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Serie: Kulturschätze

Zweite Karriere als Museumsdirektor

26.07.2012 | 19:01 Uhr
Zweite Karriere als Museumsdirektor
Der ehemalige Bergmann Max Rehfeld hält das Licht der Erkenntnis hoch – in Form einer Grubenlampe. Und jeder Besucher kann es ihm nachtun.Foto: Franz Luthe

Nach 30 Jahren unter Tage steht Max Rehfeld noch mit über 85 Jahren im eigene Flöz. Die Schaustrecke hat der ehemalige Bergbau-Ingenieur in einem kleinen Museum eingerichtet. Dort können sich Besucher Originale aus der Zeit des Bergbaus anschauen. Das schönste Original: Max Rehfeld selbst.

30 Jahre lang war Max Rehfeld unter Tage, seit elf Jahren lädt er Besucher in seine kleine Flözstrecke ein. Statt runter geht es rauf: Ins erste Obergeschoss des alten Torhauses der ehemaligen Zeche Adolf von Hansemann. Dort begrüßt der Museumsdirektor persönlich seine Gäste: „Hallo, ich bin der Max!“

Nach kräftigem Händedruck geht es weiter in die „BUV-Kleinzeche“, ein Museum, das Originale aus der Zeit des Bergbaus zeigt und vor allem durch ein Original lebt: Max Rehfeld. Ohne das Engagement des heute 85-Jährigen gäbe es das kleine Bergbau-Museum gar nicht, heute betreibt es ein Verein aus Ehrenamtlern. 1999 rückte Rehfeld der Handwerkskammer Dortmund als Vorsitzender des Knappenvereins BUV Mengede auf den Pelz. „Es wäre schön, wenn wir als bergbaunaher Verein hier ein Zuhause finden könnten, habe ich gesagt“, erinnert sich Rehfeld.

Andere schreckte die Verantwortung

Ein Jahr später erfüllte sich sein Wunsch: 70 m3 bekam der Knappenverein auf dem Zechengelände – und schreckte vor der Verantwortung zurück. „Max, das können wir uns nicht leisten, kam da aus den Reihen“, erinnert sich der Bergmann, der aber keinen Rückzieher machen wollte. „Da habe eben ich den Nutzungsvertrag mit der Handwerkskammer ausgehandelt, dass wir keine Miete zahlen müssen und angefangen das Museum zu organisieren“, erzählt Rehfeld und lächelt, wenn er auf die angesammelten Schätze blickt. „Ich wollte die Bergbauwelt in einem Museum erhalten. Die Leute sollen später einmal nicht nur aus Geschichtsbüchern erfahren, dass hier Bergbau war. Die sollen an den Dingen hier erkennen, wie das war.“

Noch heute hält er das Licht der Erkenntnis hoch – in Form einer Grubenlampe. Jeder Besucher kann es ihm nachtun und erfährt so ganz praktisch, wie schwer die Arbeit unter Tage war, sobald er Hand an das „Gezähe“, die Werkzeuge des Bergmanns, legt. Allein die Lampe wiegt mehr als eine Flasche Milch – und die möchte man eigentlich nicht den ganze Tag am Gürtel baumeln haben.

Besucher dürfen zugreifen

Im Flöz „Wasserfall“, einem kleinen Schauraum, liegen die Werkzeuge bereit, als ob Max Rehfeld gleich zum Presslufthammer greifen und die Strecke tiefer in die Erde treiben könnte. Auch Besucher dürfen zugreifen – anders als in den meisten Museen – und können bequem durch den Raum spazieren. Allzu viel Flöz-Realität wollte der Bergbau-Ingenieur, der ehemals ein Revier der Zeche Minister Stein mit 300 Leuten leitete, seinen Gästen wohl nicht zumuten: „Manchmal habe ich vor der Kohlenschicht gelegen, während ich sie mit dem Presslufthammer abgetragen habe.“

Die Flözstrecke ist das Herzstück seiner Ausstellung und liebevoll dekoriert. „Den Türstock hat die Ausbildungsabteilung der Zeche Auguste Victoria in Marl gemacht“, erklärt der heutige Museumsdirektor. Steine und Kohlenstücke hat er selbst an die Wand geklebt. Am hinteren Ende hängt eine schwarze Plane, mit weißer Farbe ist darauf eine Tunnel, Kohlewagen und Arbeiter gezeichnet. „Wie eine Theaterkulisse“, kommentiert Rehfeld sein Werk.

In anderen Räumen lagert eine internationale Mineraliensammlung, Stollen-Miniaturen, Teller, Fahnen und Wimpel mit Bergmannsymbolen darauf. Insgesamt 1100 Stücke. Außerdem stehen Besuchern rund 800 Bücher in der Museums-eigenen Bibliothek zur Ver

fügung – alles fein aufgelistet in handgeschriebenen Kladden. „Das mache ich, damit auch andere das Museum führen können, wenn ich mal nicht mehr kann“, erklärt Max Rehfeld. Wenn es soweit ist, hat das Museum sein schönstes Original verloren.

Maike Rellecke

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