großprojekten wie dem Umbau eines alten Brauereihochhauses in ein Kreativitätszentrum.” Sierau sei nicht der Erneuerer, für den er sich ausgebe. „Er gehörte zum engsten Führungszirkel und war bei allen Entscheidungen dabei.”
Leise Töne
Attacken dieser Art sind für Pohlmanns Verhältnisse schon starker Tobak. Er bevorzugt eher die leisen Töne. Ein bisschen mehr Würze und Angriffslust allerdings hatte sich die Rats-Opposition aus CDU und FDP von ihrem Kandidaten schon gewünscht bei der neuerlichen Chance, das traditionell „rote Dortmunder Rathaus” zu stürmen. Bei der OB-Wahl am 30. August 2009 hatte sich Pohlmann gegen Sierau geschlagen geben müssen. Umso größer die Hoffnungen, als Sierau am Abend des 18. Januar, halb getrieben, halb freiwillig, seine vor wenigen Monaten errungene Amtskette wieder ablegte und den Weg für Wiederholungswahlen freimachte.
Vorausgegangen war ein bundesweit einzigartiges Polit-Spektakel, das einen Tag nach der Kommunalwahl ins Rollen kam: Nur 16 Stunden nach der für Sierau erfolgreichen Wahlnacht teilen sein damaliger Vorgänger OB Gerhard Langemeyer (SPD) und die (inzwischen vom Rat abgewählte) Kämmerin offiziell mit, was sie Wochen zuvor massiv bestritten haben: Dortmunds Haushalt hängt schief und steuert auf ein Defizit von rund 100 Millionen Euro zu. Eine Steilvorlage für die Opposition, die lauthals über „Wahlbetrug an Dortmunds Wählern” wettert. Rund 300 Bürger legen Widerspruch gegen das Wahlergebnis ein.
Diegel und Arnsberg sehr aktiv
An der Spitze der Bewegung: der Arnsberger Regierungspräsident Helmut Diegel; ein CDU-Mann, der mit Langemeyer so manchen Strauß ausgefochten hat. Arnsberg, auch das einmalig, lässt sich wie eine Strafverfolgungsbehörde die Akten aus dem Dortmunder Rathaus kommen - und stößt auf Hinweise, dass Langemeyer, seiner Kämmerin und dem damaligen Stadtdirektor und OB-Kandidaten Sierau schon im Juni 2009 alarmierende Papiere aus der Stadtkämmerei vorliegen, nach denen Dortmund sogar auf 130 Millionen Euro Miese zusteuert.
Die Öffentlichkeit erfährt davon nichts. Sierau, er war zuvor Planungsdezernent, bestreitet die Existenz der düsteren Prognosen nicht, gibt aber später zu Protokoll, „von der dramatischen Entwicklung der Zahlen nichts gewusst” zu haben. Sein Wahlkampfcredo fortan: „Ich stehe für Haushaltsklarheit und -wahrheit.”
Krieg der Gutachter
Es kommt zu einem Krieg der Gutachter: Ein von der SPD beauftragter Kommunalrechtler findet, das Verhalten von Ex-OB Langemeyer sei rechtlich nicht zu beanstanden. Ein zweiter, vom Rat der Stadt bestellter Gutachter, sieht das völlig anders: Er empfiehlt, die komplette Kommunalwahl inklusive der OB-Wahl wiederholen zu lassen. Und so entscheidet später auch der Rat der Stadt. Mit der Begründung, sie hätten „niemanden belogen”, reichen im gleichen Atemzug jedoch elf Ratsvertreter der SPD und einer aus der rechtsgerichteten DVU Klage beim Gelsenkirchener Verwaltungsgericht gegen die Wiederholung der Wahl für die Rats-Tickets ein. Die Entscheidung soll in diesem Jahr fallen.
Kurz nach Bekanntwerden der „Haushaltslüge” drängt RP Diegel Dortmunds frisch gewählten OB Sierau mehr oder weniger offen zum Rücktritt. Und, tatsächlich: Im Dezember 2009 erklärt Sierau, er werde sich einer Wiederholungswahl nicht in den Weg stellen - und zieht am Abend des 18. Januar vom OB-Schreibtisch zurück ins Planungsdezernat - die Großstadt Dortmund, rund 580 000 Einwohner stark, steht ohne Oberbürgermeister da. Ein einmaliger Vorgang. Gegenkandidat Pohlmann, zu dem Zeitpunkt längst wieder im Privatleben angekommen, muss erneut zurück in den Ring. SPD-Kandidat Sierau guckt die Dortmunder seit Wochen von rund 40 Großplakaten („Wesselmänner”) an. Für ihren Kandidaten Pohlmann hat die CDU bis vor Kurzem 15 aufgestellt.
00:08
Naja so doll ist die Ahnung des Herrn Sierau von kommunalen Finanzen ja wohl doch auch nicht. Von dem riesigen Schuldenberg hat er ja angeblich nichts gewußt. Entweder ist er dumm oder unfähig oder er lügt ganz einfach.
Man kann sich das richtige aussuchen. Ob das die richtige Empfehlung für einen Oberbürgermeister ist ?
