Landeskirche will den Kirchentag 2019 nach Dortmund holen

Albert Henz, Vizepräsident der westfälischen Landeskirche mit Sitz in Bielefeld.
Albert Henz, Vizepräsident der westfälischen Landeskirche mit Sitz in Bielefeld.
Foto: IKZ
Was wir bereits wissen
Der Rat der Stadt Dortmund wird nach den Sommerferien darüber befinden, ob der Kirchentag 2019 in Dortmund stattfinden soll.

Dortmund/Bielefeld.. Eigentlich sollte der Rat der Stadt Dortmund schon in der vergangenen Woche positiv über die Vergabe des Deutschen Evangelischen Kirchentages 2019 nach Dortmund entscheiden. Doch der Beschluss ist auf Ende August verschoben worden. Dennoch bleibt Albert Henz, Vizepräsident der westfälischen Landeskirche, sehr zuversichtlich, dass es zu dem zustimmenden Beschluss kommen wird. Andreas Thiemann hat darüber mit dem leitenden Theologen gesprochen.


Wie sehen Sie aktuell die Chancen, dass der Kirchentag wirklich 2019 in Dortmund stattfinden wird?

Albert Henz: Noch bin ich ausgesprochen guten Mutes. Aber wir müssen natürlich aufpassen. Es geht ja nicht nur um 2,7 Millionen Euro, die die Stadt Dortmund für den Kirchentag investieren soll. Dieses Geld fließt ohnehin durch die mehr als 100 000 Teilnehmer wieder zurück in die Stadt. Aber es wäre schon ein fatales Signal des Nichtwillkommenseins, wenn der Rat dagegen votieren würde. Allerdings sehe ich gegenwärtig doch eine deutliche Befürworter-Mehrheit im Dortmunder Rat.

Warum wurde die Entscheidung im Dortmunder Rat überhaupt vertagt?

Henz: Es geht wohl eher um Grundsätzliches. Einige Ratsmitglieder fühlten sich von einer befürwortenden Verwaltungsvorlage überrascht, die so nicht mit ihnen abgestimmt war. Aber ich denke, die Mehrheit bleibt gesichert.

Wer hat eigentlich wann erstmals Dortmund als Veranstaltungsort für den Kirchentag 2019 vorgeschlagen?

Henz: Im Jahre 2004 hat sich der westfälische Landesausschuss mit diesem Vorschlag an den damaligen Präses Alfred Buß gewandt.

Sein wann laufen in Bielefeld konkrete Vorbereitungen / Vorgespräche für einen KT in Dortmund?

Henz: Der Vorschlag wurde diskutiert und sorgfältig geprüft mit dem Ergebnis: Ja, wir wollen in Dortmund 2019 Gastgeber des Deutschen Evangelischen Kirchentages sein.

Gibt es bereits innerhalb der westfälischen Landeskirche eine Art „Projektleiter“ für den KT 2019?

Henz: Nein, vor der endgültigen Entscheidung wäre das zu früh. Grundsätzlich zuständig bin ich als Dezernent für gesellschaftliche Verantwortung und auch für den Kirchentag.

Welche spezifischen Aufgaben wird die Landeskirche auf dem Weg zum KT übernehmen?

Henz: Wenn die Entscheidung definitiv gefallen ist, werden wir einen Beauftragten benennen, der dann in einer gemeinsamen Geschäftsstelle mit dem Kirchentag das Ereignis vorbereitet.

Welches sind die nächsten Schritte der Vorbereitungen?

Henz: Bestimmt werden wir auf dem Berliner Kirchentag 2017 durch eine überzeugende westfälische Präsenz schon Werbung für Dortmund 2019 machen.

Nach 1963 war der KT noch einmal 1991 in Dortmund (und im Revier). Welche Erkenntnisse / Erfahrungen hat es beim letzten Mal gegeben, die für 2019 genutzt werden können?

Henz: Der Kirchentag im Ruhrgebiet 1991 war ein Experiment, die Entfernungen wurden als groß empfunden, die öffentlichen Verkehrsverhältnisse als zu wenig aufeinander abgestimmt. Die Konzentration auf eine Stadt wird sicher eine dichtere Atmosphäre fördern, ein intensiveres Kirchentagsgefühl.

Gerade war der KT in Stuttgart. Kann Dortmund etwas von den Schwaben lernen, und wodurch wird sich das Treffen 2019 schon aus heutiger Sicht von Stuttgart 2015 unterscheiden?

Henz: Die Stuttgarter waren freundliche, gute Gastgeber. Das zeigte sich schon etwa daran, dass bei der großen Hitze in der ganzen Stadt die Feuerwehr-Hydranten als Trinkwasserspender zur Verfügung gestellt wurden. Unterschied? In Dortmund wird es sicher keine Maultaschen geben.

Kann man schon jetzt vielleicht ein „Alleinstellungsmerkmal“ für Dortmund formulieren, um eine gewisse Erwartung / Neugierde zu wecken?

Henz: Nicht nur eins: Dortmund ist durch seine verkehrsgünstige Lage und seine gute Anbindung an Schiene und Straße von allen Punkten in Deutschland gut zu erreichen. Dortmund hat eine lange und gute Tradition, Menschen verschiedener Nationen, Kulturen und Mentalitäten zu vereinen. Dortmund hat auch gezeigt, wie sich gesellschaftliche Transformationsprozesse bewältigen lassen, zum Beispiel der Strukturwandel in der Montanindustrie. Übrigens ist das Westfalenstadion ein hervorragender Ort für einen Gottesdienst mit 100.000 Menschen.

Wenn man den KT 2019 in Dortmund als Chance für den Protestantismus in Westfalen begreift – worin besteht sie?

Henz: Auf dem Kirchentag werden die großen Fragen der Zeit mit ganz vielen Menschen, auf eindrucksvollem Niveau, in bunter Vielfalt, in großer Offenheit und mit hoher Prominenz angesprochen. Daran sind wir Protestanten in Westfalen, wenn es so weit kommt, als Gastgeber maßgeblich beteiligt. Ein solches Ereignis strahlt weit in die Region aus.

Hat die westfälische Landeskirche Einfluss auf oder Wünsche für das KT-Motto 2019?

Henz: Einfluss dadurch, dass wir ja dann als Landeskirche im Präsidium vertreten wären. Das Motto muss natürlich auch einen Bezug zur aktuellen gesellschaftlichen Situation haben. Daran werden sich unsere Wünsche ausrichten.