Länderspielpause kommt BVB-Lazarett sehr entgegen

Jakub Blaszcykowski zog sich beim Spiel des BVB in Hannover eine Verletzung am Syndesmoseband zu.
Jakub Blaszcykowski zog sich beim Spiel des BVB in Hannover eine Verletzung am Syndesmoseband zu.
Foto: Bongarts/Getty Images
Was wir bereits wissen
In Stuttgart setzte Trainer Bruno Labadia zum Donnerwetter gegen die versammelte Presse an, in Hannover ließ Jürgen Klopp zumindest ein deutliches Grummeln folgen. In der Liga wird es stressig. Da kommt die Länderspielpause gelegen.

Dortmund.. Das war kein gemütlicher Sonntag für Bundesligatrainer. Während Bruno Labbadia bei der Pressekonferenz nach dem Leverkusen-Spiel öffentlich aus seinem Herzen keine Mördergrube machen wollte und darauf hinwies, dass „die Trainer in der Bundesliga keine Mülleimer“ seien, hatte sich Jürgen Klopp – sichtbar grummelnd – eine merkliche Zurückhaltung auferlegt. Es war seine Art, mit den Geschehnissen der 93 gesehenen Minuten umzugehen.

„Einigermaßen anstrengend, das alles zu verarbeiten“, befand das der Trainer im Nachgang und wirkte angesäuert gegenüber den stereotyp nachfragenden Medienvertretern. Und man kann ihn verstehen. Es nervt, ständig immer diese Querverweise zum Branchenprimus kommentieren zu müssen. „Das interessiert mich nicht. Wir spielen unsere Saison, und die Bayern spielen ihre“, nagelte Klopp seine Botschaft geradezu druckfähig in die Mikrofone.

Es kann noch viel passieren

Dies zumal, da wir ja erst den 7. Bundesligaspieltag absolviert haben und noch so unermesslich viel passieren kann in dieser Jubiläumsspielzeit. Doch diesmal kam eben alles zusammen. Zum einen das Schiedsrichtergespann um Peter Gagelmann, das von falschen Abseitsentscheidungen über kleinliche Zweikampfauslegungen bis hin zum absolut möglichen Elfmeterpfiff in den Schussminuten das gesamte Repertoire der Unzulänglichkeiten aus Sicht der Dortmunder parat hatte. Zum anderen hatte die sportliche Leitung des BVB drei verletzungsbedingte Ausfälle zu beklagen, was Mannschaftsarzt Dr. Markus Braun mehr Arbeit bereitete, als ihm lieb gewesen sein konnte. Während der in dieser Saison auf konstant hohem Niveau spielende Kuba vermutlich längerfristig ausfallen wird, sind die Verletzungssorgen um Hummels und Bender indes vergleichsweise geringer angesiedelt.

Doch auch der Gegner, Hannover 96, war ja schließlich zu Hause an der Leine nicht irgendwer, das musste der BVB bereits am 18.September des Vorjahres schmerzlich erfahren, als man die letzte Niederlage in der Meistersaison kassierte. Nun hatten die Niedersachsen eine recht stolze Serie anzubieten, denn seit 21 Heimspielen war man saisonübergreifend in der Liga ungeschlagen.

Das ist aktuell die längste derartige Serie der Eliteklasse und zudem laufender Vereinsrekord (die letzte Heimniederlage gab es übrigens am 30. April 2011). Und Borussia spielte lange so, als sei dieser Rekord nach Beendigung der Partie Schnee von gestern. Doch mit zunehmender Spieldauer rannte die Mannschaft von Mirko Slomka immer mutiger gegen das Dortmunder Tor an und hatte sich mit einer beachtlichen Energieleistung, aber auch mit Spielwitz hochkarätige Chancen herausgespielt.

Abstimmungsprobleme in der Deckung

Dazu kam, dass es in dieser emotional aufgeheizten Atmosphäre am Ende eben nicht genügte, dass der BVB acht Kilometer mehr als der Gastgeber zurückgelegt hatte. Obwohl 96 einen Tag weniger zum Ausruhen zur Verfügung hatte, konnten die Niedersachsen in den letzten 20 Minuten nach der Einwechslung von Mame Diouf noch einmal deutlich Fahrtwind zulegen und mit Hilfe ihres nahezu gesamten Offensivpotenzials den BVB in der eigenen Hälfte dauerhaft festsetzen. Dabei waren erneut Abstimmungsprobleme in der Deckung nicht zu übersehen, weil aus dem Mittelfeld zu diesem Zeitpunkt keinerlei Entlastung mehr erfolgte.

Eine Spitzenmannschaft wie Borussia Dortmund muss aber auch mal in der Lage sein, sogenannte „dreckige Siege“ über die Zeit zu bringen. War es in Manchester noch Pech und die überraschende Unterstützung des Gegners durch den Unparteiischen von Nöten, betrog g sich Schwarzgelb gestern selbst um den Verdienst. Folgerichtig brachte Nationalspieler Marco Reus vor der Abreise zum DFB-Treffpunkt das Dilemma um die beiden verspielten Punkte kurz und knackig auf den Punkt: „Wenn wir das 2:0 machen, ist die Sache durch.“ Haben sie aber nicht! Chancen hatte sie wieder einmal genügend dafür.

Doch mangelnde Konzentration (Kuba), fehlende Präzision (Piszczek) oder der berühmte Schnörkel zu viel (Götze) standen einer Vorentscheidung im Weg, was den über 8000 mitgereisten Anhängern einmal mehr ein Wechselbad der Gefühle bescherte.

Jetzt heißt erst mal Wunden pflegen, Verletzungen behandeln und die Zeit sinnvoll nutzen, denn das nächste Spiel ist im wahrsten Sinne des Wortes bekanntlich das Schwerste! Und pünktlich zur „Mutter aller Derbys“ darf dann auch gern wieder das Abschlussglück zurückkehren.