18:28
Einer von Beiden muß es ja werden, also stimme ich für Sierau!
13:00
@7 Stefan.S
Es ist eigentlich egal, ob du Pohlmann oder Sierau wählst.
Da stehen sich Not oder Elend gegenüber.
Es ist nicht nur die Landesregierung dafür verantwortlich, dass die Kommunen ausbluten.
Es ist die falsche Steuerpolitik, der letzten 10 Jahre, im Bundestag.
Und einiges ist in Dortmund auch Hausgemacht.
Ich empfehle dir da die Lektüre
Zocker im Rathaus
Wie Kommunalpolitik bei uns die Krise verschärft
erhältlich in der Geschäftsstelle der Linken im Rathaus, oder auch als Download auf folgender Seite zu finden.
http://www.dielinke-dortmund-kommunal.de/startseite05.html
11:43
Herr Sierau wird und muß die Wahl gewinnen. Warum sollte ich CDU in Dortmund wählen, wenn es doch die Landesregierung ist die für das Ausbluten der Komunen verantwortlich ist, insbesondere die Stadt Dortmund. Lieber Sierau in Dortmund als einen käuflichen Ministerpresidenten der ohnehin in NRW versagt hat!
21:41
die Dortmunder würden sogar eine rote Mülltonne wählen, hauptsache rot...
21:10
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21:08
Hier mal eine hoch erfreuliche Nachricht - für den sozialen Fortschritt :
http://doppelwacholder.wordpress.com/2010/04/05/der-linken-laufen-die-leute-weg/
20:17
Wie gut es einer Stadt geht, erkennt man also an der Anzahl der Baukräne.
Wenn Pohlmann dran wäre, gäbe es sicherlich genau so viele Baukräne, der Unterschied wäre nur, so habe ich das jedenfalls im gerade gesehenen TV-Duell verstanden, dass die Baugenehmigungen nicht mehr so lange dauern würden,
die Baukräne also schneller aufgestellt wären.
Und der Mann spricht aus Erfahrung:
Ich hab da einen Mandanten, der wartet schon...
Wie gut es einer Stadt geht, erkennt man doch eher, wenn man sich den aktuellen Sozialbericht anschaut.
Und da sieht man ganz deutlich, wo viele Kinder leben, da ist die Armut am Höchsten.
Leider ist dort, wo die Armut am Höchsten ist, die Wahlbeteiligung am Geringsten und da wo es fast keine Armut gibt ist die Wahlbeteiligung am Höchsten.
Und das ist genau der Punkt, warum sich hier nichts Grundlegendes verändern wird.
Stellen sie sich mal vor, Herr Pohlmann und Herr Sierau, der arme Norden und der Westen würde auf einmal in die Pötte kommen und zur Wahlurne schreiten und dann die LINKE wählen,
Herr Manz hätte ganz schnell die absolute Mehrheit.
Oder der reiche Süden würde auch mal so ein Wahlmuffel werden, was wäre denn dann?
Aber dazu kommt es nicht, der reiche Süden schreitet zur Urne und wählt natürlich die Parteien, die ihm am wenigsten an seinen Geldbeutel gehen,
der doch eigentlich schon fett genug ist.
Soziale Projekte werden gestrichen, Schulen werden nicht saniert, für die versprochenen Kitas in der Nordstadt wird es wohl auch nicht reichen, das riesige Haushaltsloch ist da und Arnsberg sitzt uns im Nacken.
Schuld daran ist weder Herr Sierau noch Herr Pohlmann, aber schuld daran ist die Politik, für die die Beiden stehen.
19:05
Sierau sei nicht der Erneuerer, für den er sich ausgebe. „Er gehörte zum engsten Führungszirkel und war bei allen Entscheidungen dabei.”
Das mag richtig sein, Herr Pohlmann. Aber die Entscheidungen für die von Ihnen zitierten Großprojekte hat der Rat der Stadt Dortmund getroffen. Und das mit Mehrheit. Und auch mit den Stimmen von CDU und FDP!
Und jetzt Herr Ahnungslos Pohlmann???
Sie lassen also lieber 20 Mio EU-Förderung für ein Großprojekt bei einem Eigenanteil von 2 Mio der Stadt links liegen, oder was? Gut, dass auch zukünftig hier eine Ratsmehrheit entscheidet.
17:27
Ob Sierrau oder Pohlmann, keinen von diesen Bandieten sollte man wählen! Diese Edelmänner lügen doch nur und machen sich die Taschen auf unsere kosten voll. Wie schnell auch der Knorpelfisch Hengstenberg ruhig gestellt werden konnte mittels richtigem Job und Bezahlung. Daran kann auch der einfache Bürger gut erkennen aus welchem Holz unsere Stadtväter geschnitzt sind. Unter Schröder hat die SPD einen falschen Weg eingeschlagen( sozialer Wohnungsbau den Heuschrecken preisgegeben, die Rentner betrogen und dann noch der Peter Hartz Gangster). die folgende Bemerkung ist unqualifiziert, aber im Kern richtig, und ich möchte nicht darauf verzichten! Herr Hengstenberg sie sind ein Hosenpisser!