Das aktuelle Wetter Dortmund 14°C
Dortmund

Lärmkarte ignoriert Jets und Züge

30.05.2008 | 20:56 Uhr

Knapp 10 000 Dortmunder werden tagsüber von Lärm geplagt, gut 15 000 nachts. Also 1,7 bzw. 2,6 Prozent der Bevölkerung. Das besagt jedenfalls die aktuelle Lärmkarte, die jetzt auch im Internet steht. ...

Bislang werden nur Straßen als Lärmquelle erfasst: In der Grafik sieht man die Belastungen an Ruhrallee, B 1 und Märkische Straße. (Quelle: "www.Umgebungslaerm.nrw.de")

... Maßgebend für die Kriterien, was laut ist, waren die Richtlinien der EU. Heinrich Bornkessel vom Umweltamt, der sich ein Jahr lang mit der Umsetzung der EU-Richtlinie Lärm herumgeschlagen hat, nimmt kein Blatt vor den Mund: "Subjektive und gerechnete Werte passen nicht." Oder anders ausgedrückt: Kurzzeitereignisse wie etwa ein startender Jet werden nur unzureichend in der jetzt veröffentlichten Lärmkarte abgebildet. Ausgerechnet.

Es sind die Hauptverkehrsachsen, die als Lärmerzeuger blau oder violett sofort ins Auge springen. Flug- und Gewerbelärm werden nach den EU-Richtlinien einfach ausgeblendet. "Nach den Kriterien der EU steht Dortmund im Vergleich ganz hervorragend da", kommentiert Umweltdezernent Wilhelm Steitz, wissend, dass er mit dieser Bemerkung die Lärmschutzgegner gegen sich aufbringt.

70 Dezibel werden tagsüber als Schmerzgrenze angesehen, 60 nachts.

Züge noch nicht erfasst

Der rumpelnde Güterzug der nachts durch Sölde lärmt, fließt ebenfalls nur durch ein arithmetisches Mittel in die Lärmkarte ein. Das heißt, diese Angaben werden demnächst in die Karte einfließen, wenn das Eisenbahnbundesamt auch seine Hausaufgaben gemacht haben wird.

Die Erhebung des Lärms ist die eine Sache. Wie man die gewonnenen Erkenntnisse in Maßnahmen umsetzt, ist der nächste, noch schwerere Schritt. Damit soll sich die Politik nach der Sommerpause auseinandersetzen. Und die interessierte Öffentlichkeit soll daran beteiligt werden. Aber leichter gesagt als getan.

"Im Bestand sind Lärmschutzmaßnahmen nicht einfach umzusetzen", sagt Heinrich Bornkessel. Beispiel Märkische Straße. Hier lasse sich eben nicht eine Lärmschutzwand zwischen Straße und Hauswand errichten. Tempolimits sind innerorts ebenfalls kaum ein Mittel zur Lärmreduzierung und ein LKW-Verbot lässt sich gerade auf den lauten Hauptverkehrsachsen ebenfalls kaum umsetzen.

Die Stadt habe auch schon viel zur Lärmminderung getan, beteuert Bornkessel. Man denke an Aktionspläne für Radverkehr und öffentliche Nahverkehrssysteme. Hinzu kämen Lkw-Routenpläne und nicht zuletzt das Lkw-Nachtfahrverbot und das Tempolimit von 50 km/h auf der B 1.

Bleibt: eine entsprechende Berücksichtigung der Lärmschutz-Interessen der Bürger bei zukünftigen Planungen.

Anders sehe es tatsächlich bei den Bahnlinien aus. "Da kann 'was gehen", deutet das Umweltamt an. Dann müsse der Gesetzgeber aber auch die Bahn AG in die Pflicht nehmen und zu Lärmschutz anhalten. Denn freiwillig werde die Bahn AG wohl kaum Lärmschutzwände an ihren Strecken hochziehen.

Von Gerald Nill

Facebook
 
Kommentare
31.05.2008
12:15
Lärmkarte ignoriert Jets und Züge
von Klaus Lohmann | #2

Augenmaß ist hoffentlich keine Umschreibung für die statistischen Zaubertricks, mit denen diese Lärmkarte zusammen geschustert wurde.

Mal ganz abgesehen von den fehlenden Flug- und Bahnverkehrsdaten: Selbst beim Straßenlärm wird schön algorithmiert, dass sich die Balken biegen.

Beispiel A45 im Bereich Marten/Wischlingen: Da werden nicht geschlossene Häuserzeilen (max. 2-geschössig) im 50m-Abstand zur Autobahn plötzlich zu einer Art Lärmschutzwand, hinter der der Durchschnittspegel auf wundersame Weise genau unter die 70-/60-db-Schwelle rutscht. Dass Strassen.NRW im Zuge der Neu-Asphaltierung der A45 mal eben 200 Meter Lärmschutzwand einfach verschwinden liess, fliesst in diese Messungen natürlich nicht ein.

Die ellenlangen Erläuterungen des Umweltministeriums NRW zur Zusammensetzung der Daten haben eigentlich nur einen Tenor: Eigentlich haben wir kaum verlässliche Daten, aber das bisschen, was wir haben, lässt sich doch prima zu bunten Bildchen hochpimpen.

31.05.2008
09:51
Lärmkarte ignoriert Jets und Züge
von dr Fake | #1

Nach der sachlich völlig überzogenen Feinstaub-Hysterienummer hat die EU nun beim Lärmschutz Augenmass bewiesen und schon ist der heulende Aufschrei der friedensbewegten *********** und Meinungsmacher in Dortmund größer als die vermeintliche und gefühlte Lärmbelastung aus dem Verkehr. Nun wird es vorerst nichts mit Tempo 30 auf der B1 und dem allgemeinen Nachtfahrverbot für Alle und auch die Einstellung des Luft- und Bahnverkehrs in Dortmund muss vermutlich noch ein wenig warten.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1772320/create

UMFRAGE

Sollen Stehplätze in Fußballstadien abgeschafft werden?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Layla Zoe in Dortmund
Bildgalerie
Piano
Hitze am Phoenix-See
Bildgalerie
Wetter
Achtung, Dortmund — hier droht Bußgeld!
Bildgalerie
Bußgeld-Katalog
Aus dem Ressort
Zwei Schwerverletzte bei Messerstecherei im Seepark in Lünen
Gewalt
Bei einem Streit im Seepark in Lünen sind am Samstagabend vier Menschen verletzt worden, zwei von ihnen schwer. Ein 18-Jähriger aus Dortmund musste nach einem Messerstich mit einem Hubschrauber abtransportiert werden. Ein weiterer Dortmunder wurde schwer verletzt. Die Tatverdächtigen flüchteten.
Verkauf über Home-Party läuft auch in Dortmund erfolgreich
Shopping
Von der Plastikschüssel bis zur Kindermode: Der Direktvertrieb im Wohnzimmer boomt. Die erfolgreichste Beraterin der Firma "me&i" aus Schweden wohnt in Dortmund und hat sich bereits selbstständig gemacht.